Für Polen war der Erste Weltkrieg ein Jahrhundertgeschenk.
Das erste Mal seit der Ersten Polnischen Teilung waren alle
drei Teilungsmächte in einen großen Krieg verwickelt und gehörten
alle drei zu den Verlierermächten. Damit war die
Chance eines Wiedererstehen Polens gegeben. Bereits während
des Krieges hatte die deutsche Strategie die Polen mit in
ihr Konzept einbezogen. Mit der Ausrufung eines polnischen
Staates, der mithelfen sollte, die Russen zu besiegen, die ja
den größten Teil des alten Polen erhalten hatten, hatten die
Polen erstmals seit der Ära Napoleon einen eigenen Staat,
wenn auch in Abhängigkeit der anderen Teilungsmächte. Das
diese Strategie angesichts der deutschen Niederlage nach hinten
los ging, war abzusehen, wenn die Strategen eine Niederlage
in ihr Kalkül einbezogen hätten.
Mit Unterstützung der Siegermächte erhoben sich im Dezember
1918 die „deutschen“ Polen in der Provinz Posen. Die
Folge war der sogenannte Großpolnische Aufstand. Man
wollte polnischerseits noch vor Abschluß eines Friedensvertrages
Fakten schaffen. Das angesteuerte Ziel war die Erreichung
der Oder, was den schlecht ausgerüsteten polnischen
Milizen aber nicht gelang. Der immerhin doch beachtliche
Erfolg des Aufstandes beruht aber nur auf zwei Aspekten: zum
einen war die Reichsregierung in Berlin selber durch Aufstände
zeitweise regierungsunfähig, als man dann aber einen
Grenzschutz aus erfahrenen, gut ausgerüsteten Frontsoldaten
schuf, hatten die Polen keine Chance mehr. Hier griffen nun
die Alliierten ein, vornehmlich die Franzosen, die drohten den
Krieg fortzufuhren, wenn man die Grenztruppen nicht augenblicklich
auf den Status Quo zurückziehen werde. Der
deutschen Reichsregierung blieb nichts anderes übrig, als den
Rückzug zu befehlen. In jener kurzen Phase wurde aber immerhin
der Restkreis Bomst und einige nördlich anschließende
Gebiete zurückerobert. 23