Full text : Unser Schönes Samland

stampften ihre Instrumente für Geld
und Alkoholisches. Um im eigenen
Dorf nicht erkannt zu werden gingen
die Sänger gerne in die Nachbardörfer.
Das dumpfe Brummen und blecherne
Rasseln kündete die Kommenden
schon von weitem an.
In lebendiger Erinnerung sind auch
die Veranstaltungen zur Weihnachtszeit
 in der Schule. So studierte der sehr
beliebte Lehrer Eisele mit den Kindern
 ein Märchenspiel ein, z.B.
„Schneewittchen“. Das wurde an zwei
Abenden zu Weihnachten aufgeführt.
Im Anschluß sangen der Schulchor
und das Publikum mit Harmonium-Begleitung
 Weihnachtslieder.

In Elses Erinnerung taucht auch die
Goldene Hochzeit eines Bludauer
Ehepaares auf, zu der der Schulchor,
die Gemeinde und Gäste in einer
Schulklasse „Großer Gott, wir loben
dich“ sangen. Ebenfalls von Lehrer
Eisele am Harmonium begleitet.
Liebe Leser, ich bin sicher, daß
noch sehr viele Erinnerungen an das
Bludauer Dorfleben in den Köpfen
und Herzen unserer Altvordern
schlummern, die wir leider nicht mehr
erfahren werden. Als ein „Kind von
damals“ danke ich den lieben
Erzählerinnen von Herzen für dieses
Stückchen erzählte Heimat Bludau.

Erika Wetzel

Liebe Cranzer und liebe Landsleute

aus den Nachbarorten

Im letzten Heimatbrief
 hatte ich
darauf hingewiesen,
 daß in der
ehemaligen Baptistenkapelle
 in
der Kirchenstraße
ein Heimatmuseum
 eingerichtet wird.
Die Einweihung fand bereits am
27.08.2000 statt. Jetzt sind die
Museums-Verantwortlichen auch an
Horst Dietrich (1.Vorsitzender des
Vereins „Freunde von Cranz/Selenogradsk
 und Umgebung e.V“) herangetreten
 und haben diesen um Hilfe
und Unterstützung bei der Ausstattung

des Museums gebeten. Horst hat seine
Hilfe zugesagt. Am 18.06. d.J. besuchte
er uns mit seiner Frau und dem russischen
 Selenogradsker Evgueni
Dvoretskii, der jetzt mit seiner Familie
in Hamburg * lebt, um über eine gemeinsame
 Hilfe zu beraten. Wir werden
 Reproduktionen von alten
Ansichtskarten mit Cranzer Motiven
fertigen, sie mit deutschem und russischem
 Text versehen, in Alben zusammenfassen
 und sie dem Museum kostenlos
 übergeben. Bildmaterial ist in
ausreichender Menge vorhanden, weil
Evgueni als passionierter Sammler
über etwa 700 alte Ansichtskarten verfügt
 und meine Bildersammlung

trägt dazu bei, die deutsche Vergangenheit
 unseres Heimatortes vor
dem Vergessen zu bewahren.
Anläßlich unserer Zusammenkunft
am 18.06. habe ich die Neuerwerbungen
 von Evgueni durchgesehen
und 15 Negative von Cranzer Ansichtskarten
 gekauft. Damit ist meine
Sammlung auf mehr als 1.500 Bilder
angewachsen. Am 15./16.09.2001 besteht
 für Sie die Möglichkeit, sich diese
Sammlung beim Kreistreffen im Hotel
„Cap Polonio“ anzusehen oder auch
Reproduktionen der Bilder käuflich zu
erwerben.
Über das Museum in Cranz hatte
Evgueni Dvoretskii im Ostpreußenblatt
 vom 19.05.01 S.13 unter dem
Titel „Unter einem Dach“ berichtet.
Der Artikel hat bei früheren Cranz-Besuchern
 schöne Erinnerungen
wachgerufen, die sich z.T. in spontane
Mitteilungen an mich niederschlugen.
So erreichte mich u.a. der Brief eines
83-jährigen Königsbergers, der in den
Jahren 1930 bis 1940 den Sommerurlaub
 mit seinen Eltern regelmäßig in
Cranz verlebt hat. Er schreibt mir
wörtlich: „Mit der Elektrischen bis zum
Nordbahnhof und von dort mit der Bahn
ln die Sommerfrische nach Cranz Sogar
nach Schulschluß, wenn der Sommer
warm und vielversprechend war, ging es in
die gemietete Ferienwohnung mit Sack
und Pack.
5 Stationen waren es bis dorthin -
Nettelbeck - Groß Raum - Mollehnen -
Laptau - Bledau und dann Cranz
Strenge Badevorschriften gab’s da, die
Ostsee war oft stürmisch mit gefährlichem
Wellengang. Für die, die meinten, die

Badehinweise nicht beachten zu müssen,
gab es die Warnung: „Wer meint, daß er die
Vorschriften nicht braucht, wird 5
Minuten in das Ostseewasser eingetaucht. “
Als Kind besuchte man am
Nachmittag „Knospenbälle“ im Hotel
Monopol, als Jugendlicher ging’s dann
auch schon mal ins Café Monopol zum
Tanz oder an die Bar, um den Mädchen zu
imponieren.
Zu den schönsten Abenden mit zählten
 dann ja auch die Militärkonzerte mit
einem anschließenden Strandfeuerwerk
mit der Schlußmelodie „Ich bete an die
Macht der Fiebe“ - unvergeßlich!
Zum Saisonbeginn wurden eine
Reunion und zum Saisonende ein Benefizund
 Abschiedsabend im Hotel Monopol
veranstaltet. “
Immer wieder bekunden mir ehemalige
 Badegäste, wie schön sie ihre
Sommeraufenthalte in Cranz fanden
und wie tief sich die Wochen in Cranz in
ihre Seelen gebrannt haben. Wir geborenen
 Cranzer haben gar nicht gewußt, in
welchem Paradies wir gelebt haben.
Bei der Durchsicht alter Cranzer
Unterlagen aus dem Jahre 1908 stieß
ich auf einige interessante Angaben.
Die Badeverwaltung weist in ihrem
Prospekt darauf hin, daß im Vorjahr
verschiedene Sanierungsmaßnahmen
beendet wurden und Cranz nun in die
Reihe der Bäder einzuordnen ist, die
über vollkommen moderne hygienische
 Einrichtungen verfügen. Neben
der alten Regenwasserkanalisation ist
eine moderne Trennkanalisation verlegt
 und der Ort mit einer vorzüglichen
Quellwasserleitung versehen worden.
Für moderne Beleuchtung sorgen das

24 25