Full text : Unser Schönes Samland

HHHSHBi

ich rutschte seitlich ab, ein Fuß blieb im
Bügel hängen - für meinen Vater ein
beängstigender Anblick, zumal „Höchste“
 nun Richtung Gut davon galoppierte.
 Zum Glück kam ich rasch frei und
blieb auf der Wiese liegen. Als Rufe und
Spottgelächter vom Rübenacker herüber
klangen, hätte ich im Erdboden versinken
 mögen. Doch ich musste aufstehen,
es war mir nichts passiert. Meine Hoffnung,
 nun vom Vater in den Sattel genommen
 zu werden wie früher schon,
erfüllte sich nicht. Er blieb ärgerlich bei
seiner Maxime: Wer vom Pferd fällt, geht
besser zu Fuß! Damit trennten sich unsere
 Wege, er ritt weiter auf seiner Runde,
 ich trottete in Richtung Gut. Oh, wie
peinlich!
Über Wiesen und Feldwege kam ich
zu den ersten Insthäusem des Guts und

Heitere Qeschichten von

Die Naschkatze

Einst war in Königsberg ein blondes
Marjellchen mit einem runden Puppengesicht,
 die war sehr vernascht. Besonders
 Flaschen mit eingemachten Obstsäften
 hatte es ihr angetan. So hatte sie
einmal alle fest zugebundenen Kirschsaftflaschen
 im Keller aufgebunden und
nur je einen Schluck daraus getrunken,
damit es ja nicht auffallen sollte. Nun
war aber ihre Mutter eine Spezialistin in
Sachen Kirschlikör aus Saft und Sprit,
wobei sie aber wohl nie über 16 Prozent
hinauskam. Auf einer Geburtstagsfeier
häuften sich dann bald die leeren Flaschen
 auf der Toilette. Hierhin ging nun
auch das Marjellchen die Neigen auszuleeren.
 Als es gerade am besten schmeckte,
 geriet sie an eine leere Flasche von

da stand die „Höchste“ angebunden und
wartete. Ein großer J unge hatte das
durchgehende Pferd aufgehalten und bot
mir sogar Hilfe beim Aufsteigen an. Ich
bedankte mich, blieb lieber auf dem festen
 Boden und führte die Stute brav am
Zügel auf ihren Platz im Stall. Den Rest
des Tages hatte ich Zeit darüber nachzudenken,
 wie rasch „oben“ und „unten“
aufeinander folgen können.
Kaum jemand ahnte damals, wie bald
das für viele und vieles in Ostpreußen
grausame Realität werden würde und wer
es ahnte, durfte es nicht aussprechen.
Rinau habe ich nach diesem Besuch nicht
mehr wieder gesehen.

Eveline Roth
Postfach 2113
88296 Leutkirch im Allgäu

Heinz Bleeck

Salyzelsäure, die da stand. Das plötzlich
einsetzende Gebrüll machte der Nascherei
 ein jähes Ende. Viel Wasser und ein
Arzt hielten die Verätzung in Grenzen,
aber selbst heute als Oma trinkt sie
Kirschlikör nur noch aus dem Glas!

Das Schweinchen

In Königsberg am Unterhaberberg, zwischen
 Schafgasse und Brückenstraße,
befand sich ein kleiner Laden für Kurzund
 Miederwaren. Der Inhaber war ein
älterer Herr, stets im korrekten grauen
Anzug mit Weste, der aber gerne frivole
Scherze machte und mit anzüglichen
Bemerkungen Mädchen und junge Frauen
 in Verlegenheit brachte.

Im Umfeld seiner Kundinnen wurde er
deshalb nur „das Schweinchen“ genannt!
Da hieß es dann öfters: „Ich jeh mal
schnell rieber beim , Schweinchen’ nach
e Meterche Gummeband, fleicht hat er

wieder mal ,was Neies’ auf Lager!

Heinz Bleeck
Erich-Weinert-Str. 37
18059 Rostock

— Unser Rattenjäger Moritz

Es

war ein stark entwickelter, schwarzweißer
 Kater von etwa 7-8 Jahren,
der in unserem Haushalt lebte und sozusagen
 ein vierbeiniges Familienmitglied
darstellte. Er hauste viel auf dem Dachboden,
 den er über eine Luke, aus dem
Hausgang springend, erreichte. Mutter
hatte ihn „Moritz“ genannt. Meistens
hörte und folgte er auf das Rufen. Moritz
war ein erfolgreicher Ratten- und Mäusejäger,
 sowie ein sehr guter Vererber.
Angeeckt war Mutter beim Gutsverwalter,
 weil der Kater schon das zweite
Mal einen jungen Hasen aus dem Feld
heimgebracht hatte. Eigenartigerweise
brachte er ihn jedes Mal lebend mit und
ließ ihn zu Hause rumhüpfen. Der Verwalter
 sagte: „Ich weiß, dass dieser Kater
 ein guter Rattenjäger ist, darum möchte
 ich ihn nicht abschießen. Bitte sperren
sie ihn drei Wochen ein, bis die Junghasen
 größer sind.“ Mutter versuchte es,

mit wechselndem Erfolg. „Moritz“ war
keine Gefangenschaft gewohnt und fand
doch dann und wann ein Schlupfloch in
die Freiheit. Glücklicherweise hatte es für
uns und den Kater keine ernsthaften Folgen.
 Seine Hauptfunktion war das Fangen
 von Ratten, die er ausführte, solange
 er in unserem Blickfeld blieb.

In den letzten Tagen des Krieges war
„Moritz“ durch das viele Knallen der
Geschosse arg verstört und scheu geworden.
 Meistens kam er nur noch in der
Dämmerung vom Dachboden herunter.
Wie mag es ihm wohl ergangen sein, ohne
uns, seiner „Familie“?

Siegfried Jonischkeit
Eugen-Richter-Straße 33
58089 Hagen-Wehringhausen
Tel.: 02331 -331 980

C/lückwünsche

feierten am 28. April 2006

Siegfried und Marianne Scharmacher geh Wolf

aus Gardwingen, Samland
heute: Kantstraße 42, 04275 Leipzig

Hierzu gratuliert auf das herzlichste die Ortsgemeinschaft Perteltnicken

82 83