Full text : Unser Schönes Samland

Dünen bei Cranz stark geschädigt

Notiz: „100 Kinder für einen Monat versorgt.
 Die Hilfsaktion, die Herr Helmut
Hoffmann im KE 11/98 auf Seite 21
ankündigte, ist angelaufen. In den letzten
 Novembertagen überreichte der
Wohltäter aus Solingen je 1500 DM
sowie Multi-Vitamin-Packungen den
zwei Schulen seiner Heimatstadt Selenogradsk
 (Cranz). Mit dem Geld werden
 Frühstücksportionen für hilfsbedürftige
 Grundschüler finanziert. Mit
der Spende können voraussichtlich 100
Kinder einen Monat lang kalorien- und
vitaminreich versorgt werden. Außerdem
 sollen die Multivitamine nach Zustimmung
 der für den Rayon Selenogradsk
 zuständigen Pädiaterin (Kinderärztin)
 unter allen Grundschülern verteilt
 werden.“ - Helmut Hoffmann ist
seit ca. 1990 „Dauergast“ in Selenogradsk.
 Er kennt wie kein anderer die
dortigen Verhältnisse und die jetzt bestehende
 Not. Er gehört zu dem Kreis
von Menschen, die bemüht sind, die
Not der in Selenogradsk benachteiligten

Personen unter Einsatz oft nicht unerheblicher
 privater Geldmittel zu lindern.

Eine besondere Überraschung erlebte
 ich in den letzten Minuten des ausgelaufenen
 Jahres 1999. Gegen 23.50 Uhr
läutete unser Telefon. Es meldete sich
Hans Rolinski. Ich fragte: „Hans, bist
Du in Deutschland? Es klingt, als wär'st
Du im Nebenhaus.“ „Nein“, antwortete
Hans, „ich bin in Kanada und denke an
Deutschland, wo in wenigen Minuten
das Jahr zu Ende geht.“ Obwohl Hans
bereits in den 50 er Jahren auswanderte,
sucht er bei besonderen Anlässen, wie
z.B. Weihnachten, Sylvester usw., nach
den Wurzeln seiner Vergangenheit. In
diesem Falle trieb es ihn zu einem
Gespräch mit mir, einem ehemaligen
Nachbarjungen und Spielgefährten aus
frühester Vergangenheit. Ich war sehr
erfreut, aber auch nachdenklich bei der
Frage, welche Heimatgefühle hatten
Hans in dieser Nacht wohl erfaßt? -

Zum Schluß bitte ich Sie,
rechtzeitig den Besuch
des Deutschlandtreffens
in Leipzig zu planen und
grüße Sie herzlich

Ihr Walter Rosenbaum
Gerhardstraße 23, 27576
Bremerhaven Telefon:
0471-5 50 08

Auch im Namen von
Bruno Radtke
Hemmstraße 306,28215
Bremen Telefon: 04 21-3
 51203

und unserer Frauen

Adalbertskirche in Cranz,- aufgenommen im Oktober 1999 von Ernst Krauskopf.

Seit 1997 läuft die Qrundüberholung des Qebäudes und die Wiederherrichtung

als Kirche. Die zwischenzeitliche Nutzung als Sporthalle endete etwa 1993/94.

Bedeutend stärker als bisher angenommen,
 sind die Schäden an den
Dünenanlagen NO von Cranz. Gingen
wir bisher immer davon aus, daß die
von 1805 bis 1869 zwischen Cranz und
Sarkau befestigten Sandmassen auf der
Palwe durch die schweren Stürme - vor
allem im Winter 1982/83 - „nur“ an
Höhe verloren haben, so mußte ich
jetzt zu meinem Erschrecken feststellen,
wir sind einem bösen Trugschluß unterlegen.
 Tatsache ist, der gesamte ehemalige
 Vorstrand (teilweise 20 m und
mehr), die mit Strandhafer, Stranddisteln,
 Strandhutlattich, etc. bepflanzte
und mit Flechtzäunen befestigte, Vordüne
 und ein Großteil der befestigten
Hauptdüne sind der See auf einigen
Kilometern zum Opfer gefallen. Zum
Teil beginnen die heutigen Dünenreste
dort, wo einst die Walddüne der Palwe
begann. So ist z.B. auch der „Verlobungsweg“
 von den Sandmassen, die
von den Wogen der tobenden See landeinwärts
 geschoben wurden, total zugeschüttet.
 Die Düne ist heute um viele
Meter niedriger und liegt teilweise fast
auf dem Niveau des Waldes.
Der beste Beweis ist hinter „Klein
Thüringen“ zu finden. Waren bisher alle
Versuche vergeblich, Reste vom Bismarckturm
 zu finden, so lag das daran,
daß wir immer in der alten Hauptdüne
suchten. Nun habe ich jedoch herausgefunden,
 daß der ehemalige Standort des
Aussichtsturmes dort war, wo heute
Vorstrand ist. Die Vor- und Hauptdüne
ist dort fast ganz fortgespült.
Der 280 m NO vom Aussichtsturm
auf einer der höchsten Dünenspitzen
stehende Kanonenstand mit Munitionsbunker

 aus dem 1. Weltkrieg liegt
heute auf dem Vorstrand, ca. 20 m von
den Dünenresten entfernt. Die Dünenreste
 sind meistens höchstens noch ca.
8 m hoch, vormals hatten sie eine Höhe
bis ca. 17 m. Der gesamte Vorstrand, die
ehemalige befestigte Vordüne und der
größte Teil der Hauptdüne sind in der
See verschwunden wie auf dem Foto zu
sehen. Teilweise dringen die Wellen
noch weiter in das Landesinnere vor.
So ist u.a. auch die Düne mit dem
„Kusselfichten-Wäldchen“ (Spirke-Anpflanzungen
 zwischen Ende des Verlobungsweges
 und Kl. Thüringen) ganz
verschwunden und die Sandkuhle
„Ilskefalle“, die nicht gerade klein war,
zugeschoben. Der vordere Dünenrand
ist also auch hier bereits mit der
Walddüne und dem Rande des alten
Hochwaldes der Palwe identisch.
Heute kann man schon wieder
einige Pfähle der um 1900 gebauten
Steinbuhnen, die bis 1945 fast total versandet
 waren, erkennen.
Übrigens habe ich die Reste der
Fundamente von der „Jägerschenke“ ca.
10 m neben dem Nehrungskontrollpunktgebäude
 gefunden. Wenn nicht
Wesentliches zum Küstenschutz in
nächster Zeit geschieht, dann muß bei
künftigen Sturmfluten mit weiteren erheblichen
 Landverlusten an der Nehrung
 gerechnet werden. Gleiches gilt
natürlich auch für den Badestrand an
der Promenade von Cranz, wo die See
bei den letzten Stürmen den Sand zwischen
 „Korso“ und dem ehemaligen
„Monopol“ total fortgespült hat und
dabei ist, die vorgelagerten Steine zu
unterhöhlen. Hier fehlen die Felssteine

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