Full text : Unser Schönes Samland

Lager, bis wir im Frühjahr 1947 nach
Grove kamen. Dort waren etwa 10.000
Flüchtlinge untergebracht, und dort bestand
 auch die Möglichkeit die unterbrochene
 Schulausbildung in einer
Lageroberschule fortzusetzen. In den
vorangegangenen zwei Jahren hatten
sich hilfsbereite Menschen (Pfarrer,
Lagerarzt, eine Handelsschullehrerin)
bemüht, unsere Wissenslücken auszufüllen,
 so daß wir in der Lageroberschule
 einigermaßen den Anschluß
fanden. Durch einen guten Freund kam
ich in dieser Zeit zum Chorgesang, den
ich mittlerweile 52 Jahre mit Begeisterung
 ausübe.
Nach weiteren 1 >/2 Jahren konnte
endlich die langersehnte Ausreise nach
Deutschland erfolgen. Über das Durchgangslager
 Munsterlager in der Lüneburger
 Heide und das Durchgangslager
Lübeck-Schlutup für Schleswig-Holstein
 endete unsere Fahrt am 9. September
 1948 schließlich in Bad Bramstedt,
 wo uns unser Vater erwartete,
der den Krieg als Soldat gesund überstanden
 hatte.
Ich konnte in der Folge meine schulische
 Ausbildung an der Oberschule für
Jungen in Neumünster fortsetzen und
im Februar 1950 mit dem Abitur beenden.
 Nach dem Studium der Feinwerktechnik
 an der damaligen Ingenieurschule
 in Kiel begann ich 1957 meine
Laufbahn als Ingenieur im fernmeldetechnischen
 Dienst bei der Deutschen
Bundespost.
1956 habe ich meine Frau Lisa, geb.
Meinert in Bad Bramstedt geheiratet.
Im Jahre 1957 wurde unser ältester
Sohn Jens geboren, 1959 Frank, 1962

Jörg und 1967 Sven. Im Jahre 1969
wurde dann unsere Tochter Katja geboren.
 Im Herbst desselben Jahres
konnten wir endlich unser Haus in der
Graf-Stolberg-Straße beziehen, das der
ganzen Familie ausreichend Platz bot.
Nach fünf Jahren beruflicher Tätigkeit
 in Flensburg (1975- 1980) kehrte
ich nach Kiel zurück und arbeitete
beim dortigen Fernmeldeamt bis zu
meiner Pensionierung im Dezember
1994. ■
Meine Eltern haben all diese Jahre
miterleben können. Mein Vater starb
1983 im Alter von 84 Jahren, meine
Mutter lebte bis 1995 und starb
92jährig.
Im Jahre 1982 nahmen wir ein
Pflegekind, deren Eltern bei einem
Autounfall tödlich verunglückt waren,
bei uns auf. Das Mädchen wohnte bis
zur Volljährigkeit bei uns und wurde in
unsere Familie voll einbezogen, so daß
wir nunmehr sechs Kinder mit Partnern
- fünf Paare sind verheiratet - und
neun Enkelkinder unser eigen nennen
können. Soviel zu meiner Person.
Nach Durchsicht aller mir übergebenen
 Unterlagen habe ich feststellen
können, welche Aufgaben ich im Interesse
 unserer Stadtgemeinschaft Fischhausen
 zu erfüllen habe. Ich werde
bemüht sein, alles in meinen Kräften
stehende zum Wohl derselben zu tun.

Gert Utschakowski,
Graf-Stolberg-Str. 41,
24576 Bad Bramstedt,
Telefon: 0 41 92-69 33

Palmnicken - Unsere Lotte

Wer kennt nicht die Fotografie aus
dem Postkartenkalender für 1957 „Ostpreußen
 im Bild“, (Verlag Gerhard
Rautenberg, Leer (Ostfriesland). Der
Text zu dieser Fotografie lautet:
Eine lange Bernsteinkette trägt dieses
 schlanke ostpreußische Mädchen
aus Palmnicken, dem Ort der Bernsteingewinnung,
 als einzigen Schmuck. Die
Tracht, in die sie gekleidet ist, wurde
früher vielfach im nördlichen Teil unserer
 Heimat getragen, und zu Faltenrock,
Mieder und Hemdbluse gehören natürlich
 auch schwer geflochtene Zöpfe.
Das hübsche junge Mädchen, am
Ufer der Nogat, ist unsere Lotte Bollgönn,
 geb. Allenberg.

Am 13. Oktober 1999 ist sie im
Alter von 81 Jahren von uns gegangen.
Achtzehn Mal, bis zu ihrer schweren
Krankheit, kam sie zu unseren Treffen
nach Köln. Einmal war sie unsere Bernsteinkönigin.


Das Foto entstand 1934, als sie mit
einer Volkstanzgruppe - unter der Leitung
 von Lehrer Albrecht - zur Marienburg
 gefahren war. Lotte wurde dort
„entdeckt“ und mehrfach fotografiert.
Viele Jahre später erschienen Fotos von
ihr in einem Bildband und dem genannten
 Postkartenkalender.

Auf dieser Fahrt führte die Mädchengruppe
 unter anderem bei einem
Bauerntreffen den Klotzkorkentanz auf
und sang dazu:

Marjell wo häst dien Klotze her,
sägg an, sägg an, sägg an?

De hä eck von mien leewste Schatz,
de so fein schastre kann.
Nun trauern wir um Lotte, eine unserer
 treuesten „Bernsteinanhängerinnen“.
Ob wir es schaffen, am 8. und 9. April
2000 den Klotzkorkentanz vorzuführen
oder zumindest das Lied zu singen?

Eure Hanni Lenczewski-Witte,
Hummelnstück 29, 58762 Altena,
Telefon: 0 23 52-5 26 68 9