Vor dieser Zeit machte die geringe
Tiefe des Frischen Haffs den Königsberger
Hafen für tiefergehende Schiffe
unerreichbar. In Pillau hatte sich deshalb
eine Bordingschiffahrt entwickelt:
die Fracht wurde in Pillau von den seegehenden
Schiffen auf kleine Schiffe,
die Bordinge, umgeladen. 1647 schlossen
sich die Bordingreeder zu einer
Zunft zusammen, in der jeder seine
Nahrung haben und das Gleiche verdienen
sollte. Diese Ordnung behinderte
die Fortentwicklung. Seeschiffe,
die ihre Fracht nach Königsberg befördert
haben wollten, konnten sich nicht
die für sie geeigneten Bordingschiffe
aussuchen, sondern mußten die
Bordinge nehmen, die ihnen von der
Zunft zugeteilt wurden. Oft mußten sie
wochenlang warten, bis sie ihre Fracht
los wurden. Dieser Zustand war einer
Aufwärtsentwicklung des Königsberger
Hafens im Wege. Für Pillau
brachte die lange Liegezeit der
Seeschiffe Geld und Wohlstand.
Versuche des Großen Kurfürsten
diese Privilegien einzuschränken
schlugen fehl. Der Kneiphöfische
Ratsherr Lorenz Göbel, ein Kaufmann
und auch kurfürstlicher Kommissar
für Schiffahrt und Kommerzien,
ließ 1682 einen Treidelpfad
auf dem rechten Pregelufer anlegen
und die Fahrrinne im Haff auf 12 Fuß
(ca. 4 m) ausbaggern. So konnten vollbeladene
Schiffe nach Königsberg gelangen.
Die Bordingschiffer sahen
darin einen Angriff auf ihre Pilvilegien
und erreichten, daß diese Fahrrinne
nicht unterhalten wurde und allmählich
versandete. Diese vertiefte
Fahrrinne war der Vorgänger für den
rund 200 Jahre später begonnenen
Königsberger Seekanal.
Um 1826 kündete der erste
Haffdampfer „Kopernikus“ den Beginn
des technischen Zeitalters an.
Aber immer noch wurden die Waren
in Pillau auf Leichter umgeladen: diese
wurden dann nach Königsberg getreidelt,
gesegelt und später auch geschleppt.
In den 70er Jahren des 19.
Jahrhunderts wurden etwa 70 Leichterfahrten
im Jahr durchgeführt. Im
Winter mußten - bei zugefrorenem
Haff - die Waren auf Schlitten umgeladen
werden und in Kolonnen ging es
auf mit Bäumen abgesteckten Wegen
über das Eis nach Königsberg. Die
Eisenbahn von Pillau nach Königsberg
wurde erst 1865 fertiggestellt.
Der Königsberger Seekanal
Nur eine ausgebaute Wasserstraße
konnte eine grundlegende Verbesserung
für Königsberg bringen. Deshalb
baute man von 1889 bis 1901 den
Seekanal. In diesen zwölf Jahren schuf
man ein Fahrwasser von 6,1 m Tiefe
mit einer Sohlenbreite von 30 Metern.
Zwischen Peyse und Kamstigall betrug
die Sohlenbreite 75 m. Drei Ausweichstellen
bei Wehrdamm, Gr. Heidekrug
und Peyse erlaubten Schiffsbegegnungen.
Die Länge des Seekanals bis
zur Pregelmündung betrug rund 33
km.Der Seekanal verlief in Küstennahe
vom Seetief, vorbei an der Kamstigaller
Spitze, grenzte die Fischhausener
Wiek vom Haff ab und führte
dann vorbei an Peyse, Zimmerbude
und Groß Heidekrug zur
Pregelmündung bei Wehrdamm. Nach
Süden zum Haff hin befand sich ein
mit Bäumen und Sträuchern bewachsener
Steindamm. Für die Fischer der
samländischen Orte gab es in dem
Damm mehrere Durchlässe.
Der Durchlaß bei der Fischhausener
Wiek war besonders groß
damit die Fische zu ihren Laichplätzen
gelangen konnten und die Strömung
zwischen den beiden Wasserflächen
nicht zu stark wurde und die Schiffahrt
nicht behinderte.
(aus: Merkbuch v. d. Preuß. Wasserstraßen)
Der Kanal bot den Häfen in
(amstigal, Peyse, Zimmerbude und
Groß Heidekrug eine Einfahrt. Bei
Vlarschenen und Pokaiten gab es
,andungsbrücken. Wie bei Paul
Gusovius in dem Buch: „Der
Landkreis Samland“ nachzulesen, war
bei Peyse ein größerer Hafen geplant,
zu dem bereits 1940 ein Eisenbahnanschluß
gebaut wurde. Die Einfahrten
zum Kanal und die Durchlässe
für die Fischer waren durch zahlreiche
Leuchtbaken gesichert. In Peyse und
Groß Heidekrug gab es Signalwärter-Stationen.
Das Baggergut wurde auf der
Haffseite des Steindammes abgelagert.
Dort befand sich mit Abstand auch die
„Alte Fahrrinne“ aus früherer Zeit.
Dieses etwa 4 m tiefe Fahrwasser
wurde von der Kleinschiffahrt benutzt,
denn es wurden dort keine Gebühren
für die Benutzung erhoben.
Die Baukosten des Seekanals betrugen
7,3 Millionen Mark, von denen
die Königsberger Kaufmannschaft 2
Millionen aufbrachte. Die Königsberger
Kaufmannschaft sorgte mit dem
Bereithalten von Eisbrechern für die
Aufrechterhaltung des Verkehrs in den
harten ostpreußischen Wintern. Ferner
waren ständige Unterhaltskosten
für das Ausbaggern versandeter
Stellen im Kanal erforderlich.
Die Größe der Schiffe nahm kurz
vor dem Ersten Weltkrieg zu, so daß
die Ausmaße des Seekanals nicht
mehr ausreichten. Eine Erweiterung
wurde notwendig. Bis 1928 wurde der
Kanal auf 8 m Tiefe gebracht; die
Sohle des Fahrwassers war nun 47,5 m
breit. Nur ganz große Schiffe waren
nun noch auf die Ausweichstellen angewiesen.
In dieser Form reichte der
Querschnitt des Seekanal bis 1945.
Für Pillau brachte der Kanal große
Einbußen, führte doch nun der
Seeverkehr an der Stadt vorbei.
Der Seekanal wird heute von der
Verwaltung des Oblast Kaliningrad
und der russischen Baltischen Flotte
unterhalten. Königsberg (= Kaliningrad)
ist für die GUS ein wichtiger
Hafen, sowohl für die Fischerei wie
auch für das Militär. Pillau (= Baltisk) 12