Full text : Unser Schönes Samland

Doch nun hat sich zu dem Direktor
ein gutes Verhältnis entwickelt. Er ist
bereit, auch ohne Moskau mit den
deutschen und russischen Partnern der
Initiative zu arbeiten, ein Vertrag wird
geplant, eine Summe soll als eine Art
Abfindung an diejenige Gruppe gezahlt
 werden, die das Gebäude bisher
zumindest sporadisch noch genutzt hat,
alles steht vor einem guten Ende - da
kommt ein neuer Erlass. Nicht mehr
die Behörde für Denkmalschutz ist
zuständig, sondern das Kommitee für
Liegenschaften. Der Direktor kann den
Betroffenen nur noch den Rat geben,
sich dorthin zu wenden - und wieder
von vorn anzufangen.
Die Deutschen verlieren die Geduld.
Die Männer fluchen, nehmen Wörter
wie Sch ... in den Mund. Die Frauen
schimpfen, daß man das angesparte
Vereinsvermögen vielleicht besser sozialen
 Zwecken zuführen solle; das sei
sinnvoller. Die Russen bleiben gelassen.
„Siehst du, so ist Rußland“, sagt der
Vorsitzende des russischen Vereins.
„Immer kann etwas dazwischen kommen!“
 Er denkt nicht daran aufzugeben.
„Wir haben schon vier Direktoren
der Denkmalschutz-Behörde überlebt!“,
stellt er sachlich fest. Man soll die Dinge
sowieso nicht überstürzen. In drei
Wochen sind Wahlen. Wer weiß, wie die
Welt dann aussieht...
Nun soll man allerdings nicht
meinen, daß so etwas nur bei schwierigen
 Restaurierungsprojekten, an denen
Deutsche beteiligt sind, passieren kann.
Da will z. B. der Leiter einer Dorfschule
das Gehalt für seine Lehrer abholen.
Das wird nämlich bar bei der zuständigen

 Bezirkskasse abgeholt, was seit Jahr
und Tag zu seinen Amtspflichten gehört.
Es ist Urlaubszeit, aber das Geld muß
doch geholt werden. Plötzlich wird ihm
eine neue Verfügung vorgelegt; er müsse
von jedem Kollegen eine schriftliche
Erklärung haben, die ihn dazu befuge,
das Geld zu holen. Er schluckt. Seit
Jahren holt er das Geld ab, von einer
solchen Verfügung weiß er nichts, wie
soll er jetzt in den Ferien an eine solche
Erklärung der Kollegen kommen, die ja
auch nicht alle in dem Ort selbst
wohnen ... Ja, dann werde es etwas länger
 dauern, wird ihm mitgeteilt. Er muß
nun Formulare ausfüllen, die er in
Zimmer 4 bekommt, in Zimmer 8 abstempeln
 lassen muß, in Zimmer 6 abgeben
 muß, worauf er in Zimmer 7 eine
Vollmacht bekommt, um das Geld in
der Kasse abzuholen ... So geht der Vormittag
 dahin. Als er die Vollmacht hat.
ist die Kasse zu und wird erst um 15.00
Uhr wieder öffnen. Macht nichts, man
geht zu Freunden in der Nähe, die
Hausfrau hat eine kräftige Suppe anzubieten,
 man trinkt Tee, beim Plaudern
vergeht die Zeit schnell ... In der Kasse
bekommt der Schulleiter dann nur das
Geld für den Urlaubsmonat, obwohl
den Kollegen mehr zusteht. Macht
nichts, wenigstens etwas, so war der Tag
nicht umsonst...
Man lernt Geduld, man entwickelt
Humor, und wenn es nicht so klappt
wie geplant, dann soll man sich die
anderen Früchte vor Augen halten, die
jedes kleine Gebäude, an dem Russen
und Deutsche gemeinsam arbeiten, mit
sich bringt. Da werden Menschen zusammengeführt,
 die sich über alle

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Grenzen hinweg für eine Sache einsetzen,
 da werden Freundschaften geschlossen
 und Kontakte geknüpft. Da
gibt es Austausch und Gegenbesuche
und Ferienaufenthalte für Jugendliche.

43 Trankwitzer und Trenker Heimatfreunde
 feierten in Forsbach mit
ihren Ehepartnern bei bester Laune
das 11. Treffen der Ortsgemeinschaft.
Unsere Trankwitzer und Trenker
sind wie eine große Familie. Wenn
auch beim Wiedersehen und Verabschieden
 keine Tränen mehr rollen, so
ist doch die Herzlichkeit zueinander
wunderbar. Gerade heute, in der etwas
flüchtigen und oft lieblosen Zeit, tut es
gut, in die Arme genommen zu werden.
Gespräche, fast ohne Ende, ließen die
Stunden des Zusammenseins viel zu
schnell vergehen. - Auch wenn man
denken würde, daß die Vorbereitung
und Duchführung eines solchen
Treffens fast Routine ist, stimmt das
nicht ganz. Natürlich müssen viele
Dinge dafür abgesprochen, überlegt
und letztlich getan werden. Aber
bestimmt genau so wichtig ist die
Anwesenheit der Menschen, jeder
Einzelne, wie er ist, wie er sich in einer
Gemeinshaft zeigt und gibt. Mit Freude
war es zu beobachten, wie sehr auch
die Ehepartner und Freunde unserer
Trankwitzer und Trenker die heimatliche
 Gemeinschaft unterstützen. An
alle ganz lieben Dank dafür!

- Der liebe Gott ist doch auf unserer
Seite.

Bärbel Beutner (Heiligenwalde),
Käthe-Kollwitz-Ring 24, 59423 Unna

Trankwitz, Trenk -

Ein Fest ging zu Ende!

Für dieses Treffen hatten wir 151
Einladungen mit Rückantwortkarten
an die Trankwitzer und Trenker verschickt.
 Wir wissen alle, daß der weite
Anreiseweg und leider oft die schlechte
Gesundheit für viele ein Kommen
unmöglich macht. Mit etwas Wehmut
müssen wir akzeptieren, daß der oder
die nicht mehr dabeisein kann.
In Treue und Aufrichtigkeit gedachten
 wir aller im Krieg gefallenen
und verstorbenen Trankwitzer und
Trenker. Wir lasen die Namen derer
vor, die in den letzten zwei Jahren verstorben
 sind. Es waren 12 Trankwitzer
und Trenker, um die wir trauern.
Berichtet habe ich dann über den
jetzigen Zustand unserer Heimat und
mit vielen Fotos erklärend dargelegt.
Eine große Bilderausstellung mit Fotos
vom ersten Treffen 1980 bis jetzt mit
Leipzig 2000 wurde gerne betrachtet.
Auch die ausgelegten Heimatbriefe
und das Östpreußenblatt waren von
Interesse.
Wir hatten ein buntes Programm
zusammengestellt. Zunächst ermittelten
 wir die und den Ältesten unserer
Dorfgemeinschaft. Interessant war
dann auch das Herausfinden unserer 87