fullscreen : Unser Schönes Samland

Zur Zeit werden im Ort nur private Unterkünfte
 für die Gäste angeboten. Man
hört aber von großartigen Plänen:
- Dort, wo seinerzeit das Bergwerkdirektorhaus
 stand, soll aus der ehemaligen
 Pension „Brise“ ein Hotel entstehen.
 Einige unserer deutschen Bekannten,
 die Anfang der neunziger
Jahre einmal in dieser damals recht
primitiven Pension genächtigt hatten,
verfolgen schon jahrelang die Arbeiten
 an diesem Projekt, die sich gewaltig
 in die Länge ziehen. Im hiesigen
Wochenblättchen („Westi Jantarnowo“)
 konnte man dazu im Mai Erläuterungen
 des Generaldirektors der
hierfür zuständigen Gesellschaft lesen.
Danach sind geplant: noch ein zusätzliches
 Gebäude, zwei Tennisplätze, die
auch für die Allgemeinheit zugänglich
sein werden, Hilfe bei der Verschönerung
 des Ortes, insbesondere der Parkanlagen,
 und Schaffung eines Zugangs
zum Meer. „Jantamyj wird den Status
,Kurort4 erhalten können“, heißt es
dort, aber auch: „Wir werden natürlich
 nicht alles gleichzeitig machen“.
- An der Ruine des Schlosshotels haben
Aufräumungsarbeiten begonnen. Angeblich
 soll das Gebäude getreu seinem
 früheren Aussehen wieder aufgebaut
 werden. Der jetzige Investor beabsichtigt
 sogar, den Schlosspark in
Ordnung zu bringen.

Das alles hört sich gut an. Man wird
aber die Zweifel nicht los, ob es wirklich
 so wunderbar läuft, wie versprochen.
Die Bevölkerung wird nicht informiert,
wer eigentlich hinter dem Vorhaben steht
und das genügt, um skeptisch zu werden.
 Also doch: „ jefft nuscht Niet to

Hus“??

An der nötigen Infrastruktur für den
Tourismus fehlt es bisher nach wie vor,
und es wird bedauerlicherweise von der
Verwaltung kaum etwas unternommen
um sie zu verbessern. Unser Bürgermeister
 scheint mehr an seinem Handel mit
Bernstein interessiert zu sein. Die guten
Vorsätze vom Anfang seiner Amtszeit
sind praktisch nie verwirklicht worden.
Weitere den Tourismus hemmende Faktoren,
 die für das ganze Gebiet gelten,
sind allgemein bekannt: ungünstige Zufahrtsmöglichkeiten,
 der Visazwang und
das Theater an der polnisch-russischen

Grenze.
Für Jantamyj aber kam neuerdings ein
weiteres Problem hinzu - man besann sich
darauf, dass hier eigentlich Sperrgebiet
ist; und so begann man seit Ende des
Sommers 2000 mit der Jagd auf nichts
Böses ahnende Touristen, die mit dem
Bus ohne Sondergenehmigung für Palmnicken
 angereist kamen. Sie gerieten in
die Hände der Grenzsoldaten und Polizisten
 wie die Vögel in die Fangnetze der
Vogelwarte Rossitten. Von jedem gefangenen1
 wurde eine Strafe von DM 35,-verlangt.

Erfreulich ist, dass von den Einwohnern
 Jantarnyjs eine Aktion gegen eine
solche Vorgehensweise in die Wege geleitet
 wurde. Eine entscheidende Rolle
im Kampf gegen diese Wegelagerei spielte
 eine beherzte Frau, Margarita Jendrshiewskaja,
 die im letzten Haus von Kraxtepellen
 (Richtung Hubnicken) wohnt und
dort auch Zimmer an Gäste vermietet.
Durch Appelle an die Gebietsverwaltung,
Massenmedien und andere Protestaktionen
 hat die Initiativgruppe unter
ihrer Führung erreicht, dass im vergangenen
 Sommer Touristen problemlos und
ohne kontrolliert zu werden, Palmnicken

