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HW

Waldwinter mit Rodelbahn

fehlt es mir an lokalem Wissen. Es ist
wünschenswert wenn sich jemand oder
auch mehrere dieser Arbeit annehmen
würden. Ich könnte helfend mitwirken.
Damit wäre dann zum einen das vorhandene
 Wissen zusammengefasst und zum
anderen könnte diese Chronik zu dem
würdigen Anlass des 750-jährigen Jubiläums
 vorgelegt werden.

Dieser Heimatbrief erscheint in der
Weihnachtszeit, und Weihnachtszeit ist
Winterszeit. So war es zumindest früher
immer. Damals wurden auf den Feldern
neben den Straßen „Schneereiter“ aufgestellt,
 um Verwehungen zu verhindern.
Dies waren Holzgestelle aus Brettern von
ca. 1 m Höhe und 1 m Breite. Sie wurden
 schräg gegeneinander gelehnt und
hielten den über die Felder oder Wiesen
wehenden Schnee von der Straße ab. Das
Schneeräumen auf den Straßen besorgten
 die Straßenmeister mit Unterstützung
durch Gespanne aus den an der Straße
liegenden Ortschaften.
Während mein Schulweg von Obrotten
nach St. Lorenz im Sommer durch den

Archiv Rauschen

Obrottener Wald führte, musste
im Winter der längere Weg auf
der Straße genommen werden.
Aus dem Winter 1940/41 oder
1941/42 habe ich einen unvergesslichen
 Eindruck von dieser
 Straße in Erinnerung. Es
hatte wohl meterhoch geschneit
und der Schneepflug hatte auf
der Straße nur eine Spur und
in Abständen eine Ausweichstelle
 freigemacht. Doch wohin
 mit den Schneemengen?
Sie wurde auf den gefallenen
Schnee am Straßenrand geschaufelt.
 Die Straße war nun
zur Hohlgasse geworden mit Seitenwänden
 von mehr als doppelter Höhe. In
den 1935 begradigten Straßenabschnitten
guckten gerade noch die Spitzen der
damals neu gepflanzten Straßenbäume
heraus. Durch die Höhe des frischen
Schnees war leider das Rodeln auf den
Hängen des „Kleinen Gebirge“ nicht möglich.
 Und ebenso konnte auf dem Eis der
Teiche nicht Schlittschuh gelaufen werden.
 Wir Kinder fanden aber eine andere
Betätigung: Wir gruben uns in die hohen
Schneewände der Straße Höhlen und Gänge.
 Das Problem war nur wohin mit dem
ausgestochenen Schnee. Wir waren zu
klein um ihn auf die hohe Mauer zu werfen
 und die freie Spur auf der Straße war
zu schmal um ihn dort abzulegen. So kamen
 wir auf die einfache Idee eine Ausweichstelle
 damit auszufüllen. Bei dem
wenigen Verkehr in der damaligen Zeit
war das nicht unbedingt Verkehrs behindernd.
 Wir hatten unsere Freude und Betätigung
 an der winterlichen Luft. Den
Ärger gab es später mit dem Straßenmeister.


Bei uns auf dem Lande hatten wir hügeliges
 Gelände und etliche Teiche für
den Wintersport. Doch an technischem
Gerät standen hauptsächlich Rodelschlitten
 und Schlittschuhe zur Verfügung. Selten
 besaß jemand einfache
Skier, wie sie heute niemand
 mehr benutzen würde.
 Nachahmer bauten
sich welche selbst aus
Fassdauben - den gebogenen
 Seitenbrettern von
zerlegten Fässern - mit
denen man die Hänge hinabrutschen
 konnte.

Etwas anders sah die
Lage in Rauschen oder
auch in Georgenswalde
aus. Rauschen hatte mit
dem Mühlenteich eine große
 Eisfläche, die verschiedene
 Eissportarten erlaubte.
 Allerdings war das
Spiel auf dem Teich nicht ganz ungefährlich.
 ln Ermangelung heutiger Kühlanlagen
 holten Brauereien und Fleischereien
 das Eis des Teiches in ihre Eiskeller.
Es wurden größere Flächen aus der dicken
 Eisdecke herausgeschnitten, dann
in Blöcke zerlegt und für den nächsten
Sommer im Eiskeller zur Kühlung eingelagert.
 Diese offenen Stellen im Eis,
die sich rasch mit einer dünnen Eisschicht
überzogen, wurden mit Zweigen markiert.
 In Rauschen ist ein Junge, der im
Eifer des Spiels dies nicht beachtete, in
ein solches Loch gefallen und ertrunken.
Ein anderer Einwohner brach beim
Überqueren des Teiches auf der dünnen
Eisdecke am Einlauf des Katzabaches ein
und ertrank ebenfalls. Für Rodler und
Skiläufer gab es im Wald südlich des Teiches

 eine Rodelbahn und eine Skibahn
mit Sprungschanze. Hierüber habe ich
bereits im Heimatbrief Folge 136 berichtet.

Georgenswalde hatte eine sehr schöne

Rodelbahn in der Detroit-Schlucht. Diese
 Schlucht war im Sommer ein romantischer
 Weg zum Strand, der im Winter
als Rodelbahn und auch als Skiabfahrt genutzt
 wurde.
Wie Sie sehen, waren die kalten und
schneereichen Winter in unserer Heimat
nicht nur eine Erschwernis, sondern haben
 uns Kindern auch viel Freude gemacht.

Winterliche Bilder aus unserer Gegend
liegen mit leider nur von Rauschen vor.
Zur Illustration habe ich in diesen Text
einige Winterbilder eingefügt, die die
Strenge und Schönheit des Winters zeigen,
 aber leider nicht das Beschriebene
 darstellen. Fotografieren war damals
noch eine Seltenheit - und das besonders
auf dem Lande.

Der zugefrorene Mühlenteich mit Uferpromenade Archiv Rauschen