Auf einer guten Asphaltstraße erreichten
wir über Drugehnen und
Hegeberg zunächst unser Schul- und
Kirchdorf Kumehnen. Bei der Durchfahrt
durch Drugehnen erkennt man
noch einige Häuser von früher. Den
alten Bahnhof gibt es nicht mehr, dafür
auf der rechten Seite die Haltestelle mit
einer überdachten Unterstellmöglichkeit.
Am Ortseingang rechts vor Kumehnen
stehen heute die kleinen russischen
Siedlungshäuser und daneben
liegt ein russischer Friedhof. Dann
sieht man links der Straße ein bekanntes
Gebäude, das noch relativ gut erhaltene
ehemalige Lehrerhaus. Das Schulgebäude
existiert nicht mehr. Einige
Schritte weiter, die Abzweigung nach
Daliwehnen.
Schaut man von dem Lubergschen
Grundstück nach rechts, fällt der Blick
auf die mehr und mehr verfallende
Kirche. Davor steht noch ein Haus von
früher, (Komm/Maschewitz) das noch
bewohnt ist.
Ein Rundgang durch den Ort
stimmt einen traurig, weil von dem
alten Kumehnen so gut wie nichts mehr
vorhanden ist und die wenigen Überbleibsel
dem Verfall ausgeliefert sind.
Vom Gasthof Norgall steht nur
noch ein Fragment, das sich kaum
zuordnen läßt und an dem in verwaschener
russischer Schrift so was wie
Kulturhaus zu entziffern ist.
Folgt man der Dorfstraße, die
asphaltiert und in einem erstaunlich
guten Zustand ist, vorher an der Kirche
zum Dorfende in Richtung Braun, stehen
noch einige Häuser bzw. Gebäude
früherer Zeit, die so langsam in sich
zusammensinken.
Unsere besondere Aufmerksamkeit
galt der Kirche, weil in der 146. Folge
unseres samländischen Heimatbriefes
zu lesen ist, daß sich am 5. März d.J. der
Förderverein Kumehnen/Kumatschewo e. V
gegründet hat mit dem Ziel, die Kumehner
Kirche mit Hilfe von Spenden
wieder aufzubauen.
Nun, ich bin schon immer ein optimistischer
Mensch gewesen und bin es
auch heute noch, aber wenn man den
derzeitigen desolaten baulichen Zustand
unserer Kirche sieht, frage ich
mich, woher die Initiatoren dieses
Fördervereins den Mut nehmen, dieses
Vorhaben verwirklichen zu wollen.
Verstehen Sie mich bitte nicht falsch,
auch mich verbindet Vieles mit unserer
alten einst schönen Kirche, aber selbst
wenn es mit einem gewaltigen persönlichen
und materiellen Kraftaufwand
gelingen sollte, diese Kirche auferstehen
zu lassen, stünde sie auf verlorenem
Posten, da nach drei Himmelsrichtungen
Niemandsland ist und ein erneuter
Verfall mit großer Wahrscheinlichkeit
vorprogrammiert wäre.
Das ist eine Meinung, die ich nicht
nur alleine vertrete.
Spallwitten, wir stehen an der Stelle
in Kumehnen, wo zwischen den Grundstücken
Buldt und Klein der Weg nach
Spallwitten von der Kumehner Dorfstraße
abbiegt, der im weiteren Verlauf
nach Siegesdicken und Arissau führt.
Nach etwa einem Kilometer erreichen
wir den Kreuzweg, von dem es etwas
links nach Siegesdicken geht und scharf
rechts nach Spallwitten gehen müßte.
82
Aber da ist kein Weg mehr erkennbar,
alles Brachland. Dort, wo Spallwitten
liegen müßte, ist nur hoher Baumbestand
und dichtes Buschwerk zu erkennen.
Doch eine Stelle, dort, wo der
Hohlweg seine größte Vertiefung hatte,
läßt sich eine kleine Senke ausmachen,
auf die wir dann losmarschieren. Nach
etwa 250 Metern erreichen wir rechter
Hand einen kleinen Waldstreifen, aus
dem ein kleiner Bach in Richtung Spallwitten
fließt. Wir sind am Pachetel! Wir
haben den Weg zu unserem Dorf gefunden.
Beiderseits des Weges stehen noch
die alten, überwiegend Ahornbäume
und dazwischen die hohen Wegesteine.
Alles dicht verwachsen, Spallwitten ist
ein Waldstück. Nun haben wir die Stelle
erreicht, wo der kleine Bach kurz vor
LölPs den Weg unterquert und in
Richtung Siegesdicken in das Forkener
Fließ mündet.
Mühsam ist die Suche nach dem Verlauf
der Wege durch den nicht mehr vorhandenen
Ort. Aber die alten Straßenbäume
und Wegesteine sind uns eine
gute Hilfe und so finden wir die Abzweigungen
zu den ehemaligen Grundstücken.
Es ist schwer zu beschreiben, wenn
man nach 55 Jahren mit seinen Erinnerungen
von damals dort steht, wo das
eigene Leben begonnen hat.
Nach einigem Suchen haben wir
dann noch Reste von Fundamenten,
Mauerwerk und noch relativ gut erhaltene
Herd- und Ofenkacheln auf unseren
Grundstücken gefunden.
Auch die beiden Teiche hinter den
Grundstücken von Komning, Kaiser
und Pucks sind noch vorhanden.
Nach mehreren Stunden hatten wir
das Spallwitter Gelände durchstreift
und umrundet und erreichten durch
das Pachetel wieder den Kreuzweg, wo
unser Taxifahrer Iwan ein schmackhaftes
Picknick vorbereitet hatte.
Müde, aber glücklich und froh darüber,
unsere heimatlichen Wurzeln gefunden
zu haben, ließen wir uns das
Mahl im Freien gut schmecken. Ein
unvergeßlich schöner Tag!
Allen Lesern und Heimatfreunden,
besonders aus dem Kirchspiel Kumehnen
und meinen lieben Spallwittern
viele Grüße und alles Gute.
In heimatlicher Verbundenheit
Ihr Gerhard Groll,
Siiplinger Str 56 c, 39340 Haldensleben,
Telefon: 039 04-6 44 72
Am 10. Oktober 1850 wurde die deutsche Sozialreformerin
Ida von Kortzfleisch
in Pillau geboren.
1895 regte sie die Einführung eines Pflichtarbeitsjahres für Frauen an.
In Hessen gründete sie 1897 die erste Landfrauenschule und im Zusammenhang damit
den Reifensteiner Verband für haus- und landwirtschaftliche Frauenbildung. 83