Full text : Unser Schönes Samland

3/4-stündigen Aufenthalt in Cranz, das
durch rege Bautätigkeit von Ein- und
Zweifamilienhäusern sowie auch großen
Wohnblocks und Hotels auffiel — die
Temperaturen waren inzwischen auf 27
Grad geklettert - ging es über Pobethen
wieder nach Rauschen. Ein schöner Tag
ging damit zu Ende.

Für Freitag, den 20. August war eine
ausgedehnte Stadtrundfahrt in Königsberg
 mit einer Stadtführerin vorgesehen,
derselben, die uns schon am Vortage bei
unserer Fahrt auf die Kurische Nehrung
begleitet hatte. Den Abschluss sollte am
Abend ein Konzert des Chores „Credo“
unter der Leitung von Tamara Maximowa
 im Königsberger Dom bilden. Bei
regnerischem Wetter ging die Fahrt auf
guten Straßen über Drugehnen nach
Königsberg. Dort erwartete uns Irina, die
uns mit ihren guten Kenntnissen eine interessante
 Stadtführung bot. In dem lettischen
 Speiselokal RASGULI im früheren
 Stadthaus, in dem heute auch die
jetzige Stadtverwaltung ihren Sitz hat,
und das gegenüber dem einstigen Nordbahnhof
 liegt, konnten wir ein Mittagessen
 einnehmen. Die Auswahl war riesengroß
 und die Preise bezahlbar. Die Fortsetzung
 der Stadtrundfahrt bescherte uns
den Hauptbahnhof, dessen Fassade an
früher erinnert. - Der in den Straßen
wogende Verkehr war z..T. chaotisch,
teilweise bedingt durch den schlechten
Zustand der Straßen, wobei die Autos
äußerlich einen guten Eindruck machten,
was darauf schließen ließ, dass dieselben
in der Regel nicht älter als 6 - 8 Jahren

waren. - Weiter folgten der Paradeplatz
und das Kantdenkmal, wozu wir den Bus
verließen. Nach Oberteich und Roßgärter
Tor hatten wir eine Stunde Zeit für das
Bemsteinmuseum, das im Dohna-Turm
untergebracht ist und bemerkenswert
schöne Stücke enthält. Vorbei am Alten
Königstor und am Sackheimer Tor machten
 wir noch einen kurzen Besuch im
Deutsch-Russischen Haus, wo wir sehr
freundlich empfangen wurden, fuhren
über die alte Holzbrücke, um dann über
die Honigbrücke zum Dom zu gehen. Der
Dom war innen weiß gestrichen, bunte
Glasfenster zierten die Fensteröffnungen
und als Sitzgelegenheiten dienten Kirchenbänke
 alter Bauart, so dass man dem
Konzert entspannt lauschen konnte. Es
begann mit dem Ostpreußenlied, dem
weitere deutsche Lieder wie „Ännchen
von Tharau“ folgten. Danach kamen russische
 Lieder mit einer Reihe solistischer
Einlagen, die einen besonderen Genuss
darstellten. Das Konzert endete mit der
deutschen Nationalhymne, die von dem
Chor intoniert wurde und nach der anfänglichen
 Überraschung, die mich
zunächst sprachlos machte, von den anwesenden
 deutschen Konzertbesuchem
stehend mitgesungen wurde, wobei
Tamara Maximowa in ihrer Eigenschaft
als Dirigentin sich dem Publikum zuwandte.
 Es war ein großes Erlebnis, das
ich nicht so schnell vergessen werde. Im
schwindenden Tageslicht fuhren wir nach
Rauschen zurück.

Sonnabend, der 21. August 2004 war,
wie von der Kreisgemeinschaft geplant,

( A

Es ist besser, dass ein Narr beherrscht wird, als dass er herrsche.

