Full text : Unser Schönes Samland

[“— Fuchsberg zum Schmunzeln

Der Erdmann’sche Krug in Fuchsberg
 war das Zentrum dörflicher Kommunikation.
 Das galt für die Jugend,
soweit sie eine Gastwirtschaft besuchen
 durfte, und natürlich für das gesetzte
 Alter.
Wieder einmal fanden sich einige
unserer schon erwähnten Spaßvögel
im „Stübchen“ zusammen. Und wenn
Ewald, Ede, Paul und Konsorten zusammensaßen,
 überlegten sie schon
nach dem dritten Schnaps: „Watt
moakt wi hiede?“ In diese Überlegung
hinein hörten sie das typische Knattern
 eines Zweitakters, dessen Lauf
vor dem Gasthaus erstarb. - Ein Blick
durchs Fenster ließ sie einen Hanomag
erkennen; ein kleines schmuckliges
Autochen, von dem man nie wußte, ob
ies vorwärts oder rückwärts fuhr. Nur
der Lenker dieses Gefährtes verriet
durch seinen Sitz die Fahrtrichtung,

und die zierlichen Räder hatten noch
Holzspeichen. Beste Tischlerarbeit. -
Mühsam zwängte sich ein etwas beleibter
 Herr aus dem niedrigen Kleinwagen.
 Das ausschauhaltende Dreigespann
 erkannte sofort den Vertreter
der Feuersozietät aus Löwenhagen.
Forsch und selbstbewußt betrat dieser
die Gaststube. Schließlich war er einer
der wenigen Autobesitzer, denen die
Kinder des Dorfes neugierig hinterher
rannten, bis ihnen die Puste ausging.
Man lotste ihn ins „Stübchen“.
Beim Schnäpschen kam man schnell
ins Gespräch, und natürlich über das
Lieblingsthema des Vertreters, nämlich
 sein Auto. Darüber wußte er
wahre Wunderdinge zu erzählen. Und
schnell nahm der Plan des Dreigestirn
Konturen an. Wieder mußte einer von
ihnen „austreten“. Sein langes Ausbleiben
 erklärte er mit starkem Durchfall.

Beim ersten, noch illegalen Besuch Fuchsbergs im September 1990, zeigte das Wohnhaus des Bauernhofes
Borchert zwar schon Risse im Qiebel, doch ansonsten war es intakt. 1993 war die rechte Hälfte von der Hofseite
aus gesehen schon eingestürzt.

Dasselbe Haus des
Anwesens Borchert von
der Straßenseite 1997.
Der Hauseingang in die
übriggebliebene Hälfte
verlegt. Der Qiebel notdürftig
 mit Bretten abgedichtet.
 Der weitere
Verfall kündigt sich
bereits an.

Den beiden Kumpanen nickte er bei
seiner Rückkehr kaum merklich zu.
Also wurde der Plan umgesetzt.
Nachdem mehr als 2 Stunden lang
das Gespräch sich um das wundersame
 Vehikel erschöpft hatte und die
„Schlorren“ des Autofans so langsam
voll waren, brach man gemeinsam auf,
um den glücklichen aber schon leicht
schwankenden Kfz.-Besitzer standesgemäß
 zu verabschieden. Alkohol am
Steue war damals nicht verboten und
Kraftfahrzeuge genossen noch alle Privilegien.
 „Motorkraft vor Muskelkraft“,
 so lautete die Regel.
Ahnungslos und stolz zwängte sich
der Vertreter in die enge Karosse,
winkte kurz und herablassend durch
das geöffnete Klappfenster und ließ
den Motor an, der wie ein geprügelter
Hund aufheulte. Der Auspuff qualmte
wie eine Dampflokomobile. Ratschend
 wurde der Gang eingelegt und

die Kupplung ruckartig gelöst. Doch
der Wagen rührte sich nicht vom Fleck.
Der Vertreter gab mehr Gas, so daß
der Motor abermals aufheulte. Der
Hanomag blieb stehen. Kopfschüttelnd
 und mit ratlosem Gesichtsausdruck
 stieg der Mann aus dem Auto.
„Das ist mir noch nie passiert“, wetterte
 er. Doch Ewald wußte sofort Rat.
„Wir holen Walter Behrend, unseren
Schmied, der hat Autoverstand.“ -
Doch dessen Rat wurde nicht mehr
benötigt, denn mittlerweile hatte auch
der Vertreter bemerkt, daß das Auto
kaum sichtbar auf Ziegelsteinen aufgebockt
 war, so daß sich die vier Räder
ohne Bodenberührung drehten. Und
um das Leichtgewicht von den Steinen
zu heben, war Hilfe notwendig, und
die verlangte eine Runde.

Klaus Wulff, Kulmer Straße 20a,
32602 Vlotho, Tel.: 0 52 28 - 71 83

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