besuchen konnten. Aber die tatkräftige
Margarita ist entschlossen, noch weiter
zu gehen. Ihr Endziel ist eine endgültige
und vollständige Aufhebung der Sonderregelung
 für Palmnicken.
Trotz aller dieser Schwierigkeiten hat
es aber doch Sommergäste in Jantamyj/
Palmnicken gegeben, sogar mehr als in
anderen Jahren. Ende Juli wohnten im
Ort mehr als zwanzig deutsche Urlauber,
für uns schon eine außergewöhnliche
Leistung. Eine kleine Gruppe aus dem
Main-Taunus kam mit dem Ehepaar
Bartsch. Ihr Aufenthaltsprogramm sah
außer üblichen Ausflügen auch Radtouren
 und Arbeiten in einer Bernsteinschleiferei
 vor. (Wegen des Abbaus von
Arbeitsplätzen im Kombinat gibt es
immer mehr solcher kleiner Schleifereien.)
 Einige Teilnehmer kamen zum wiederholten
 Male, unter ihnen ein Künstler,
 Graphiker aus Kelkheim, der zwei
Wochen jeden Tag am Strand wanderte,
hingerissen von der zauberhaften Welt
der Sonne, des Meeres und der Dünen.
Am Ende des Aufenthalts konnte er eine
beträchtliche Menge am Strand gesammelter
 kleiner Bernsteinstücke vorweisen.


Angeregt durch einen Kurzvortrag, den
Frau Bartsch in Hamburg bei der Sommertagung
 des „Arbeitskreises Bernstein“
(im Verein zur Förderung des Geologisch-Paläontologischen
 Museums an der Universität
 Hamburg) gehalten hatte, bezogen
 auch einige Mitglieder dieses Arbeitskreises
 für einige Zeit Quartiere in Palmnicken.
 Sie waren als Kenner vor allem
an speziellen Bernsteinstücken, insbesondere
 solchen mit seltenen Inclusen interessiert,
 aber auch sonst an allem, was
mit Bernstein und Bemsteingewinnung
zusammenhängt.

So hatte einer von ihnen sogar einen
kleinen Käscher mitgebracht, um „Samländisches
 Gold“ aus den Ostseewellen
herauszufischen. Ein besonderer Anziehungspunkt
 am Strand war das Rohr,
aus dem die in Wasser aufgeschlämmte
blaue Erde aus der Aufarbeitungs-anlage
des Bemsteinwerks ins Meer ausgeworfen
 wird. Sie enthält immer noch Bernsteinreste.
 Am Rohrende stehen gewöhnlich
 einige Leute, die in der trüben Flut
mit Netzen nach Bernstein fischen. Einer
 von den deutschen Bemsteinspezialisten
 wollte mit dieser Tätigkeit so gerne
auch einmal sein Glück versuchen; er erreichte,
 dass er schließlich von einem der
Russen seinen Käscher geliehen bekam,
mit dem er an günstigster Stelle Bernstein
 fischen durfte.
Der Anblick eines deutschen Touristen
bei dieser Arbeit löste bei den Russen helle
Begeisterung aus, man verstand sich auch
ohne Dolmetscher und fand sich gegenseitig
 sympathisch.
Auch unser Heimatmuseum war nach
wie vor ein Anziehungspunkt für Reisegruppen
 und einzelne Besucher und hinterließ
 sicher bei den meisten von ihnen
positive Eindrücke. Eine Maßnahme der
Verwaltung allerdings, die den Museumsbesuch
 fördern sollte, erwies sich als Fehlschlag.
 Unser Bürgermeister war, wohl
weil er seine Bemsteinverkaufsstelle im
Museum eingerichtet hat, auf die Idee
gekommen, zwei kräftige junge Männer
anzustellen, die ankommende Touristen
mit sanfter Gewalt ins Museum bringen
sollten, sozusagen zu einer Zwangsbesichtigung.
 Unter solchen Bedingungen
wollte aber keiner sich kulturell fortbilden
 lassen und die Hilfskräfte mussten
wieder entlassen werden. Diktatorische
Methoden sind heute nicht mehr ange-42

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