Full text : Unser Schönes Samland

Schaaksvitte am Kurischen Haff

Schaaksvitte,

mit seinen ca. 700 Ein
wohnem, war eines der größten Fischerdörfer
 am Kurischen Haff. Die Fischer,
 die den Großteil der Einwohner
ausmachten, lebten überwiegend vom
Fischfang. Die Fische wurden, sofern
man sie nicht selbst vermarktete, zum
Fischhändler gebracht. Was für ein Fischerdorf
 dieser Einwohnergröße besonders
 wichtig war, waren der „Rote und
der Weiße Krug“. Dort traf man sich zum
Plachandem oder zum Skat.

Kurenkähne am Ankerplatz in Schaaksvitte

Foto: priv.

Hatten schon die Kriegsjahre durch die
Einberufung der jüngeren Jahrgänge zur
Wehrmacht eine große Schneise in die
Geselligkeit des Ortes geschnitten, wurde
 Ende 1944 durch das Näherkommen
der Front jeglicher Gedanke an Frohsinn
unterbrochen.

Im Januar 1945 flohen die Bewohner
oder gerieten in russische Gefangenschaft.
 Schaaksvitte heißt heute Kaschirskoje
 und ist, wie viele Orte im Samland,
ein sterbender Ort. Gerne erinnere ich
mich an meine schöne und sorgenfreie
Kindheit. Trotz des gegenwärtigen Zustandes
 des Dorfes fahre ich dennoch, so
oft ich noch kann, in meinen Heimatort.

Allen Landsleuten ein gesegnetes Weihnachtsfest
 und alles erdenkliche Gute,
insbesondere Gesundheit für das Jahr 2003.

Herzlichst
Euer Herbert Laubstein
Amselstraße 29
53285 Gevelsberg
Tel. 02332/80577

An der Beek in Schaaksvitte, links der Fischer
Albert Perkuhn Foto: priv.

Der lange Weg eines Qesangbuches

In

unserer Familie befindet sich ein
besonders wertvolles Andenken an Forken
 und der Familie des Freiherren von
Buddenbrock, von uns allen nur der Baron
 genannt.
Es ist ein „Evangelisches Gesangbuch,

Ausgabe für die Kirchenprovinz Ostpreußen.“
 Es ist ein Geschenk des Herrn
Baron an meinen Bruder Rudolf Möhrke.
Nach unserer Flucht aus Forken besuchte
 mein Bruder ihn ab und zu in
Holstein, wohin die Flucht die Familie

Die Fußnote im zweiten
 Blatt besagt: Das
gleiche Gesangbuch
wird außer in der Kirchenprovinz
 Ostpreußen
 auch in der Kirchenprovinz
 Grenzmark
 Posen-Westpreußen,
 im Landessynoda
 (verbände
Danzig und in der
Umerten Kirche in
Polen eingeführt.

von Buddenbrock geführt hatte. Bei einem
 dieser Besuche bekam er nun dieses
Gesangbuch geschenkt.
Es enthält eine Widmung der Großmutter
 mütterlicherseits, Kathi von St. Paul,
an ihren Enkel Karl Freiherr von Buddenbrock,
 geb. 26.10. 1914, mit einem
Psalm-Vers und dem Datum: 6. 4. 1930.
Der Psalm lautet:
Gott der Herr ist Sonne und Schild:
Der Herr gibt Gnade und Ehre.
Er wird kein Gutes mangeln lassen den
Frommen.
Doch leider war der Schild nicht fest und
groß genug um das Leben des Karl Freiherr
 von Buddenbrock zu schützen. Er
ist im letzten Kriege gefallen. Ebenso sein
1916 geborener BruderWilhelm.

Diese und noch einige
 andere Bildchen,,
wie wir sie früher in
der Sonntagsschule
bekamen, die die Baronesse
 Christa von
Buddenbrock in Forken
 abhielt, befanden
 sich noch aus
ostpreußischer Zeit in
dem Buch.

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Das Gesangbuch wurde an Frau Erika
Wetzel, Ortsvertreterin von Bludau, übergeben,
 die es im Rahmen des Kreistreffens
 in Pinneberg an den Neffen des gefallenen
 Karl Freiherr von Buddenbrock,
Friedrich-Wilhelm von Buddenbrock,
übergab.
So kam es nach mehr als 40 Jahren
wieder in die Familie derer von Buddenbrock,
 wo es einen ehrenvollen Platz einnehmen
 soll.
Erzählt von Ursula Voss geb. Möhrke,
aus Forken-Bludau.
Aufgeschrieben von Erika Wetzel.

Rückgabe des Gesangbuches an Herrn von
Buddenbrock. Foto: Edith HUImann

Eine kleine Episode am Rande: Während
 des Kreistreffens machte es Frau
Wetzel einige Mühe, einen „Fotografen“
für den Schnappschuss mit Herrn von
Buddenbrock zu finden. Niemand der
Angesprochenen hatte einen Fotoapparat
 dabei. Schließlich fand sich Frau
Hillmann aus Neu Wulmsdorf dazu bereit
 - die beiden Damen hatten sich vorher
noch nie gesehen. Die Überraschung war
groß, als bei der Übersendung des Bildes
 beide feststellten, dass sie gemeinsame
 Ur- Ur-Großeltem mit Namen Röttger
haben. Zufälle gibt’s! 71