— Notizen aus dem Samland
cJLiebe cute,
heute will ich Ihnen wieder einige Nachrichten
aus dem schönen Samland berichten,
damit Sie immer „Up to date“ sind,
wie man heute auf Neudeutsch sagt.
Ihr „Berichterstatter“
CClciUtS cJLuytau
Schwere Herbst- und Winterstürme
Das Wetter spielte in diesem Winter, ähnlich
wie in Deutschland, total verrückt
und wir hatten nur wenige wirkliche
Wintertage mit Eis und Schnee. Allerdings
sind die Zahl der Stürme und deren
Heftigkeit wesentlich gestiegen. So
wütete ein Orkan mit Spitzenwerten über
100 km/h Ende November und hinterließ
Sturmschäden - vor allem an
Straßenbäumen - in beachtlicher Höhe.
Der Orkan, der jedoch am Wochenende
8./9. Januar 05 über die Samlandküste
hinwegfegte, übertraf den vorgenannten
noch um vieles und war wohl der stärkste,
der in den letzten Jahren unsere Küste
heimgesucht hat. Die vor der Cranzer-Bucht
stehende Bohrinsel D-6 wurde von
über 8 Meter hohen Wellen attackiert.
Die Wellen, die gegen die Steilküste
schlagen, hatten immerhin noch eine
Höhe von ca. 4 Metern und richteten erhebliche
Schäden an. Ich werde bei meinem
Besuch Ende Januar/Anfang Februar
die Samlandküste aufsuchen und ggf.
im nächsten Heft über größere Schäden
berichten.
Bürgermeisterwahlen
Das herausragende politische Ereignis im
Samland waren wohl die Bürgermeisterwahlen,
die mit aller Heftigkeit und mit
viel Geldaufwand geführt wurden. Erst
Stichwahlen, die z.T. in Schlammschlachten
ausarteten, führten zu einer
gültigen Entscheidung. Folgende Gewinner,
meist Leute aus der Wirtschaft, traten
am 4. Januar 2005 ihr neues Amt an:
Pillau/ Baltijsk:
Yaroschewitsch, Fjodor Grigorjewitsch
Cranz/Selenogradsk:
Gubarow, Valerij Georgijewitsch
Rauschen/Swetlogorsk:
Wemikowskij, Oleg Kasimirowitsch
Neukuhren/Pionersk:
Sagajewa, Rimma Alexandrowna
Zimmerbude/Swetlij:
Grigorjew, Alexander Andrej ewitsch
Erdbeben - Nachtrag
In Ergänzung zu meinen Meldungen
über Erdbeben im letzten Heft und auch
im Samlandbrief 1/2004 und 11/2004
muss ich feststellen, dass Erdbeben im
NO-europäischen Raum weit häufiger
auftraten, als bisher von uns erkannt. Die
mir jetzt vorliegenden polnische Aufzeichnungen
gehen zurück bis in die Zeit
1483.
Danach lagen zwar die meisten Bebenzentren
in Polen oder den heute unter
polnischer Verwaltung stehenden südostpreußischen
Gebiete, doch einige davon
werden sicher auch im Samland zur
Kenntnis genommen worden sein. Auch
ist davon auszugehen, dass die Erdbebenwarte
in Gr. Raum weitere Aufzeichnungen,
als uns bekannt, gemacht haben, die
dann aber wohl in den Kriegswirren verloren
gegangen sein dürften.
Von russischer Seite war zu hören, dass
nun an mehreren Stellen Erdbebenwarten
im Oblast eingerichtet werden sollen.
Von offizieller Seite wurden folgende
Werte zu dem Erdbeben am 21.
m.
September 2004 im Oblast Kaliningrad
bestätigt:
1. Erdstoß gegen 14:05 Uhr, Stärke 5,0
(R-Skala), 20 km tief, Epi-Ztr. Sdl.
Lublino
2. Erdstoß um 16:32 Uhr, Stärke 5,7
(R-Skala), 15 km tief, Epi-Ztr. Bez.
Lublino
3. Erdstoß uml6:37 Uhr, Stärke 4,3
(R-Skala), 15 km tief, Epi-Ztr. Bez.
Gurjevski
* Die Siedlung Lublino = Komieten
und Seerappen
Gurjevski = Neuhausen
Proteste über Sozialreform
Aufgrund der jetzt greifenden Sozialreformen,
wodurch viele Vergünstigungen
für Veteranen, Militärpersonal und
Miliz fortfallen und nur mit geringem
Entgelt vergütet werden, kam es in der
Russischen Föderation überall zu Protesten.
Ab sofort müssen Milizangehörige
und Militärpersonal z. B. in Bussen, Straßenbahnen
und der Eisenbahn bezahlen!
Hart betroffen sind dadurch besonders
die ca. 400 Angehörigen der Baltischen
Flotte, die zwar in Kaliningrad wohnen,
aber in Pillau/Baltijsk ihren Dienst versehen.
Nun sollen sie für den täglichen
Pendelverkehr normale Fahrkartenpreise
bezahlen. Weil aber der Fahrpreis die
ausgezahlte Entschädigung weit übertrifft,
sind die Militärs natürlich sehr
verärgert und weigern sich z. T. Karten
zu kaufen! Milizoffiziere haben in Kaliningrad
bereits mit den Schaffnern der
Straßenbahnen große Auseinandersetzungen
provoziert! Man kann sich einfach
nicht an den Fortfall der Privilegien gewöhnen.
Lebensstandard weiter gesunken
Durch einen langsam weiter steigenden
Preisanstieg sind die Lebenshaltungskosten
im Gebiet Kaliningrad weiter gestiegen.
Da das monatliche Pro-Kopf-Einkommen
im Gebiet dazu noch fast an
unterster Stelle der ganzen Föderation
liegt, sinkt der Lebensstandard der Bevölkerung
immer weiter. Das monatliche
Pro-Kopf-Einkommen im Gebiet beträgt
durchschnittlich 4.537 Rubel (ca.
120 €) wobei die Renten weit darunter
liegen und auch ein Teil der im öffentlichen
Dienst stehenden Personen noch
nicht einmal diesen Betrag erreicht! Wen
wundert es da, dass viele ihre Stromrechnungen
nicht bezahlen können und die
Stromgesellschaft Jantarenergo aufgrund
der Außenstände in Höhe von über 400
Milk Rubel (ca. 10.6 Milk €) den dringend
erforderlichen Neubau des
Leitungsnetzes nicht in Angriff nehmen
kann. So wird man weiterhin im Gebiet
mit Stromausfall - z. T. über Tage - leben
müssen. Allerdings ist auch die
Zahlungsmoral vieler Betriebe und auch
Militäreinrichtungen nicht sehr hoch.
Dadurch kommt es immer wieder zu heftigen
Auseinandersetzungen wegen rigorosem
Abschalten. Davon waren lt.
Zeitungsberichten u. a. auch Teile der
Marinebasis in Pillau betroffen.
Bernsteinwerk wird geteilt
Wie zu erfahren war, soll das Bemsteinwerk
in Palmnicken/Jantamyj aus wirtschaftlichen
Gründen geteilt werden. Ein
Teil übernimmt den Abbau des Bernsteins
und der zweite Betrieb ist dann zuständig
für die Verarbeitung und den Verkauf.
So soll der total heruntergewirtschaftete
Betrieb wieder wirtschaftlich geführt
werden.
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