Full text : Unser Schönes Samland

— Das Kirchensiegel von Ottenhagen

ieses Ottenhagener Kirchensiegel
\hat bis zum Ende seiner „Dienstzeit“
 im Winter 1944/45 fast jedes
 menschliche Schicksal im Kirchspiel
Groß Ottenhagen mit den Gemeinden
Groß und Klein Ottenhagen,
Groß Barthen, Ellerwalde, Groß-Klein-
 und Neu Lindenau,
Lindenhof, Sand, Seewalde,
Waldhof und Worienen im Landkreis
 Königsberg/Pr. besiegelt:
Geburten, Patenschaften, Konfirmationen,
 Sterbefälle, Beglaubigungen
 und kirchenbehördliche
 Angelegenheiten - zuletzt
unter Pfarrer Bruno Brombach, der nach
Kriegsende zunächst als Pastor in Kiel
und dann bis zu seinem Tode als Präses
in Wuppertal-Elberfeld wirkte.

Die frühere Geschichte dieses Siegels,
wann und wo es gefertigt wurde und seine
 über Generationen reichende Amtshandlung,
 bleibt verborgen. Aber seine
jüngsten Gebrauchsspuren und die kaum
noch lesbare Jahreszahl unter der Kirchenabbildung
 („Siebzehnhundert und ?“
- Zeit der Ansiedlung geflüchteter Salzburger
 Protestanten) kann ich durch die
Berührung mit meiner eigenen Nachkriegsgeschichte
 etwas aufhellen.

1960 arbeitete ich als Werkstudent
beim Kirchensteueramt Wuppertal-Elberfeld
 und wohnte als Gast bei Pfarrer
 Brombach, seiner Frau Käte (geb.
Bader) und ihren vier Kindern Marie
Luise, Rüdiger, Winfried und Detlev -
alle noch echte Ottenhagener. Detlev war
das Patenkind meiner 1946 in Königsberg
 an Hungerfolgen verstorbenen Mutter.
 So war ich als kleiner Junge bis 1945
von Königsberg aus oft im Ottenhagener

Pfarrhaus zum Spielen, wenn ich bei
meiner Großmutter Elma Kraemer im
strohgedeckten Kumstgarten-Häuschen
neben dem Schmiedegrundstück Carl
Kraemer zu Besuch war. Pfarrer Brombach

 hatte aus den alten
Ottenhagener Kirchenbüchern
herausgefunden, dass 1774 ein
27-jähriger „Krämer“ als Vertriebener
 aus dem Salzburger
Land sich in Ottenhagen angesiedelt
 und dort eine Schmiede
 errichtet hatte. Diesem Hof
mit der Schmiede Carl Kraemer,
 zuletzt bewirtschaftet von seinem
ältesten Sohn Carl August Kraemer und
seiner Frau Anna (geb.Wichmann) entstammt
 mein Vater Fritz Kraemer mit den
Geschwistern Arnold, Emst und Mathilde
(vh. mit Otto Hennig in Friedrichsberg
am Woriener See). Das Ottenhagener
Kirchensiegel hat 1937 die Hochzeit
meiner Eltern, 1938 den Tod meines Vaters
 und wenige Monate danach im August
 1938 meine Taufe besiegelt.

1996 gelangte es durch einen wundersamen
 Zufall in meine Hand: Bei einem
Grill-Nachmittag an einer Waldhütte bei
Bad Hersfeld machte ich mit dem Vorsitzenden
 der Bad Hersfelder Bechterew-Selbsthilfegruppe,
 Johann Joost, einen
kleinen Spaziergang. Ich bin seit Jahren
sein Stellvertreter und so hatten wir schon
viel Gemeinsames hinter uns. Jetzt sprachen
 wir privat über Urlaubspläne und
ich über unseren Plan, erneut nach Kaliningrad,
 unser heimatliches Königsberg,
zu fahren. „Das möchf ich gern auch,
da kommt nämlich mein Vater her.“ Als
ich nach dem Stadtteil und der Straße
fragte, antwortete er, dass es nicht direkt
Königsberg sei, sondern ein Dorf etwa

30 Kilometer davon entfernt: Groß
Ottenhagen!!! Aber eine Schwester seiner
 Mutter in einem Altersheim bei
Bremerhaven, Tante Anna, die könne er
über Einzelheiten befragen.
Am selben Abend noch rief
er mich an: „Meine Tante
Anna ist auch deine Tante
Anna, und sie hat uns zum
Wochenende eingeladen.“
Wenige Monate danach, am
30. Dezember 1995, ist Anna
Kraemer geb.Wichmann aus
dem Ottenhagener Schmiedehof
 verstorben. Als Andenken
 habe ich von ihr den Ehering
 ihres Mannes (Carl August)
 erhalten, (von der Größe
 her erahnt man die kräftige
 Hand eines Schmiedes)
und das Ottenhagener Kirchensiegel, das
sie als Küstertochter doch nicht in die
Hände der Russen fallen lassen konnte.
Sie hatte es deshalb an sich genommen
und in den schweren Jahren ihrer russischen
 Internierung im Nachkriegsostpreußen
 bei Razzien oder sonstiger Gefahr
 an ihrem Busen versteckt.

Zum Jahrestreffen der ehemaligen
Ottenhagener (1996 oder 97 ?) in Weiterrode
 bei Bad Hersfeld haben Johann Joost
und ich für jeden Teilnehmer mit diesem
 ehrwürdigen heimatlichen Kirchensiegel

 ein Lesezeichen angefertigt und
kurz seinen Nachkriegsweg darauf vermerkt.

Nun soll dieses Ottenhagener Kirchensiegel,

 nachdem es auch von unserem
hiesigen Pfarrer hier in Ludwigsau -
Friedlos mit Interesse betrachtet und bedacht
 wurde, auf Anregung von Gisela
Broschei, Vorsitzende der ehemaligen
Ottenhagener, als Museums-Erinnerungsstück
 in den Besitz der Heimatkreisgemeinschaft
 Landkreis Königsberg (Pr),
Preußenmuseum NRW, Simeonsplatz 12,
in 32427 Minden, übergeben werden.

Dr. med. Peter Kraemer
Schillerstr.44
36251 Ludwigsau

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d><) iöt bedder, hohe Cfrunddätze zu haben, die man befolgt,

ahö höhere, die man außer acht läööt.

czÜheri Schweizer 41