Full text : Unser Schönes Samland

zurückblicken. Mitunter möchte er die
Stafette weitergeben; ein zehnjähriger
Kampf mit den Behörden reibt auf. Aber
als Germanist und hauseigener Dolmetscher
 ist er für den deutschen Verein zur
Erhaltung der Kirche unentbehrlich, verfügt
 er doch auch über die größte
Sachkompetenz. In Heiligenwalde verläuft
 die Zusammenarbeit zwischen Deutschen
 und Russen genauso gut wie in
Waldau; in zehn Jahren hat sich eine
Freundschaft mit familiärer Prägung entwickelt.


Der Ausspruch unserer russischen Reiseleiterin
 Nadja: „So begabte Menschen
leben in dieser Gegend!“, bezog sich
allerdings nicht auf die Leistungen von
Georg Artemjew für die Kirche. Georg
Artemjew ist Schriftsteller. Seine erste
Novelle „Susannenthal“, erschienen im
Verlag Heiligenwalde, verarbeitet eine
alte deutsche Sage zu einer spannenden
Liebesgeschichte um 1600. Eine weitere
Erzählung, „Der große Jäger“, spielt im
hohen Norden, wo Georg Artemjew, der
aus Sibirien stammt und seit 14 Jahren
im Königsberger Gebiet lebt, eine Zeitlang
 als Journalist tätig war. Eine interessierte
 Leserschaft wartet bereits auf
seine nächsten Veröffentlichungen.

Und noch eine Künstlerpersönlichkeit hat
Waldau zu bieten. Valentina Barinowa
malt ohne es je gelernt zu haben. Ihre
natürliche Begabung entdeckte sie, als das
Ehepaar Barinow im Norden lebte und
die langen Nächte ausgefüllt werden
mussten. Nun kann sie ganze Ausstellungen
 mit ihren kunstvoll bemalten Dosen,
Tellern und Figuren bestücken, die natürlich
 auch beliebte Andenken bei den
Touristen sind. Auch ihre Bilder finden

Anklang.
Eine besondere Kunst im Hause Barinow
 darf nicht unerwähnt bleiben. Es ist
die Kunst der besonderen kulinarischen
Genüsse, die es in unseren Dörfern immer
gab und gibt. Barinows haben zwei Kühe,
und den Gästen werden selbstgemachte
Butter und selbstgemachter Käse angeboten.
 Dass Butter und Käse aus der
Milch von Kühen, die das Gras der Pregelwiesen
 gefressen haben, am besten
schmeckt, ist natürlich keine Frage.

Bärbel Beutner
(früh. Heiligenwalde)
Käthe-Kollwitz-Ring 24
59423 Unna

Förderverein „Rat und Tat" arbeitet

im Qebiet Kaliningrad / Königsberg

Der

Verein „Rat und Tat Kaliningrad“
wurde auf privatrechtlicher Basis
von evangelischen Christen im November
 2001 gegründet. Er ist kein kirchlicher
 Verein, arbeitet aber eng mit den Gemeinden
 der Propstei Kaliningrad der
Evangelisch-Lutherischen Kirche in

Russland und anderen Staaten (ELKRAS)
zusammen. Die Mitglieder sind zu über
90 % russlanddeutsche Aussiedler und
deren Ehegatten. Grundlage des Vereins
ist biblisch begründete Ethik. Darum
wird er versuchen, einen Umdenkungsprozess
 bei seinen Mitgliedern einzulei-60



Landwirtschaft im heutigen Nordostpreußen Foto. priv.

ten. Der Verein wurde am 03.01.02
nach russischem Vereinsrecht in
Kaliningrad / Königsberg registriert.
Am 16. März diesen Jahres wurden
in einer Mitgliederversammlung unter
 Beteiligung von Pastor Scherlies
 und dem landwirtschaftlichen
Berater Wilhelm Ehlerding die vordringlichsten
 Aufgaben beraten und
Projekte entwickelt. Die ersten Seminare
 fanden im Juli in Gusew/
Gumbinnen und in Kaliningrad/Königsberg
 statt. Die ersten Ausbildungskurse
 werden im Herbst dieses
 Jahres in Zusammenarbeit mit dem
Deutsch-Russischen Haus beginnen.
Der Vereinsgründung liegen die 10-jährigen
 Erfahrungen mit humanitärer Hilfe
 in dem Gebiet zugrunde. Die durch
deutsche Hilfsvereine geschenkweise eingeführten
 beträchtlichen Mittel haben
nicht das erreicht, was sie bewirken sollten.
 Darum sieht der Verein seine Hauptaufgabe
 in der „Hilfe zur Selbsthilfe“,
indem er privatwirtschaftliches Denken
fördert, Schulungen in Seminaren und
Kursen zur Aus- und Weiterbildung, vor
allem in Landwirtschaft und Handwerk
durchführt. Zusammenarbeit mit dem
Deutsch-Russischen Haus wird angestrebt.
 Der Verein arbeitet zusammen mit
dem Deutschen Verein „Initiative e. V.“ ,
der ehrenamtlich arbeitende Fachkräfte
als Referenten entsendet und auch deren
Reisekosten trägt!
Zweiter Aufgabenbereich ist der Aufbau
 einer Kreditgesellschaft. Da der Verein
 über keine Eigenmittel verfügt, sie
in nächster Zeit auch nicht erwerben
kann, ist er auf Zusammenarbeit mit
deutschen Partnerorganisationen und
Sponsoren aus dem staatlichen, kirchlichen
 oder privaten Bereich angewiesen.

Die Vergabe von Krediten zur Beschaffung
 von Technik und dem Aufbau eigenständiger
 Kleinbetriebe ist unbedingt
nötig, da die Mitglieder weder über Eigenmittel
 noch landwirtschaftliche Technik
 verfügen.
Drittes Ziel ist die Schaffung eines Vermarktungsringes.


Hauptziele des Vereins sind:

• Deutschen Hilfsorganisationen zuverlässiger
 Ansprechpartner zu sein, der
keine eigennützigen Ziele verfolgt;
• die sehr bedrückenden Lebensverhältnisse,
 besonders der Landbevölkerung
 im Rahmen der bestehenden Möglichkeiten
 zu verbessern; und
• den Umsiedlern aus Mittelasien, vor
allem Russlanddeutschen, Perspektiven
zu eröffnen, die es ihnen ermöglichen,
in ihrer neuen Heimat zu bleiben.

Alfred Scherlies, Pastor i.R.
Herderstraße 3
34246 Vellmar
Tel.: 0561 - 824 830 61