vilegien teil, ohne dadurch ihre Eigenständigkeit
einzubüßen. Der Arm der
Hanse langte u.a. von Breslau über Königsberg
bis Nowgorod. Im 15. Jahrhundert
wurde Danzig bedeutendste Hansestadt
im deutschen Osten und „Vorort des
preußischen Quartiers der Hanse“. Die
Erfolge der Ostsiedlung kamen auch der
Hanse zu gute, ln den preußischen Städten
trafen sich die Aufgaben beider. Die
Übereinstimmung wurde darin äußerlich
sichtbar, dass der Hochmeister des Ordens
zu den „Häuptern der Hanse“ zählte,
obwohl deren Führung von Lübeck
bestimmt war, woher ja die Kolonisation
des Pruzzenlandes ausgegangen war.
Mit dem Niedergang des Ordens nach der
Schlacht bei Tannenberg wurde die Abhängigkeit
beider von einander offenbar.
Aber schon zur Blütezeit des Ordens gab
es Unterschiede, die nun zu Gegensätzen
werden sollten, an denen das Zusammenwirken
zerbrach. Der Abfall der preußischen
Städte vom Orden betraf in erster
Linie die Hansestädte. Die Hanse konnte
dem Orden bei der Verbreitung des Glaubens
ebenso wenig unterstützen wie der
Orden die Hanse bei ihren wirtschaftlichen
Auseinandersetzungen zwischen Getauften.
Der Rückhalt, den sie beim Reich
suchten, blieb für beide aus.
Seit den Anfängen der Deutschen Hanse
war Königsberg Hansestadt, neben
Braunsberg, Elbing, Danzig u.a. und
besaß Markt- und Stapelrecht. Es nahm
an ihrem Handel nach Flandern, England
und Lissabon auf der einen, nach Stockholm,
Reval und Nowgorod auf der anderen
Seite teil. Besonders wichtig waren
damals die Baienfahrten an die
Loiremündung, um dort das unentbehrliche
„Seesalz“ zu übernehmen; auch das
alljährliche, im Rahmen der Heringsfangzeit
im schwedischen Schonen stattfindende
Treffen aller Hansemitglieder war
für die Versorgung der Bevölkerung mit
Heringen, die damals Hauptnahrungsmittel
waren, bedeutsam.
Königsbergs ausgehender Handel war
hauptsächlich auf Waldprodukte, wie
Pech, Holz, Teer, Wachs und Klappholz
sowie Pottasche zur Glasherstellung ausgerichtet.
Bis in die letzte Zeit erinnern
Klapperwiese und Aschhof noch daran.
Ebenso der Hansaplatz und der Hansaring,
der zwischen dem Steindamm und
der Hufen Allee lag. Den letzten Hansetag
1669 beschickten nur noch 6 Hansestädte.
In den ersten Jahrhunderten wurde
der Ordenshochmeis-ter zeitweise vor
allem in England als Oberhaupt der Hanse
angesehen.
Quellen: Lexikon Ostpreußen
Lexikon der Stadt Königsberg (Pr.)
Abschließend möchte ich mich von Ihnen,
meine lieben Regehner Heimatfreunde,
mit dem Wunsche für ein gesundes,
frohes Oster- und Pfingstfest
verabschieden. Machen Sie’s gut.
Es grüßt Sie alle in alter heimatlicher
Verbundenheit, sehr herzlich,
Ihr Willy Fischer
Strumannstr. 4
48231 Warendorf
Tel.: 02581 - 603 41
Redaktionsschluss für Folge 154 ist der 10. April 2002
54
Schreck in den Abendstunden - April 1945
Nachdem
wir schon einige Tage
wieder in Pobethen waren, außer in
der ersten Nacht unbehelligt von den Russen,
und nun wieder ruhige Nächte verbringen
durften, bekamen wir um den
20. April 1945 plötzlich ungebetenen
Besuch.
Wir hatten uns bereits zum Schlafen
wie die Heringe auf den Fußboden gelegt,
da polterten schwere Stiefel die
Treppe herauf. Im Moment stand ich
aufrecht. Wir behielten auch in der Nacht
unsere gesamte Garderobe am Leib, zum
einen wegen der Kälte, denn wir hatten
ja nur eine dünne Wolldecke zum Zudecken,
zum anderen wegen des eventuellen
Diebstahls.
So öffnete ich die Tür und wurde von
drei Russen begrüßt: sie wollten hier bei
uns schlafen, zumindest zwei davon. Doch
damit waren wir keineswegs einverstanden
und ich wollte zu dem Offizier, bei
dem ich bereits arbeitete.
Aber dazu kam ich nicht, denn der eine
Russe, der noch seine Panzerkappe auf
hatte, holte sich ein Federbett, welches
am Kachelofen zum Trocknen hing, warf
es auf den Fußboden und fing auch gleich
an zu schnarchen. Der Andere traute dem
Frieden nicht, blieb an der Tür stehen
und versuchte uns zu erklären, dass sie
mit einem kaputten Panzer von der Front
zur Reparatur gekommen sind und nur
einmal wieder ausschlafen wollten. So
legte auch ich mich wieder hin und
schlief dann Kopf an Kopf mit dem Russen,
denn es war kein anderer Platz mehr
im Raum.
Am nächsten Morgen waren wir schon
lange auf, als die zwei erwachten. Der
eine fragte uns etwas böse, ob sie uns
denn nun gefressen hätten. Der andere,
der eine Schirmmütze trug und vermutlich
ein Offizier war, bedankte sich sehr
höflich, als sie sich verabschiedeten.
Dieses Erlebnis war für mich eine Erfahrung,
die mich die nächsten drei Jahre
leichter ertragen ließ, denn auch unter
den Russen gab es damals sehr anständige
Menschen.
Gertrud Ahrens
Stemberg 31
32805 H.B. Meinberg
Tel.: 05234- 51 61
Besuch bei Landsleuten, —
die in der Heimat geblieben sind
Insgesamt
waren wir zu viert: die beiden
Brüder Holz aus Waldau, Albert Neumann
aus Willkühnen und ich aus Stangau
bei Waldau, die eine gemeinsame Reise
im August d. J. in die Heimat unternahmen.
Ziel und Zweck unserer Reise war auch
der Besuch bei zwei Landsleuten, die
noch heute in der Heimat leben: in Willkühnen
im äußersten Osten des Landkreises
Königsberg und in Sorgenau bei
Palmnicken.
Auf dem Weg von Königsberg nach Willkühnen
passierten wir den Ort Amau und
legten dort einen Aufenthalt ein, um uns
unter der Führung des anwesenden Architekten,
Herrn Dipl.-Ing. Ralph
Schroeder, ein Bild von den dortigen