Full text : Unser Schönes Samland

verlaufen die Tage mit der Regelmäßigkeit
 und Selbstverständlichkeit
von Naturgesetzen. Wir leben, ohne
darüber groß nachzudenken, mit der
Natur und von ihr. Und wir wissen
nicht einmal, daß dies hier, auf dem
Flecken Erde genannt Aweyken, schon
seit mindestens 600 Jahren genauso
gewesen ist.
Schon im Jahr 1300 wurde
Aweyken erstmals urkundlich erwähnt
- ein prußisches Bauerndorf mit 5
Höfen. Mit seiner leichten Geländeneigung
 war es ein ideales Siedlungsgebiet,
 an dessen tiefster Stelle man
Wasser vorfand oder doch leicht Brunleitet

 wurde. Für uns Nachgeborene
war das Fließ schon ein gefaßtes
Gewässer, der Boden mit seinen Sandund
 Torfanteilen ein sehr gutes
Bauernland.
Die prußischen Bauern trugen
schon in den Urkunden des 14. Jahrhunderts
 christliche Namen wie Thomas,
 Michel, Jacob und Symon. Bei
den fünf Höfen blieb es durch einige
Jahrhunderte hindurch. Nur die Herrschaft
 wechselte, die Herrschaft, der
das Land gehörte und die von den
Bauern Abgaben und Dienste forderte.
So war dies zunächst der Ritterorden,
dann der Bischof von Samland und

Das Qutshaus Fischer/von Ludwig

nen graben konnte. Da Teile des
Geländes wohl ursprünglich moorig
waren, müssen wir uns vorstellen, daß
in den vergangenen Jahrhunderten
Stück für Stück durch Gräben trockengelegt
 und das Wasser dem Fließ zugenach

 der Säkularisierung der Herzog.
Die Ämter dieser Herrschaften trieben
aber nicht nur den Zins ein, sondern
sie führten auch Buch darüber.
Deshalb erfahren wir, daß die Verhältnisse
 im Dörfchen sich in etwa 300

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Jahren kaum veränderten, nur daß
nach und nach auch deutsche Bauern
sich dort einkauften und ansiedelten.
So erscheinen im 17. Jahrhundert in
den Zinsbüchern die Bauernnamen
Burkhart, Brückmann, Reuß und
Ridder. Die Unterlagen des 18. Jahrhunderts
 sind schon viel aussagekräftiger:
 Käufe und Verkäufe, Rechtsänderungen
 und sogar der Viehbestand
 sind verzeichnet. Mit Staunen
erfährt man, daß es 1779 im kleinen
Aweyken 40 Pferde, 10 Fohlen, 20
Ochsen, 20 Kühe, 14 Stück Jungvieh
und 22 Schweine gab. Das ist doch
wohl der Beweis für eine sehr erfolgreiche
 Landwirtschaft, zumal dort damals
 nur um die 40 Personen wohnte.
Fast das ganze 18. Jahrhundert hindurch
 wirtschafteten neben anderen
wechselnden Bauern in Aweyken die
Familien Goercke (auch Gercke oder
Gehrcke) und Pisack (später auch
Peszack). Als im 18. Jahrhundert die
Volksschulbildung eingeführt wurde,
schlug man Aweyken zum Schulbezirk
Stantau. 12 Groschen Schulgeld für
jedes Schulkind mögen im Jahre 1779
für manche Familie eine nicht geringe
Summe gewesen sein.
Als Anfang des 19. Jahrhunderts
den Bauern das Land übereignet
wurde, veränderten sich bald danach
die vorher wohl ehe gleichmäßig gewesenen
 Besitzverhältnisse. Schon 1850
werden zwei Besitzer von großen
Flächen als Zahler von erklecklichen
Steuern registriert. Sie sind dann vermutlich
 auch die Vorbesitzer der beiden
 Großhöfe, die 1920 schon eindeutig
 als der spätere Gutsbesitz

Fischer/von Ludwig und der Hof
Krause notiert sind. Zu diesen
Besitzungen gehörten nun auch Häuser
 für die Arbeiter. 1945 waren es sieben,
 zusammen mit dem einzigen
neuen Insthaus, das dem dritten Landwirt
 Friedriszick gehörte. Alle drei
Höfe hatten die klassische Form des
Fränkischen Bauernhofes, am deutlichsten
 der Gutshof, der darüber hinaus
 noch den Luxus eines Baum- und
Blumengartens besaß sowie einen
großen Gemüsegarten (mit Spargel!)
und eine zweite Scheune. Elektrizität
und Telefon gab es im Dorf seit spätestens
 1928.
Die Wunder dieser kleinen Welt
tragen jetzt nur noch die Kinder
Aweykens in ihren Herzen. Sie sind
jetzt schon grauhaarig, und mehrere
von ihnen sind nach 1991 hingefahren,
nachsehen. Die Stelle haben sie noch
gefunden, wo Aweyken einmal war.
Die Sowjetmenschen haben ja auch
zur Erinnerung eine Eiche stehengelassen.
 Das taten sie überall, wo sie die
deutschen Dörfer abräumten. Die
grauhaarigen Kinder erkannten auch
die schöne braune Ackererde wieder
und wunderten sich eigentlich nicht
darüber, daß mitten im Acker noch der
Betonbunker stand, in dem sie
schreckliche Stunden der Angst verbracht
 hatten, als im August 1944 die
englischen Bomben auf Königsberg
fielen. Sie nahmen wohl auch ein
Beutelchen Heimaterde mit und dachten
 darin ein Pflänzchen der Hoffnung
zum Wachsen zu bringen. Viele
Gegenden hatten sie schon gesehen,
und manches schöne Stückchen Erde 53