Mitgefühl und Verständnis für eine notwendige
Unterstützung gestoßen.
Besonders wir wissen doch, was es bedeutet,
wenn man so plötzlich außer vielen
Angehörigen auch noch Haus und Hof
verliert und dann nur noch mit dem nackten
Leben ganz auf sich alleine gestellt
und meist ohne Zuspruch in der Welt
steht! Bei den meisten von uns Älteren
wurden beim Anblick der Bilder mit den
vielen Toten und schwersten Verwüstungen
wieder die grausamen Erinnerungen
aus dem Krieg wachgerüttelt.
Gerade in Anbetracht der schrecklichen
Erlebnisse wollen wir ohne Groll und
Rachegedanken unverkrampft mit der
Vergangenheit sowie Zukunft umgehen;
mit den heutigen Bewohnern unserer
Heimat, die ja genau wie wir nichts
davon selber zu verantworten haben, in
Frieden weiterhin gute Kontakte halten
und freundschaftliche Beziehungen pflegen.
Ich weiß, dass die meisten heutigen
Bewohner im Samland an Kontakten zu
uns Ehemaligen sehr interessiert sind.
Deshalb auch nochmals mein Hinweis,
dass Sie von mir Anschriften von Privatpersonen
in Cranz/Selenogradsk erhalten
können, die Privatquartiere preiswert
vermieten!
Wir Heimatvertriebenen können mit
Stolz behaupten, dass gerade wir leidgeprüften
Ostpreußen etwas allen Menschen
und Völkern dieser Welt voraus
haben, nämlich, dass wir die Angehörigen
des Volkes, die heute in unserer verlorenen
Heimat wohnen, mit viel Geldund
Sachspenden seit vielen Jahren unterstützen!
Das ist eine Geste, die wir uns
so sehr von unseren eigenen Landsleuten
nach unserer Ankunft im „Rest des
Reiches“ erhofft hatten - und nicht wie
Menschen 2. Klasse behandelt zu werden!
Zum Glück gab es ja doch noch einige
Cranz im Jahre 1913 - Bellevue und Strandhotel
Sammlung Klemm
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Landsleute, die für unsere Lage Verständnis
aufbrachten und nicht uns die ganze
Schuld des Krieges anlasteten.
Ich werde mich auch weiterhin für eine
ständige Verbesserung der Beziehungen
zwischen unseren Völkern einsetzen. Da
lasse ich mich auch nicht durch Pöbeleien
aus einer „bestimmten Ecke“ per Anruf
und E-Mail von sogen. Landsleuten abbringen.
Wem wäre damit gedient, wenn
ich z. B. auf unserem Gedenkstein auf
dem Cranzer Friedhof die Inschrift
„anders“ gewählt hätte? Das mit „Akriecherei
bei den Russen“ etc. zu bezeichnen,
kann m. E. nicht einem normalen
Gehirn entspringen und zeigt, dass
es immer noch Leute gibt, die nichts dazugelemt
haben! Gerade auf solche aggressiven
Negativäußerungen warten doch
die Ultralinken in der Russischen Föderation,
um besonders uns Ostpreußen die
Absicht einer „Re-Germanisierung“ zu
unterstellen und alle guten Ansätze zu
einer Völkerverständigung zu torpedieren,
was man leider in letzter Zeit in
Anbetracht der anstehenden Jubiläumsfeierlichkeiten
in Königsberg/Kaliningrad
doch wieder öfters in den Zeitungen
dort zu lesen bekommt!
Ich wende mich heute nochmals an
Sie mit der Bitte, uns doch bitte alle Fehler
- vor allem in den Geburtstagslisten
-mitzuteilen. Wichtig ist besonders, dass
Sie uns (dem Geburtstagslistenführer
Herbert Regenbrecht) umgehend alle
Wohnungswechsel oder den Tod von
Angehörigen und Bekannten zur Kenntnis
bringen. Bei der Vielzahl von Angaben
kann es leider Vorkommen, dass
Namen oder Zahlen nicht ganz richtig
geschrieben (vertippt) sind! Dafür möchte
ich mich bei Ihnen entschuldigen und
um Verständnis bitten. Wir sind halt keine
perfekten „Bürokräfte“, geben uns
aber redlich Mühe und geloben Besserung!
Bei dieser Gelegenheit erlauben Sie
mir den Hinweis, dass zwar unsere ganze
ehrenamtliche Arbeit keine Kosten
verursacht, jedoch fallen ständig Telefon-,
Porto- sowie Kosten für Glückwunschkarten
und vor allem auch die
Gedenksteinpflege an, die sich mit der
Zeit zu ansehnlichen Beträgen summieren.
Es wäre nett, wenn Sie z. B. - wie
es schon manche tun - bei Anfragen
Briefmarken für das Rückporto beilegen
würden - danke!
In Cranz/Selenogradsk wurde durch
Stichwahl ein neuer Bürgermeister gewählt.
Wir werden ihn bei unserem
nächsten Aufenthalt besuchen und anschließend
über unseren Eindruck berichten.
Sicher wird sich manches in der
Amtsführung ändern und wir sind überzeugt,
dass er an einer engen Zusammenarbeit
genauso interessiert ist. Jedenfalls
kann man hoffen, dass er Umweltproblemen
aufgeschlossen gegenüber steht. Das
hat seinerzeit seine Unterstützung bei der
Verhinderung der Bebauung der Plantage
gezeigt. Da er aus der Baubranche
kommt, wird er sicher auch für unser
Anliegen Verständnis aufbringen, möglichst
viel alte, gut erhaltene Bausubstanz
zu konservieren bzw. restaurieren und
wilde Bautätigkeit zu unterbinden. Wir
haben einen ganzen Sack voller Vorschläge,
die ich vor ihm ausbreiten werde. Der
letzte große Orkan gleich kurz nach Beginn
des neuen Jahres hat gezeigt, dass
ohne ausreichenden Küstenschutz die
Tage der „Betonade“ (Promenade) und
der in der Nähe des Ufers stehenden Bauwerke
gezählt sind, wenn hier nicht umgehend
etwas passiert! (Einzelheiten im
„Report aus Cranz“ weiter hinten). 13