Full text : Wollsteiner Aufsätze

gegen seine nichtpolnischen Staatsbürger. Die Haltung der
Deutschen - gerade im Grenzgebiet des umkämpften Kreises
Bomst - war natürlich deutschnational, auch wenn viele
durchaus gewillt waren in einem polnischen Staat zu leben,
wie es ihre Vorfahren vor 1793 getan hatten.

Das erste Problem erfuhren die Deutschen durch den Großpolnischen
 Aufstand. Die Dörfer und Städte wurden von polnischen
 Milizen besetzt, während auf deutscher Seite der
Grenzschutz versuchte, diese Gebiete zurückzuerobem. Aus
Altkloster berichtete ein Zeitzeuge dieser Zeit11, daß die Polen

eine nächtliche Ausgangssperre verhängten und alle Hunde im
Dorf töteten, damit sie sich frei bewegen konnten ohne verraten
 zu werden. Eine weitere direkte Folge dieses Aufstandes
war die Fortführung der Kriegs- und Mangelwirtschaft in Polen
 bis 1921/22 und12 die Abriegelung von der Außenwelt. So

war es den aus dem Krieg heimkehrenden deutschen Bauernsöhnen
 nicht möglich, in ihre Heimatdörfer zurückzukehren.
Die polnische Miliz ließ lediglich Polen durch, die man auch
gleich für die eigene Truppe rekrutierte.

11 Er war während des Krieges bei Verwandten in Altkloster untergebracht, da der
Vater im Krieg und die Mutter kurz zuvor verstorben war. 1919 brachte man den
Jungen dann heimlich über die Grenze nach Friedendorf zu Verwandten, von wo
aus der Vater ihn nach Dortmund heim holen konnte.
12 Hiervon zeugt ein Buch, das sogenannte Kartoffelkontor, in dem seit 1917 (bis
1921) notiert wurde, wieviele Kartoffeln die einzelnen Bauern aus Mauche, Altkloster,
 Silz und Lupitze an die Sammelstelle verkauften. Nach 1919 gab es natürlich
keine Angaben das deutsch gebliebene Lupitze betreffend mehr.

Der Sohn des Bäckermeisters Forgbert aus Altkloster lebte
daher bei Verwandten in Lupitze, bis sich die Lage derart
verfestigt hatte, daß er in die inzwischen polnische Heimat zurückkehren
 konnte. Von dem Sohn der Familie Steinert aus
Altkloster berichtete man, daß er sich der Grenztruppe in Friedendorf
 anschloß, wo er seine spätere Frau kennenlemte und
nach dem Friedensschluß mit Polen im deutschen Schussenze 26