Metadata : Unser Schönes Samland

restauriert hatten. Überhaupt haben die
Polen auf diesem Gebiet und ebenso auf
dem Gebiet der Bewirtschaftung der
Wälder und Felder den Russen vieles
voraus, wohl wissend, dass diese Tatsache
 dem Tourismus dienlich ist. Man
kann es kaum glauben, man muss es einfach
 gesehen haben.
Am 17.7. war eine Schiff-Fahrt vorgesehen.
 Wir fuhren mit dem Bus über
Arys und Johannisburg - hier gab es einen
 Kurzaufenthalt am Marktplatz mit
dem schönen Rathaus - nach Rudcanny
am Niedersee. Ein kleiner Ausflugsdampfer
 passierte den Niedersee und
brachte uns über den Spirdingsee nach
Nikolaiken, dessen Wahrzeichen der
„Stinthengst“ ist. Unterwegs begegneten
 uns viele Ausflugsdampfer, Segelund
 Motorboote. Man winkte sich fröhlich
 zu, es war ein reges Treiben auf dem
Wasser. In Nikolaiken stärkte uns ein
wohlschmeckendes Fischessen unter freiem
 Himmel für unsere weiteren Unternehmungen
 am Nachmittag.
Über Sensburg, Rastenburg, Lötzen,
Arys ging es zurück nach Lyck, nicht
ohne uns die am Wege liegende wunderschöne
 Barockkirche „Heiligenlinde“
angesehen zu haben und dort einem Orgelkonzert
 zu lauschen. Das Konzert war
insofern etwas Besonderes, als die an der
Orgel angebrachten Figuren beweglich
waren und zu der Orgelmusik entsprechende
 Bewegungen macht. Man kam

aus dem Erstaunen nicht heraus und
wusste gar nicht, wo man zuerst hinsehen
 sollte .
Der 18. Juli war unser Abreisetag. Eine
schöne, harmonische Reise ging dem
Ende zu. Vor dem Einschlafen gingen
unsere Gedanken noch einmal zurück zu
all dem, was wir auf unserer Reise gemeinsam
 erlebt und gesehen haben. Der
Königsberger Dom stand noch einmal
plastisch vor uns, unsere Heimatdörfer
Bärwalde und Jesau bewegten unser Gemüt
 und im Traum sahen wir noch
einmal die vielen verträumten Seen, die
dunklen, verwunschenen Tannenwälder,
die bizarren Straßen-Alleen mit den vielen,
 verschiedenen Baumarten und immer
und immer wieder die hunderte von
Storchennestern, die jeden freistehenden
Mast und die Häuser in den Dörfern bevölkerten.
 Sie sind ein Zeichen dafür,
dass das Öko-System in Ostpreußen noch
in Ordnung ist und wir wollen hoffen,
dass es noch lange so bleibt.
Wir sind unserem Herrgott dankbar für
diese schönen, erlebnisreichen Tage, für
den Sonnenschein, der uns täglich begleitet
 hat und dafür, dass er uns alle gesund
und unversehrt nach Hause gebracht hat.

Ursula Growitz
Auf dem Freibogen 1
53127 Bonn
Tel.: 0228 - 253 223

Ostpreußen im Internet -

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Immer wieder Heimweh

Schon

des öfteren habe ich mich gefragt,
 wieso ich immer wieder Heimweh
 nach der Heimat habe! Als vor zwei
Jahren die letzten Russen gestorben sind,
die ich noch von 1947 kannte, stand es
für mich fest, daß ich nicht mehr dorthin
fahren würde. Zumal ja auch die direkte
Zugverbindung eingestellt wurde, die ich
als sehr angenehm empfunden hatte.
Aber als mich im Frühjahr eine gute
Bekannte, die aus Königsberg stammt,
anrief, dass ich sie nach Hause begleiten
solle, da war es wieder da und ich meldete
 mich bei Ostreisen an. Die Fahrt mit
dem Bus war gut organisiert mit einer
Übernachtung in Polen. Von Königsberg
aus wurde ich von einem deutsch sprechenden
 Russen, der zwei Jahre in Rostock
bei der Marine gedient hatte, mit einem
Mercedes nach Rauschen gefahren. Im
Hotel „Alter Doktor“ wurde ich bereits
von der Dolmetscherin sowie von meiner
 Bekannten aus Königsberg erwartet.
Das Hotel hat mir sofort gut gefallen,
ebenso das Zimmer - für russische Verhältnisse
 recht fortschrittlich. Später am
Abend lernte ich den Rest meiner Gruppe
 kennen: Zwei Ehepaare, die mit dem
Flugzeug angereist waren. Ein Ehepaar
war sogar aus Südafrika gekommen, um
die Heimat ihrer Vorfahren kennenzulernen
 und auf Spurensuche zu gehen.
Und nur durch Erzählungen und Beschreibungen
 der Eltern und Großeltern
sind sie fündig geworden. Beim Abendessen
 dann wurden die Erlebnisse ausgetauscht.
 Da sie zum ersten Mal dort waren,
 konnte ich so manchen Tipp geben.
Worüber ich häufig sehr staunte, war,
wie aufgeschlossen die jungen Russen gegenüber
 unserer Vergangenheit geworden
sind. Denn immer wieder wurde ich gefragt,
 wo ich russisch gelernt hätte. Nachdem

 sie erfahren hatten, wie ich Flucht
und Krieg erlebt und dann fast drei Jahre
 mit ihren Leuten gelebt hatte, wurde
ich gefragt und gefragt!
Ja, ich kann wohl sagen, daß ich trotz
Regen, Blitz und Donner eine sehr schöne,
 erholsame Woche in der Heimat verbracht
 habe. Vor allem konnte ich Kindheitserinnerungen
 aufleben lassen. Denn
meine Mutter fuhr damals am Wochenende
 oft mit uns nach Rauschen-Ort.
In unserem Hotel gab es einen Masseur,
 der meine angeschlagene Wirbelsäule
 ganz schön zurecht gerückt hat.
Auch hier wurde ich angenehm überrascht.
 Denn auch dieser junge Mann,
zweiundzwanzig Jahre alt, wollte vieles
wissen, über den Krieg und den Russeneinmarsch
 und wie ich es erlebt hatte.
Inzwischen haben die jungen Russen
doch schon vieles erfahren und können
es nicht so ganz verstehen. Ich wurde
auch oft gefragt, warum wir damals weggegangen
 sind, wir konnten doch zusammen
 dort leben!
Ja, als ich mich verabschiedete, fragten
 mich die jungen Menschen, ob ich
zurück kommen werde? Als ich meinte:
„Vielleicht im nächsten Jahr“, waren sie
damit aber nicht einverstanden. Nein, ich
sollte ganz zurück kommen und mit ihnen
 dort zusammen leben!
Dass ich sprachlos war, kann man sich
wohl vorstellen. Obwohl mir eine Lehrerin
 aus Pobethen schon vor Jahren dieses
 Angebot gemacht hatte. Aber was
mich dann am Morgen der Abreise sehr
berührt hat, war, als eine der Putzhilfen
zu mir ins Zimmer kam und mir eine
Plastiktüte überreichte.
Sie hatte gesehen, dass ich Blumen liebe
 und so hatte sie von ihren Fedemelken
 im Garten etwas abgestochen, was