Immer geliebte Heimat
Wenn
es auf Weihnachten zuging,
wurde für uns Kinder die Welt wie
verzaubert. Alles war anders, ob im Haus,
Hof oder Stall. Überall stieß man auf
Heimlichkeiten. Da wurde oft blitzschnell
eine Schublade zugemacht, eine Schranktür
geschlossen oder etwas Knisterndes
auf den Schrank gelegt. Es roch nach
Mandeln, Gebackenem, Gewürzen. Abends
hatten die Großen noch Fondants oder
anderes Naschwerk gemacht. Das Marzipan
lag unter weißem Papier in einem
Karton. Ein paar Bröckelchen oder Runtergefallenes
kriegten wir am nächsten
Tag zum Schmengern.
Wir mussten auch viel öfter als sonst
zur Großmutter gehen, was wir ohnehin
nicht ungern taten. Sie hatte keine große
Mühe uns zu bändigen, denn sie verwies
nur, sie drohte keineswegs, auf den Weihnachtsmann
und fragte so nebenbei, wie
denn jene Klopperei unter den Jungens
oder das Malheur in der Schule ausgegangen
war. Dann mussten wir alle noch
mal unser Weihnachtsgedicht aufsagen
und lernten unter ihrer strengen Aufsicht
einen tiefen Diener oder einen Knicks zu
machen, das gehörte nämlich zum Aufsagen
eines Gedichts. Dann übten wir
noch die alten Weihnachtslieder wie: „Der
Christbaum ist der schönste Baum“ und
„Am Weihnachtsbaum die Lichter brennen“,
wobei wir uns heimlich hinter dem
Rücken ein bisschen knufften und kitzelten.
Wenn es dann noch draußen schneite,
die Flocken so schön sacht krieselten, sich
auf den großen Holzkegel, die Pumpe,
auf die Dächer und Zäune legte, dass sie
so richtig rund und gemütlich aussahen,
dann konnte die Erwartung bis zum Heiligen
Abend übergroß werden. Aber wie
gesagt, ein bisschen flau war einem jeden
doch zu Mute. War ich denn auch
artig genug? Werde ich den doppelten
Holzgriffelkasten, das Ledermäppchen,
die Puppe, die Ritterburg oder die Eisenbahn
bekommen? So reichlich ging
es ja meistens gar nicht zu, aber wir verstanden
uns auch über Kleinigkeiten zu
freuen. Und der Bunte Teller entschädigte
auch für vieles.
Ja, auch unsere Häuser wussten viel zu
erzählen, von den vielen Menschen, die
schon durch diese Türen gegangen waren.
Wenn Gretelchen daran dachte, dass
auch schon der Opa vor 70 Jahren so
verschüchtert wie ihr Bruder Klaus jetzt
auf dem Sofa gesessen war, dass Onkel
Paul und Tante Mia als kleine Bonskes
und Marjellchen ängstlich ihr Gedicht
aufgesagt hatten .... , dann stärkte dies
ein wenig das Selbstbewusstsein.
Nun ist so viel Zeit vergangen, unsere
Heimat in fremder Hand, unsere Häuser
fort, verloren oder verlebt. Die Mauern
sind brüchig, die Fenster oft blind, die
Türklinken werden von fremden Menschen
geöffnet. Vielleicht gibt es aber
auch trotzdem auch dort Kinder, die mit
heißen Herzen und Händen Wünsche,
Sorgen und Nöte haben und unser Haus,
falls noch vorhanden, gibt ihnen Wärme
und nimmt ihnen das Gefühl der Angst.
Ach, was war es doch immer so schön
graurig, wenn wir im Dunkeln noch mal
aufs „Häuschen“ mussten oder noch mal
ein oder zwei Kloben Holz zum Nachlegen
gebraucht wurden. Da rieselte es vor
lauter Angst so schön kribblig den Rücken
runter. Aber Angst, aber i wo nein
doch, Angst hatten wir nicht ... Wovor
auch, v’leicht vor Gespenstern, dem
Buscherbaubau oder dem Mann, der seinen
Kopf unterm Arm trug? Wir lebten
diese Grusligkeit aber auch mehr oder
weniger ein bisschen aus!
Wenn wir heute, und ganz
besonders zur Weihnachtszeit, an
zu Hause denken, dann tun wir
dies immer in seiner Ganzheit. Wir
sehen alles so wie es einmal war,
bis ins kleinste Detail können wir
uns hineinversenken. Woran sollten
wir uns aber auch sonst halten
können? Es ist schön, dass uns diese
Gabe geblieben ist.
Ich wünsche allen von Herzen ein
gesundes Weihnachtsfest mit innerem
und äußerem Frieden,
auch in der Welt.
Eure
Eva Pultke-Sradnik
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Leserbriefe
Spende von der Landsmannschaft Ostpreußen
an einen Samländer. Nach einem
Besuch einer Waldauer Gruppe in Willkühnen
und anschließendem Hilferuf im
Samlandbrief wurde ich auf das schwere
Schicksal von Richard Bendix aufmerksam.
Er ist ein in der Heimat Verbliebener,
der alle Ausweisungen verpasst hat. Er lebt
in einer ärmlichen Behausung in der Garage
auf dem ehemaligen Gut des Grafen
Dohna Willkühnen. Erst kürzlich hat man
Herrn Bendix noch einen Unterschenkel
amputiert.
Meine Bemühungen bei der LO haben nun 77