Full text : Unser Schönes Samland

hier ein guter Boden, aber das war
nicht das Ausschlaggebende. Solche
Tugenden wie Fleiß, Ausdauer, Strebsamkeit,
 Mut und hohes fachliches
Können zeichneten die meisten hiesigen
 Bauern, Landwirte und auch
Landarbeiter aus und ließen das Samland
 als die Kornkammer Ostpreußens
erscheinen.
Über allen diesen Eigenschaften
schwebte wie ein glänzender Stern
eines: die enge und treue Bindung der
meisten Bauern und Landwirte an ihre
Scholle und Höfe, die oftmals Jahrhunderte
 währte.
Die Geschichte der samländischen
Landwirtschaft ist gleichzeitig die der
ostpreußischen.
Sie ist eine Geschichte des Ruhmes,
aber auch der Not. Menschen, welche
die Not bezwangen und zum Erblühen
des Samlandes beigetragen haben, stellen
 wir hier vor. Es sind 26 Persönlichkeiten,
 die die hohen Leistungen
der Agrarwissenschaft, Agrarwirtschaft
 und Agrarpolitik
mitgestaltet haben und nicht
nur im Samland, sondern auch
im gesamten Deutschen Reich
bekannt waren und auch heute
noch bekannt sind.
Adolf von Batocki - Bledau
Ein hervorragender Landwirt,
Präsident der Ostpreußischen
Landwirtschaftskammer Präsident
 des Kriegsernährungsamtes
 (KEA) in Berlin, Oberpräsident
 Ostpreußens und
Honorarprofessor der Königsberger
 Universität.

Ernst Balduhn - Rodmannshöfen
Ein ausgezeichneter Praktiker. In seiner
 25-jährigen Tätigkeit als Hauptvorsteher
 des Zentralvereins Königsberg
 hat er sich große Verdienste um
die Förderung des landwirtschaftlichen
 Vereinswesens erworben und war
u.a. Mitglied der Preußischen Hauptlandwirtschaftskammer
 und des Deutschen
 Landwirtschaftsrates.
Professor E.A. Mitscherlich •
Königsberg
Er gehörte zu den führenden Bodenkundlern
 Europas. 35 Jahre forschteer
an der Universität Königsberg, war
über mehrere Amtsperioden deren
Rektor und der praktischen Landwirtschaft
 aufs engste durch die Mitscherlich-Gesellschaft
 verbunden. An
vielen Orten Ostpreußens waren die
insgesamt 22.000 Mitscherlichgefäße
zu sehen.
Erinnert sei an Erna Siebert - Corben.
die seit 1922 Vorsitzende des Verbandes

der Landwirtschaftlichen
 Hausfrauenvereine
 Ostpreußens war.
Die Persönlichkeiten
Professor Ernst Thieriemann
 - Rossitten,
Wilhelm Epha
Rossitten/ Pilikoppen
und Ernst Ulmer •
Quanditten haben
Großes für die Förderung
 des Umwelt- und
Naturschutzes auf der
Kurischen Nehrung
geleistet. Die Leistungen
 des „Vogelprofessors“

 Thienemann und die des
„Dünenkönigs“ Epha werden auch
heute von den jetzigen Bewohnern der
Kurischen Nehrung geschätzt.
Das Schicksal zweier bekannter und
verwandter Landwirte des Samlandes
wirft ein Schattenbild auf wenig gute
Ereignisse der 40er Jahre des vorigen
Jahrhunderts. Bernhard Schwarz -
Pollwitten und Carl August
Heinrich - Cathrinhoefen wurden
beide am 30. Januar 1945 von den
Soldaten der Roten Armee erschossen
- kein Einzelbeispiel. Aber der Enkel
beider Persönlichkeiten, Herr Louis
Ferdinand Schwarz, ist der Geschichte
und diesen Ereignissen nicht gram.
Äußerst engagiert und mit großer
Tatkraft ringt er um Versöhnung zwischen
 dem deutschen und russischen
Volk, die sich gegenseitig großes Leid
zugefügt haben.
Mutige Menschen, darunter auch
Landwirte, leisteten dem barbarischen
System Hitlers in Ostpreußen Widerstand.
 Nicht viele waren es - aber es
gab sie, wie den gebürtigen Samländer
Heinrich zu Dohna - Waldburg. Sein
Eintreten für ein besseres Deutschland
bezahlte er mit seinem Leben. Die
nachfolgenden Generationen müssen
diesen Helden Achtung und Ehre
erweisen!
Stellvertretend für alle die samländischen
 Bauern- und Landwirtschaftsgeschlechter,
 welche über mehr als
200 Jahre in ununterbrochener Folge
ihren Höfen die Treue gehalten haben
und dadurch zum Erfolg der Landwirtschaft
 des Samlandes beitrugen, stehen

 hier folgende Geschlechter:
Arweidt - Legien, Mogaiten
Bloech, Transsau
Possienke, Schuditten.
Bei einem anderen Verlauf der
Geschichte wären auf diesen Höfen
heute 474 Jahre, 382 Jahre und 316
Jahre erbeingesessene Geschlechter.
Wenn auch die Heimat verloren ist, so
dürfen die Menschen mit ihren hervorragenden
 Leistungen nicht vergessen
werden.

Ostpreußens Landwirtschaft
Die ehemalige deutsche Provinz galt
als die Kornkammer Deutschlands,
weil 2,4 Millionen Ostpreußen noch
einmal 2,3 Millionen Menschen ausserhalb
 der Provinz mit Grundnahrungsmitteln
 versorgten - eine Leistung, die
nachahmenswert war.
Wir Ostpreußen brauchen mit den
Leistungen bis 1945 nicht hinter dem
Berg zu halten, obwohl die Voraussetzungen
 gegenüber den übrigen deutschen
 Provinzen in vieler Hinsicht
ungünstiger waren. Erinnert sei hier
nur an ein Mehr von 89 Frosttagen
gegenüber den westdeutschen Gebieten
und den sehr langen Transportwegen
der erzeugten Produkte zu den Verbrauchern
 im übrigen deutschen Reich.

Ausdruck der Leistungskraft einer
Provinz war die Produktivität der
Viehwirtschaft. Im Jahre 1939 betrug
die Milchleistung pro Kuh:
im Deutschen Reich 2492 kg
in Bayern 2047 kg
in Ostpreußen 3096 kg

Bernhard Schwarz,
Gutsbesitzer geb. 1872, am
30.01.1945 erschossen 14