Full text : Unser Schönes Samland

Altarbild von Prof. Hering

Samml. Klemm

Der Königsberger Kaufmann August
Honig hatte dafür den Bauplatz in der
Nähe des Zauberwaldes geschenkt. Der
in Rauschen ansässige Kunstmaler Professor
 Hering malte und
stiftete das Altarbild für
die Kirche. Der Besitzer
des Königsberger Glasund
 Porzellangeschäfts
Brandstädter stiftete eine
kleine, der Kirchengröße
angemessene Orgel.
Das Gotteshaus ist ein
breiter, kurzer, in einen
flach geschlossenen Chor
auslaufender Bau. Der
Turm wurde an der Nordwestecke
 errichtet, im Innenansicht der Kirche

Norden befinden sich die vorgebaute Eingangshalle
 und der Treppenturm. Die
Kanzel wurde im gotischen Stil errichtet
und mit schönen Schnitzereien verziert.
Von den drei Glocken wurden zwei 1917
abgegeben. Ein Ersatz erfolgte nicht.2
Der Kirchenraum war mit Kirchenbänken
versehen, die schätzungsweise ca. 200
Personen Platz boten.
Carl Kühn beschreibt selbst den Bau:
„Das schöne Werk menschlicher Baukunst
 ladet durch hellen Glockenschlag
die Besucher zum Beten ein. Unter klingendem
 Orgelspiel betritt man durch die
gotische Vorhalle das Innere der freundlichen
 Kirche, geschmückt mit schönen
Glasmalerei-Fenstern und dem kunstvollen
 Altargemälde „Es ist vollbracht“.3
Die farbigen Glasfenster im Altarraum
wurden in der Fa. Friedrich Müller in
Quedlinburg hergestellt. Das Bild auf der
linken Seite stellte die Blindenheilung
durch Jesus dar.4
Die Kirche wurde am 7. Juli 1907 feierlich
 eingeweiht. Rund um die Kirche
waren Fahnen aufgezogen. Zahlreiche
Ehrengäste, Feriengäste und Einwohner
nahmen an der Feier teil. Das Gotteshaus
wurde später im Volksmund „Ordens-Sammlung

 Klemm

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Einweihungsfeier der Kirche am 7. Juli 1907

Sammlung Klemm

kirche“ genannt, da bei dieser Feier zahlreiche
 Orden an die vielen großzügigen
Spender verteilt wurden. Leider ist nicht
bekannt welcher Pfarrer den Einweihungsgottesdienst
 hielt.
In den folgenden Jahren fanden im
Sommer, von Pfingsten bis zum 1. September,
 sonntäglich um 10 Uhr die Gottesdienste
 in Rauschen statt. Das Konsistorium
 zu Königsberg entsandte hierzu
Geistliche, die ihre Bereitwilligkeit zur
Ausübung dieses Amtes erklärt hatten.
Somit konnten bei den Gottesdiensten in
Rauschen Predigten hervorragender Geistlicher
 gehört werden.
Die offizielle Seelsorge lag aber weiterhin
 bei dem Pfarramt in St. Lorenz,
das sämtliche kirchlichen Amtsgeschäfte
weiterhin wahrzunehmen hatte. Ebenfalls

fanden weiterhin die Beerdigungen auf
dem dortigen Friedhof statt.

Die evangelische Kirchengemeinde
Ostseebad Rauschen
Rauschen erhielt auf Bitten der Evangelischen
 Frauenhilfe erst 1927 einen ständigen
 Seelsorger, den Hilfsprediger Werner
 Matz. Dieser Damenkreis aus prominenten
 Rauschenerinnen traf sich regelmäßig
 im Hotel Hartmann zu seinen
 Gesprächen.

Am 1. April 1929 wurde dann Ostseebad
 Rauschen zur selbstständigen Kirchengemeinde.
 Zu ihr gehörten die Nachbarorte
 Georgenswalde, Kirtigehnen/
Karlsberg, Kobjeiten, Sassau und Warnicken.
 Sie wurden sämtlich von der
Muttergemeinde St. Lorenz abgezweigt.
Für die Kirchgänger aus Georgenswalde
und Wamicken verkürzte sich dadurch
der Weg auf weniger als die Hälfte.
Durch die Vergrößerung der Einwohnerzahlen
 in den vergangenen Jahrzehnten
hatte die Kirchengemeinde

Rauschen nun
auch ca. 3.000
Seelen.
Am 1. November
 1931
richtete dann
der evangelische
 Kirchenrat

in Berlin eine Kirchensiegel der evangeli-Pfarrstelle
 in sehen Kirche Rauschen.
Rauschen ein
und der Hilfsprediger Werner Matz wurde
als Pfarrer eingesetzt. In der Bemekerstraße
 erhielt er in dem Haus „Magnus“
seine Wohnung und dort wurde auch das
Pfarramt eingerichtet.
Bis auf Beerdigungen fanden nun die