Full text : Unser Schönes Samland

Innenansicht der Kirche (Sammi. Klemm)

Ungefug“ und es
lag eine Agende in
grünem Samt mit
Silberbeschlag, in
den eingraviert
war: C.F. Legien.
Pokalkstein d. 5.
October Anno
1781. Renovatum
1806“.
Ferner besaß
die Kirche zwei
silberne vergoldete
 Kelche mit
Gravur. Sie lautete
 beim ersten:
„Dorothea Ruptzaum
 Ao 1687“,

Das Innere der Kirchen hatte eine einfache
 Einrichtung mit ein paar sehr schönen
 Details und Gegenständen. Der Altaraufsatz
 stammte aus dem Jahre 1684. In
seiner Mitte befand sich ein kunstgeschichtlich
 sehr interessantes Holzrelief
mit dem Gekreuzigten, daneben Maria
und Johannes und darüber GottVater. Im
Hintergrund war eine schön und reich
geschnitzte Stadt mit Burg zu sehen. Es
wurde vermutet, dass das Nürnberg sei.
Die Flügeltüren sind später mit je zwei
Darstellungen, u. a. die Anbetung der
Hirten und der Weisen aus dem Morgenland,
 übermalt worden. Auf dem Holz
der Pedrella befindet sich ein Ölgemälde
 des Abendmahls von dem Königsberger
 Hofmaler Crispin Herranth, der
angeblich ein Schüler Dürers gewesen

sein soll.
Auf dem Altar standen zwei schwere
Leuchter aus Messing, ein silberner Kelch
von 1578 mit reicher Verzierung und der
Inschrift u.a. „Ao 1696 Past. Joh.

Der Altaraufsatz mit dem Holzrelief
(aus: Boetticher, Bau- und Kunstdenkmäler)

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dazu eine Patene mit der Gravur „Maria
Dornemann 1681“, und beim zweiten
„Jhesus. 1696“, sowie ein silbernes
Löffelchen mit einer aufgesetzten
Apostelfigur aus dem 17. Jh.
Die Kanzel geht auf das Jahr 1575 zurück.
 Die einzelnen Felder zeigten sehr
schön gemalte Evangelisten. Unter dem
geschnitzten Schalldeckel mit einem
Pinienzapfen-Aufsatz befand sich die
Inschrift: „Sebastianus Pygargus / Pfarrherr
 Ao 1575 / Fridrich Lengnick /
Steffen Säger /Brosge Klausgalw (ein
Nachfahre des Erbauers der Kirche) /
Casper Mosick M. B.“. Ein früher an der
Kanzel angebrachtes Bildnis von Christus
 wurde bei der Renovierung 1906
oberhalb des Altaraufsatzes montiert.

Die Kirche hatte ein Holzgestühl mit
durch Namensschilder reservierten Plätzen.
 Die Orgel wurde 1865 von der Firma
 Scherweit in Königsberg erbaut. Im
Turm befanden sich eine größere und eine
kleinere Glocke, gegossen 1753 und
17964. In der Glockeninschrift sind wohl
der jeweilige Kirchenvorstand oder die
Spender verewigt. Alfred Matthae nennt
für die größere Glocke den Text: „Durch
meinen Thon und Klang ruf ich den Menschen
 zu: Kommt, hört aus Gottes Worth
der Seelen Heyl und Ruh! 1753 - Grünmüller,
 Pfarrer; Rösnick, Kobber, Jacob
Sachrau“. Die kleinere Glocke hatte die
Inschrift: „Gieb Gott, dass jeder Glockenschlag
 die Welt zur Buß erwecken
mag“, Kirchenrat: Pfarrer Blindow, F.
Richau, H. Wenk, H. Hoppe, A. Böhm,
Organist Kukowski.

In den genannten Inschriften finden
wir noch einige heute bekannte Namen
und wir können auch die Namen einiger

Pfarrer finden. Der erste evangelische
Pfarrer zu St. Lorenz war 1538 N.
Caspar. 1575 nennt die Inschrift der Kanzel
 Sebastianus Pygargus. 1753 war es
Pfarrer Grünmüller, 1796 Pfarrer
Blindow. Nach 1800 wirkte hier Pfarrer
Gerber, der ein geschätzter Dichter und

Kantor Matthae mit Kindern an der Orgel

(Archiv Rauschen)

Schriftsteller war, sowie um 1840 Dr.
Carl Gebauer, Sohn des Wamickers Oberförsters,
 dessen Buch „Kunde vom Samland“
 ein interessantes Werk ist. Ab dem
letzten Jh. werden genannt: 1891-1906
Pf. August W. H. Hartung, 1906-1933
Pf. Georg E. J. Manteufel, 1933-1943
Pf. Gerhard Siebert und bis 1945 Pf.
Emst Payk. Der unserer Generation bekannte
 Pfarrer Siebert wurde zum Militär
 eingezogen und ist gefallen.