Full text : Unser Schönes Samland

— Der Altvaterturm im Thüringer Wald

Zurzeit

wird in politischen Kreisen
über ein Zentrum gegen Vertreibungen
 intensiv diskutiert. Der Untertitel der
hierfür gegründeten Stiftung lautet:
„Eine nationale und eine europäische Angelegenheit“.
 Man spricht dabei von 80
bis 100 Millionen Menschen, die im 20.
Jahrhundert in Europa vertrieben, deportiert
 oder zwangsweise umgesiedelt worden
 sind. Dementsprechend kann die Vertreibung
 der Deutschen nur einen Teil
dieser Dokumentation einnehmen. Trotzdem
 ist es wichtig, dass dieses Kapitel
endlich aufgearbeitet und in exakt
wissenschaftlicher Arbeit dokumentiert
wird.
Ungefähr zur gleichen Zeit ist nach jahrelangen
 Bemühungen im August letzten
 Jahres ein anderes Denkmal eingeweiht
 worden: Der Altvaterturm auf dem
Wetzstein in der Nähe des Rennsteigs.
Federführend sind zunächst Sudetendeutsche
 gewesen, denn der gemeinnützige
 Verein „Altvaterturm“ ist bereits
1976 gegründet worden. Manche
Schwierigkeiten waren zu überwinden bis
endlich im südlichen Thüringer Wald,
nahe der bayrischen Landesgrenze dieser
 Ort gefunden wurde. Der Altvaterturm
 möchte ein Denkmal für alle Vertriebenen
 aus den deutschen Ostgebieten
sein; eine Erinnerungsstätte an die Menschen,
 die am Ende des 2. Weltkrieges
und unmittelbar nach Kriegsende ihre
Heimat verloren haben. Sie wurden vertrieben
 aus dem Land ihrer Vorfahren,
das diese mit Liebe über Jahrhunderte
hinweg kultiviert und gepflegt hatten.
Viele Menschen haben es nicht überlebt
oder Schaden für ihr weiteres Leben davongetragen.
 Jedoch jedes Land hat ein
Recht seiner Toten zu gedenken. So ist
es gut, dass dieses Wahrzeichen mitten

mmm

in Deutschland steht. Und wie Herr v.
Gottberg anlässlich des vierten kommunalpolitischen
 Kongresses in Allenstein
sagte: „Das Zentrum gegen Vertreibung
ist eine innerdeutsche Angelegenheit.“
Und nun ist hier auf dem Wetzstein ein
Zentrum im Entstehen durch jahrelange
Spendensammlungen und viel ehrenamtliche
 Tätigkeiten. Doch leider ist dieses
Denkmal bei Ost- und Westpreußen sowie
 Pommern wenig bekannt. Es gibt
zwar an verschiedenen Orten größere und
kleinere Gedenkstätten, ein Landesmuseum,
 ein Haus des Deutschen Ostens usw.
Aber hier soll an einem Ort aller gedacht
werden, die ihre Heimat verloren haben.
Gleichzeitig wird das ungeheure Ausmaß
der Vertreibung der Deutschen auf diese
Weise dokumentiert.

Seit der Einweihung des Altvaterturms
im August letzten Jahres und der Eröffnung
 der Gaststätte reißt der Besucherstrom
 nicht ab, denn von der obersten
Plattform des Aussichtsturmes hat man
einen herrlichen Rundblick in die nähere
 und weitere Umgebung. Da der Altvaterturm
 in der Nähe des bekannten
Rennsteigs liegt, kehren nicht nur Vertriebene,
 die bereits mit Bussen angereist
kommen, hier ein, sondern auch Touristen
 und Wanderer, die bisher kaum eine
Ahnung hatten, was wirklich am Ende
des 2. Weltkrieges geschehen ist.

Da mich die Unterlagen faszinierten,
welche ich zugeschickt bekam, bin ich
im Oktober letzten Jahres nach Lehesten
gefahren, um mir einen persönlichen
Eindruck vom Altvaterturm zu verschaffen.
 Es ist ein beeindruckendes Werk!
Auf einer Höhe von 792 m steht der neue
Altvaterturm: Ein Wahrzeichen - ein

Aussichtsturm - ein Mahnmal - ein Zentrum
 der Vertriebenen, und ich betone
noch einmal: ein Zentrum aller Vertriebenen
 aus den deutschen Ostgebieten! Der
alte Altvaterturm befand sich im Altvatergebirge
 (Ostsudeten), wurde nach dem
2. Weltkrieg dem Verfall preisgegeben
und 1957 von tschechischen Behörden
gesprengt.
Im Kellergeschoss befindet sich eine
Kapelle. Im Sockel dieser Kapelle sind
die Namen der Vertreibungsgebiete eingemeißelt.
 So findet man auch „Ostpreußen“
 dort verzeichnet. Über der
Sockelleiste befinden sich steinerne
Wandtafeln mit Angaben des Heimatortes.
 In der gemütlichen Gaststube, im
Erdgeschoss, sieht man farbige, holzgeschnitzte
 Wappen ostdeutscher Städte
und Burgen. Doch erst nach längerem
Suchen fand ich lediglich zwei Wappen
von ostpreußischen Städten, nämlich von
Königsberg und Memel! Das hat mich
sehr enttäuscht. Wie viele Städte, Burgen
 und Schlösser könnten von ihrer ehemaligen
 Existenz in Ost- und Westpreußen
 oder Pommern berichten! Es
wäre doch traurig, wenn künftige Besucher
 und Wanderer davon nichts erfahren
 würden!

Und nun wende ich mich an alle Samländer:
 Ein farbiges Wappen aus Holz
kostet 1.278,- Euro. Jeder kann seinen
Beitrag mit dem Vermerk versehen, z.B.
„Holzwappen für das Samland“ oder für
den Heimatort „Rauschen, Neukuhren,
Cranz usw.“ Informationen hierzu gibt
cs im Internet: www.altvaterturm.de.
Auch Herr Kurt Weese, Auf den Roden
3 in 35630 Ehringshausen, Tel.: 06443 /
33 8 6 gibt Ihnen gerne jede weitere Auskunft.
 Herr Kurt Weese ist Architekt und

1. Vorsitzender des bereits 1976 gegründeten
 Altvaterturm-Vereins e.V. Für seine
 jahrelange unermüdliche Arbeit für
dieses Zentrum ist er von Bundespräsident
 Horst Köhler mit der „Verdienstmedaille
 des Verdienstordens der Bundesrepublik
 Deutschland“ ausgezeichnet
worden.

Der Altvaterturm auf dem Wetzstein Foto, internet

Es gibt aber auch noch andere Möglichkeiten,
 einen Beitrag zur Ausgestaltung
des Altvaterturmes zu leisten. Im Entstehen
 ist eine Ostpreußenstube. Diese
Ostpreußenstube soll einiges aus dem kulturellen
 Leben Ostpreußens vor der Vertreibung
 darstellen und könnte auch über
dortige Schätze (z.B. Bernstein) berichten.

In der Ehrenhalle im obersten Turm-12

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