che Anzahl an Oblaten am folgenden
Sonntag bereithielt. „ Wenn die Communion
verrichtet ist, knien die Communicanten
abermahl nieder ... darauf
geschiehet die Danksagung nach dem
Heil. Abend = Mahl. “
Was der Pfarrer hier als „Communion“
bezeichnet ist nicht ganz klar, oder ist
für ihn Communion und Abend-Mahl
dasselbe ? Communicanten, welche am
kommenden Sonntag noch einmal zum
Heil. Abendmahl gehen wollten, mussten
sich „ in der Sacristey melden, wo sie
namentlich aufgeschrieben wurden und
die jungen Leute noch einmal Examinieret
wurden und überhaupt alle eine Kurtze
nerell nicht. Wer mag, kann auch
heute noch in der evangelischen
Kirche beichten. Sicher hatten die
Herrschaften damals ein besonderes
Interesse an den Beichtstühlen
und einer Beichte. Und die Pfarrer
wurden ja vom jeweiligen Landesherm
bezahlt, und waren von
ihm abhängig, und sicherlich handelten
sie auch nach dem Grundsatz,
„wes Brot ich esse, des Lied
ich singe“ Konnten sie anders?
Das Weihwasserbecken hingegen
wurde unter die Treppe verbannt,
weil es nun nicht mehr benötigt
wurde. Stammte es vielleicht aus
Fuchsberg? Der Beichtstuhl hatte
jedoch noch seine Berechtigung.
Auch in der Borchersdorfer Kirche
stand ein nicht gerade prunkvoller
Beichtstuhl mit der Jahreszahl
1770 und dem Dönhoffschen
Wappen. So wird uns das berichtet
in „Die Bau- und Kunstdenkmäler
des Samlandes“ von Adolf
Bötticher von 1891. In anderen
Kirchen gab es ebenfalls Beichtstühle. So
heißt es in der Chronik auf Seite 79: „Am
Sonnabend -, Daß Beicht Vesper wird
gehalten werden — von der Buße, der
Beichte, von heil. Abendmahl - da eine
jede Person ins besondere vorgenommen,
und absolvieret worden. “
Wie hat aber so ein „vorgenommen“
in der Praxis ausgesehen? Saß der Pfarrer
vielleicht im Beichtstuhl und hat jeden
einzelnen zu sich kommen lassen und
ihn dort nach seinen Sünden befragt und
ihn erst danach frei gesprochen? Alle
Communicanten, so werden sie genannt,
wurden nach der Beichte namentlich notiert,
damit der Pfarrer genau die glei-40
Admonition gegeben wird. “ Das Abzählen
der Oblaten deutet auch noch auf die
Wandlung hin, so wie im katholischen
Glauben. In jener Zeit hatte sich der evangelische
Glaube wohl noch nicht fest etabliert.
Etwa um 1536, vielleicht aber noch
früher, wurde der evangelische Glaube
im Samland eingeführt und zu selbiger
Zeit ging auch die Fuchsberger Kirche
ein, so wird uns das lapidar überliefert,
denn die Kirche war zu dieser Zeit plötzlich
verschwunden. Zerstört, abgebrannt?
Die Löwenhagener, die bisher immer
nach Fuchsberg zur Kirche gegangen
waren, hatten nun keine Kirche mehr, und
sie bauten sich 1542 eine eigene, noch
hölzerne Kirche, hatten aber keinen Pfarrer
und Löwenhagen war zukünftig Filiale
von Borchersdorf.
Es waren damals aber nicht genügend
evangelische Pfarrer vorhanden und so
predigten Laienprediger. So ist überliefert
für Ottenhagen ein „1. Johann
Tiburtius war zugleich Pf. in Starkenberg,
lebte aber 1547 im August nicht mehr.
2. N.N. ein ohnstudierter Mann, und von
Geburt ein Thüringer, von weichem
Henneberger I c. S. 320 berichtet, daß er
ein Beutler seiner Profession nach und
vorhin Schulmeister bey Friedland gewesen,
aber von einem Bauren, mit dem er
vorhero getrunken, und nachhero sich erzürnet
hat, erschlagen worden. “
Der erste Pfarrer in Borchersdorf war
„1. Bartholomäus Luthermann, vorhin
seit 1536 Pfarrer in Arnau, kam 1544
hierher, ging aber 1545 nach Grunau. Die
Sauren hatten einen Schneider zum Pfarrergenommen,
es ward aber dem Bischöfe
1549 den 18 Dez. aufgegeben darin ein
Einsehen zu haben. “
Danach kam Jeremias (Hieronimus)
Mennich (Münnich Mennichen) in den
60er Jahren, über den Schlimmes berichtet
wird. Beide hier genannten Borchersdorfer
Pfarrer predigten auch in
Löwenhagen oder sollten es zumindest
getan haben, was sicherlich nicht immer
der Fall war. In seinen letzten Lebensjahren
war Pfarrer Mennichen sehr gebrechlich,
so kann man vermuten, denn
er ist erst 1608 verstorben und hatte
damals noch zu seinen Lebzeiten zwei
Helfer, 1607 Mattias Rese und 1608
Heinrich Frischeintz.
Mit dem Borchersdorfer Pfarrer
Mennichen hatten die Löwenhagener jedoch
viel Ärger und so bekamen sie 1603
Andreas Zöllner als Pfarrer und Löwenhagen
war fortan eine eigenständige Kirche
und wurde von den Wehlauer Pfarrern
inspiziert. Mit Andreas Zöllner hatte
man allerdings noch mehr Ärger, er
wurde 1605 schließlich davon gejagt.
1609 wurde mit dem Bau der uns bekannten
Kirche und dem Turm begonnen
und auch bald vollendet.
Über die anderen drei damals im
Brandenburgischen gelegenen Kirchen
Borchersdorf, Ottenhagen und Steinbeck
„ hat der Pfarrer in der Altstadt zu Königsberg
die Inspektion, da der Königsbergsche
Magistrat, das ,Jus Patronatus ’
über sie besitzt. “
Ist dieses Patronat vielleicht der Grund,
weshalb diese insgesamt fünf Kirchen,
die im Brandenburgischen liegen, später
zum Samland gehörten?
Dietrich Böhm
Uckerather Str. 10
53773 Hennef