nem Transport die Flucht endlich in Wulferstedt
bei Halberstadt/Oschersleben
endete.
Die Elsa Sareyka hatte in Elbing ihren
Ehemann kennengelemt.
Die Lange-Töchter bekamen ihre Identität
wieder.
Die Notiz über diese Flucht fand ich in
den Pobether Unterlagen „Sareyka“ - erst
jetzt wurde mir aber die Hilde Scheer
bekannt, die über diese Vergangenheit
berichtete.
eingesandt von
Dietmar Wrage
T - Reitausflug in Rinau mit Hindernis
9 C
Sanddorn (Himmophae rhamnoides)
^»mmer, wenn ein Glas mit Sanddom-“
Marmelade auf dem Frühstücks
'^-'tisc "tisch steht, fällt es mir wieder ein
Als ich in Pillau ein Schulmädchen
war, mussten wir diese Beeren
sammeln. Es war Krieg und
wahrscheinlich das Jahr 1943.
Es musste alles verwertet
werden, was im Inland wuchs,
denn aus dem Ausland bekamen
wir nichts mehr.
Also zog unsere Lehrerin
mit uns los; in die Gegend
von Fort Stiehle, wo die
Sanddomsträucher wuchsen.
Diese haben Domen
und es war sehr beschwerlich und mühsam,
die mitgebrachten Behälter zu füllen!
Die orangefarbenen Beeren schmecken
sauer und haben einen hohen Vitamin
C-Gehalt. Wenn die Früchte verletzt
werden, tritt der Saft heraus, wird sofort
braun und hinterlässt an Händen und
Kleidern sehr hässliche Flecken!
Die Eltern gaben uns kleine Scheren oder
Küchenmesser mit, damit wir die Beeren
von den Sträuchem und Büschen abknipsen
konnten. Manchmal hieß es
auch statt Hausaufgaben
oder wie wir damals
sagten „Schularbeiten“:
„Ab in die
Sanddombüsche!“
Einmal hörten wir
während des Sammelns
die Luftschutzsirene: „Voralarm!“
Da mussten wir
schnellstens nach Hause. Dabei
habe ich unglücklicherweise
Mutters Küchenmesser verloren, was in
der Kriegszeit ein Gegenstand von großem
Wert war!
Hildegard Wilkens geb. Grenz
Kerschensteinerstraße 13
21073 Hamburg
Tel.: 040-77 81 04
¿Nur die ¿Natur verlangt {für ihre Qah en kein C)eld.
(Jak ow (Jrachtenberg
80
¿nau - kürzlich las ich den Namen
im Samländischen Heimatbrief
md Kindheitserinnerungen wurden
wach.
Meine Familie lebte während des Krieges
in Georgenswalde, der Vater war über
60, für den aktiven Militärdienst zu alt.
Doch dann kam die Aktion „Güterbetreuung“
und da konnte er sich beteiligen
und die brachliegenden Erfahrungen
aus der früheren Bewirtschaftung
seines masurischen Gutes einbringen.
Sein Einsatz führte ihn nach Rinau im
östlichen Samland, in der Nähe vom
Kurischen Haff. Wie auf vielen ostpreußischen
Gütern fehlten dort die tonangebenden,
planenden und arbeitenden
Männer, sie waren an der Front. Als Arbeitskräfte
standen Kriegsgefangene zur
Verfügung, doch die anfallenden Arbeiten
mussten eingeteilt, angeordnet und
überwacht werden. Regelmäßig fuhr Vater
nun nach Rinau, um dort seinen Verpflichtungen
nachzukommen. Als Ferientage
kamen, durfte ich ihn dorthin begleiten.
Wann immer ich heute von
ostpreußischen Schlössern
und Gutshäusern
lese, taucht in mir die
Erinnerung an Rinau
auf, an die Dorfstraße,
die Wirtschaftsgebäude
und Ställe, die Auffahrt
zum Herrenhaus, den weiten
Flur mit den Jagdtrophäen und der
Eichentreppe ins obere Stockwerk.
Geradeaus ging es in einen lichten Salon
mit hohen Glastüren zur Terrasse hin,
durchs Fenster sah man den Ziergarten,
der unmerklich in den Park und dichteren
Baumbestand überging. Eine zentrale
Allee führte als Sichtachse in die Tiefe
des Parks bzw. Waldes und ganz im
Hintergrund, am Ende des Weges schimmerte
das helle Grün der Pferdekoppel.
Später entdeckte ich dort im Wald das,
für ein Kind, geheimnisumwitterte Mausoleum.
Ein Marjellchen von 8 oder 9 Jahren
zog es magisch in den Pferdestall, wo in
Reihen die Reit- und Kutschpferde und
die Ackergäule standen. Die Stute „Höchste“
wurde ausgewählt und zwei Nachmittage
hatte ich Zeit, um erste Reitübungen
an der Longe und im Park zu
machen.
Am nächsten Morgen galt es dann: Der
erste Ausritt neben dem Vater führte hinaus
zum Vorwerk. Ich erinnere mich noch
genau an den wunderschönen Gleichklang
dieses gemeinsamen Reitens, abwechselnd
im Schritt und Trab, die Dorfstraße
entlang, dann zwischen Wiesen und
Feldern. In der Nähe des Vorwerks war
eine Gruppe Arbeiter mit Rübenhacken
beschäftigt, mein Vater besprach sich
kurz mit dem Vorarbeiter, ich klopfte der
„Höchste“ den Hals und fühlte mich unsagbar
stolz und glücklich.
Der Ritt ging weiter zu einem
Waldstück, über eine Wiese mit
Drainagegraben. Locker
sprang Vaters Pferd hinüber,
doch „Höchste stockte, blieb
davor stehen. Vielleicht traute
sie mir den Sprung nicht
zu oder sie hatte einfach nicht
aufgepasst und nun fehlte der
Schwung. Aus einiger Entfernung schrie
Vater im Kommandoton etwas von „ energisch
anreiten“ und fuchtelte mit der
Gerte, was meine Stute so beeindruckte,
dass sie praktisch aus dem Stand den
Sprung wagte. Der unerwartete Hopser
brachte mich aus dem Gleichgewicht und 81