Matthias Claudius
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der Schlusstag der Kulturwoche. Bei
schönem Wetter fanden wir uns um 9.30
Uhr in Germau ein, wo wir mit unserem
Bus hinfuhren, um an dem Gedenkgottesdienst
 auf dem dortigen Soldatenfriedhof
 teilzunehmen, der von Pastor
Schulz-Sandhof gehalten wurde. Anschließend
 wurde dort ein Blumenarrangement
 zum Andenken an die Kriegsopfer
 niedergelegt. Sodann begaben wir
uns zu dem gegenüberliegenden Russischen
 Ehrenmal, an dem auch ein Gebinde
 niedergelegt wurde. Danach ging
es zurück nach Rauschen, wo im Kulturhaus
 die Schlussveranstaltung, verbunden
 mit großartigen Folkloredarbietungen
 stattfand. Wieder wurden hier einige
 deutsche Lieder, darunter auch
Operettenmelodien von mehreren Solisten
 in hervorragender Form dargeboten,
wozu das Publikum begeistert applaudierte.
 Der überraschende Höhepunkt
war der Auftritt eines etwas verkleinerten
 Chores der Königsberger Musikfachschule
 unter Leitung von Tamara
Maximowa, der uns nach dem gestrigen
großen Konzert erneut mit einigen Liedern
 erfreute. Mit stehenden Ovationen
wurde den Künstlern dafür gedankt.
Nach kurzen Gesprächen mit dem
Bürgermeister von Primorsk, Herrn
Alexander Mamajew. der Altbürgermeisterin
 Frau Glafira Grigorenko und
Viktor Bolutschewski musste ich mich
leider verabschieden, um den Abfahrtstermin
 unseres Busses nicht zu verpassen.
 Wir fuhren Richtung Königsberg und
dann weiter Richtung russisch-polnische
Grenze, wo wir wegen der zeitraubenden
 Abfertigung einiger vor uns an der
Grenze stehender Busse eine lange Wartezeit
 in Kauf nehmen mussten. Nach
Erledigung aller Formalitäten konnten

wir nach 2 1/2 Std. endlich den polnischen
 Zoll ohne Schwierigkeiten passieren
 und die Weiterfahrt über Braunsberg
und Frauenburg bis Elbing antreten. Wir
waren wieder Gäste im Hotel „Eule“, wo
uns ein geschmacklich herausragendes 4-Gänge-Menue
 serviert wurde, eine Wohltat
 nach einem anstrengenden Tag.
Mit Sonntag, dem 22. August brach
der letzte Tag der Reise an. Da eine lange
 Wegstrecke vor uns lag, war frühes
Aufstehen unumgänglich. Nachdem wir
uns ausgiebig gestärkt hatten, starteten
wir um in Richtung polnisch-deutsche
Grenze. Auf dieser Fahrt konnten wir beobachten,
 dass sogar am Sonntag Straßenbauarbeiten
 einschließlich Brückenarbeiten
 durchgeführt wurden, um den
Zustand des Straßennetzes zu verbessern,
wobei ein großer Teil der Straßen in
Polen bereits neue Asphaltbeläge hatte.
Bevor wir die Grenze passierten, machten
 wir noch einen Abstecher zum „Polenmarkt
 Kolbaskowo“, wo wir uns bei
einem halbstündigen Rundgang ein wenig
 die Beine vertraten. Danach ging es
über die Autobahn zügig in Richtung
Berlin und weiter in Richtung Hamburg.
In Wittenberg-Hagenow wurden bereits
die ersten Mitreisenden verabschiedet,
weitere Fahrtteilnehmer verließen uns in
Lübeck.
Um ca. 22.3o Uhr hatten wir dann endlich
 Bad Bramstedt erreicht, von wo aus
die letzten vier Reisenden ihrem Ziel
Hohenwestedt zustrebten. Damit fand
meine erste Reise nach 59 Jahren ins
Samland ihr Ende.

Gert Utschakowski
Graf-Stolberg-Str. 41
24576 Bad Bramstedt
Tel.: 04192 - 69 33 67