Advent
Jüngsten. Das waren die Jahrgänge
1940/41.
Zum Glück hatten wir keinen
Regen, so daß draußen ausgiebig fotografiert
werden konnte.
Nach dem gemütlichen Kaffeetrinken
spielten Wilfried und ich den
kleinen Sketch: „Tasse oder Kännchen“,
der offensichtlich allen Freude gemacht
hat. Ein Rätselspiel, dessen Lösung
„Bernstein, das Gold Ostpreußens“ lautete,
war der nächste Programmpunkt.
Nach einem weiteren Spiel las Vera
Piep eine Geschichte vor, dessen
Schreiber die reizvolle Umgebung unseres
Landgrabens kannte und beschrieb.
Danach spielte Wilfried auf der Gitarre
und alle sangen mit. - Eine Besonderheit
will ich noch erwähnen. Manfred
Emminger ließ eine Mütze von Tisch zu
Tisch reichen, deren Inhalt mir später
übergeben wurde. Ja, so sind die Trankwitzer
und Trenker nun mal. Alle helfen
mit, damit unsere gute Heimatgemeinschaft
auch weiterhin bestehen bleibt.
Für diese Spende sage ich allen ein
herzliches Dankeschön!
Und, wie immer, das „Schabbern“
wollte kein Ende nehmen.
Am nächsten Tag, nach dem Frühstück,
begann dann die Abreise; es regnete
in Strömen.
Wir hatten ein fröhliches und harmonisches
Treffen, dafür sind wir
dankbar. Mit der Absicht auf ein hoffentlich
gesundes Wiedersehen in zwei
Jahren gingen wir auseinander.
Allen, die dieses Mal nicht dabeisein
konnten, sage ich: „Seid nicht traurig,
Ihr seid nicht vergessen. Zum
Glück gibt es ein Telefon oder Papier
zum Schreiben. Gute Besserung allen
Kranken.“
Wir wünschen allen Trankwitzer
und Trenkern, überhaupt allen Samländern,
ein gesegnetes Weihnachtsfest
und ein friedvolles neues Jahr 2001.
Eure Ingrid und Wilfried Scheuer,
Lärchenweg 7, 51503 Rösrath,
Telefon/Fax: 0 22 05 - 38 76
Sonntag erster Advent, stand auf
dem Kalender. Draußen aber schien
strahlend hell die Sonne und die Temperatur
war eher die eines Herbsttages,
nicht aber die des ersten Advents. Ich
bereitete mich auf meinen Nachmittagsbesuch
vor. Vor zwei Tagen schon hatte
ich Stollen gebacken. Ganz konzentriert
war ich dabei. Er sollte gut gelingen. Es
war das erste Mal, daß ich mich wagte
einen Stollen zu backen. Cousine Lisa
hatte mir ihr Rezept gegeben. „Damit
gelingt er dir ganz bestimmt, dabei
kannst du gar nichts falsch machen“, so
hatte sie mich ermuntert. Aber ich war
skeptisch. Auch noch einen Hefeteig!
Dafür hatte ich schon gar keine Geduld.
Aber warum sollte er mir nicht gelingen,
was andere konnten ... Ich ließ mich
wirklich nicht ablcnken, und siehe da, er
wurde gut, ja sehr gut sogar. Mein erster
Stollen, der aber auch gegessen werden
sollte. So lud ich ein paar Freundinnen
ein. In diesem Land am Mittelmeer
kannte man keine Adventsfeiern, aber
sie waren alle gerne bereit, einen neuen
Brauch, eine alte Tradition kennenzulernen.
Leider konnte ich nicht mit
selbstgebackenen Pfefferkuchen aufwarten,
denn ich bekam die notwendigen
Zutaten nicht. Aber - oh Wunder - in
einem Supermarkt gab es deutsche
Lebkuchen.
So stand ich an diesem herrlichen
Sonntagmorgen im Wohnzimmer, das
sich jetzt in ein Adventszimmer verwandeln
sollte. Warum war das nur so
schwierig? Tischdecke, Servietten -
nein, nicht die, die anderen, die mit dem
Tannensträußchen drauf. Ja, aber nicht
nur so hinlegen, schön falten muß man
sie. Der Kranz war noch ohne Lichter,
wo sind sie nur? Endlich finde ich auch
die Kerzen. Immer wieder sehe ich zum
Fenster hinaus. Die Sonne strahlt und
strahlt. Das Laub in den Nachbargärten
leuchtet in allen Farben, dort, ein
Nachbar, der kurzärmelig in seinem
Garten arbeitet, seine Frau gießt die
Blumen. Wieder wende ich mich meinem
Adventstisch zu. Er ist jetzt hübsch
geworden, aber ich bin nicht mit den
Gedanken dabei. Meine Gedanken sind
weit weg. In einem kleinen Dorf, unweit
der Hauptstadt Königsberg. Tief verschneit
ist dieses Dorf. Die Wege sind
kaum zu erkennen. Dort ist eine Pferdekutsche
gefahren, die Räder haben
unter der Last der Insassen tiefe Spuren
im Schnee hinterlassen. Auf dem kleinen
Dorfteich tummeln sich ein paar
Kinder. Sie haben es geschafft den zugefrorenen
Teich von der Schneedecke zu
befreien und schlittern jetzt die spiegelglatte
Eisfläche rauf und runter, rauf und
runter. Im Garten, hinter dem Haus, hat
der Vater einen hohen Schneeberg
geschaufelt, von dem ich auf meinem
neuen Schlitten hinunterrutschen kann
- nur ein kleines Stück - versteht sich,
aber ich hatte meinen eigenen Rodelberg.
Und Mutti gab mir eine Karotte
und eine alte Wollmütze für meinen
Schneemann, der mit Vaters Hilfe stolz
vor dem Haus stand. Am Nachmittag,
als die Sonne schon am Horizont zur
Ruhe ging und sich die Dunkelheit über
das Land senkte, gab es in der Stube für
mich heißen Kakao und ein paar von
den ersten Weihnachtsplätzchen, die
Mutti gebacken hatte. Auch gab es ein
Marzipanherzchen. Beim Backen hatte
..., ne schwache Stunde erlebt?
Mein Großvater war Volksschullehrer in Weeskendorf Im Kreis Pr. Holland und In Sakuten im Kreis Memel. Er hatte,
wie es damals so üblich war, zusätzlich eine kleine Landwirtschaft.
Meine Mutter, die schon in jungen Jahren auf dem Feld und im Stall mitarbeiten mußte, hatte eine ziemlich schwere
Jugend.
Als sie 18 Jahre alt war, mußte sie beim Dreschen die schweren Getreidesäcke von einem Zentner Gewicht auf den
Speicher tragen. Sechs Säcke schaffte sie mit Mühe, beim siebenten Sack brach sie zusammen.
Ein Ausgleich für diese schwere Arbeit war das Lehrerfest, das im Winter für alle Kollegen der Umgebung stattfand.
Ein junger Lehrer forderte meine Mutter auf und fragte leise: „Fräulein, haben Sie schon mal ,ne schwache Stunde
erlebt?“ Und das Fräulein, unerfahren und behütet, antwortete arglos: „Ja, als ich beim Säcketragen mit dem siebenten
Sack zusammenbrach!“
Dorothea Blankenagel, geb. Rattay, Heerstraße 59,47053 Duisburg
88 89