Full text : Unser Schönes Samland

den Armen und ließen ihren Freudentränen
 freien Lauf.

Sehr gut vertreten war wieder die Region
 Schleswig-Holstein. Bei den kurzen
 Anreise eigentlich eine Selbstverständlichkeit.
 Erfreulich für mich, dass
wir in unseren Reihen acht Teilnehmer
hatten, die das erste Mal an unserem Treffen
 teilgenommen haben und aus Berlin,
Dortmund, Hamburg, Lippstadt und
Sprötze angereist von unserem Heimattreffen
 ganz begeistert waren.

Mit dem von Munin Brust angestimmten
 und von uns gemeinsam gesungenen
Lied „Fünf wilde Schwäne“(Chorsatz:
Herbert Brust) wurden wir musikalisch
eingestimmt. Mit einem weiteren Lied
von Munins Vater Herbert Brust (Titel
„Wandersmann“) feierten wir eine gewagte,
 aber gelungene Premiere.
Nach meiner Rückschau auf das verflossene
 Jahr, meinem „Tätigkeitsbericht“
und einigen wichtigen Informationen zu
aktuellen Tagesfragen haben sich die
erstmals an unserem Treffen teilnehmenden
 Neukuhrener vorgestellt. „Erlebnisberichte“
 aus Neukuhren gab es diesmal
leider nicht (es fehlte Günther Block).
Nach einer kurzen Mittagspause erlebten
 wir eine weitere Überraschung. Aus
Pinneberg waren Monika Ziegler
(Schatzmeisterin im Kreisvorstand und
verantwortlich für die Schriftleitung des
Heimatbriefes „Unser schönes Samland“)
und Ursula Albers, Geschäftsführerin der
Kreisgemeinschaft Fischhausen, zu unserem
 Ortstreffen gekommen. Sie konnten
 sich einmal über die Arbeit an der
„Basis“ informieren. Auch eine ideale
Gelegenheit zum gegenseitigen Kennenlemen!
 In ihrem Beisein wurde dann ein

Videofilm über eine Fahrt zu den Ostseebädem
 gezeigt.

Der weitere Nachmittag unseres Ortstreffens
 stand mehr oder weniger zur freien
 Verfügung und wurde zu Gesprächen
und dem Austausch von Erinnerungen
sowie dem Studium mitgebrachter Fotoalben
 und alter Bildern genutzt. Viel
zu schnell verging am Sonnabend die
Zeit.

Unsere „Tagesbesucher“ bereiteten sich
auf die Abreise vor, während die Zurückgebliebenen
 wie üblich einen schönen
Abend in gemütlicher Runde verbrachten,
 der erneut erst gegen Mitternacht endete.
 Am Sonntag mussten wir dann nach
dem gemeinsamen Frühstück nach drei
schönen Tagen endgültig Abschied nehmen
 und freuen uns schon jetzt auf das
15. Ortstreffen Neukuhren, das im kommenden
 Jahr am Sonnabend, den 23.
April wiederum im „Köhn's Hotel in
Timmendorfer Strand stattfindet.
Vorher steht jedoch eine Busreise nach
Rauschen, Neukuhren und Königsberg
auf dem Programm. Vom 16. bis 23.
August 2006 fahren meine Frau und ich
nach Rauschen und beziehen dort im
Hotel „Baltika“ Quartier. Über unsere Erlebnisse
 bei dem Besuch in unserer verlorenen
 Heimat werde ich in der 172.
Folge dieses Heimatbriefes berichten.
Auf ein gesundes Wiedersehen mit Ihnen
 allen im Jahre 2007 freut sich

Ihr Ortsvertreter
Dieter Weiß
Breite Lieth 6
27442 Gnarrenburg-Brillit
Tel. und Fax-Nr. 04763 / 7275

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Ein Wiedersehen mit Cranz nach 61 Jahren

Ihr
neues Einfamilienhaus in Cranz hatten
 meine Eltern im September 1936
bezogen. Es befand sich auf der Alten
Heerstraße, trug die Hausnummer 22 und
war nur wenige 100 m vom westlichen
Ende der Strandpromenade entfernt, (s.
Foto S. 48 unten) Wenn ich mich recht
erinnere, stand das Haus damals noch am
Stadtrand ganz in der Nähe einer alten
Windmühle, die mich als Kind besonders
beeindruckte.
Mein Vater, Dr. Werner Pankow, übte
zu dieser Zeit noch seinen eigentlichen
Beruf als Zahnarzt in Cranz aus. Seine
Praxis befand sich in der Nähe des Bahnhofes
 im Obergeschoss eines stattlichen
Gebäudes mit zwei vorspringenden
Fachwerktürmen. Es müssen für meine
Eltern die schönsten Jahre ihres Lebens
gewesen sein, Noch herrschte Frieden
und Cranz stand als Perle der Badeorte
an Ostpreußens Ostseeküste in seiner vollen
 Blüte.
Im März 1940 erblickte ich dort als
dritte Tochter das Licht der Welt. Für
ein heranwachsendes Kleinkind wie
mich waren die Lebensbedingungen im
damaligen Cranz wie geschaffen, so
dass meine Erinnerungen bis in jene
Zeit der frühen 40er Jahre zurückreichen.
 So sehe ich mich noch heute
bei meist strahlender Sonne barfuß mit
meiner Mutter und meinen Schwestern
zum nahen Strand laufen und im weißen
 Sand am Ufer der anbrandenden
Ostsee spielen. Ein ganz besonderes Ereignis
 war es für mich, nach einem Spaziergang
 über die Strandpromenade Eis
essen zu gehen. Der Inhaber des Cafés
auf der Hauptpromenade in Ortsmitte
muss wohl Jockel oder so ähnlich geheißen
 haben, denn wenn wir wieder
einmal Lust auf ein Eis hatten, hieß es

bei uns nur: „Wollen wir wieder jockeln
gehen?“ Diesen köstlichen Geschmack der
Vanille-Eiscreme habe ich immer noch auf
der Zunge. Auch kann ich mich noch recht
gut daran erinnern, oft ganz allein die Tageszeitung
 an einem Kiosk neben einem
Milchgeschäft in der Nähe des Bahnhofes
 geholt zu haben.
Der auch auf den Osten Deutschlands
übergreifende 2. Weltkrieg sollte diese
Idylle jäh beenden. Als Reserveoffizier des
1. Weltkrieges war mein Vater schon 1939
reaktiviert und mit Beginn der leidigen
Offensiye in Russland 1941 von der Westan
 die Ostfront verlegt worden. Eine
zweite schwere Kriegsverletzung bewahrte
 ihn vor einem weiteren Fronteinsatz
und brachte ihn als Ausbilder an eine Offiziersschule
 in die Nähe von Prag.
Im August 1944, als die Truppen der
Sowjetarmee schon vor Memel standen
und sich Cranz mehr und mehr mit Flüchtlingen

 aus den umkämpften Gebieten füllte,
 entschloss sich meine Mutter, inzwischen
 erneut im 8. Monat schwanger, mit
ihren drei Kindern und dem, was gerade
in einen Kinderwagen hinein passte,
Hals über Kopf Haus und Heimat zu

Das Elternhaus 1943 Foto. priv. 47