Metadata : Unser Schönes Samland

reichte das Fest dann mit dem Auftritt
der „Gipsy-Kings“ seinen Höhepunkt.
Die Folge war natürlich eine sehr kurze
Nacht in unserem Hotel.

Am nächsten Morgen starteten wir
Richtung Nehrung. Mit der Fähre kurz
über die Memel (das Hafenbecken) und
schon waren wir in Smiltyne (Sandkrug),
dem Beginn der Nehrung. Da auch noch
das Wetter sich von seiner besten Seite
zeigte und wir mit kurzer Hose fahren
konnten, stieg unsere Stimmung ständig
an. Unterwegs staunten wir über einen
völlig weißen Wald, unzählige Kormorane
 waren hier zu Hause, ein Kormoran-Nationalpark.
 Gespenstisch sahen die
von Vogelkot abgestorbenen
 Bäume
 aus. Auf dem
weiteren Weg zu
unserem Tagesziel
Nidden kamen sie
dann: die höchsten
Wanderdünen Europas.
 Also die
Fahrräder abgestellt
 und los ging
die Wüstenwanderung
 und das Ersteigen
 der Dünen.
Wir hatten das Gefühl,
 in der Sahara
zu sein.
In Nidden fanden
 wir schnell das Hotel Skalva mit
guter Unterstellmöglichkeit für unsere
Räder und konnten nach einer Erfrischung
 den Ort erkunden, der uns insgesamt
 sehr beeindruckte. „Hier könnte
man auch mal mit der Familie einen Urlaub
 verbringen“, war unser gemeinsames
 Fazit nach der Ortsbesichtigung. An

diesem Abend ging es früh ins Bett, da I
wir am nächsten Tag unsere größte Tagesetappe
 mit ca. 70 Kilometern ins Samland
 vor uns hatten.
Am nächsten Morgen wurden noch kurz
unsere Wasservorräte in einem kleinen
Laden aufgefüllt - zu unserem Erstaunen
 gab es Mineralwasser aus Deutsch- I
land - und ab ging es zur Grenze, die
wir nach wenigen Kilometern erreichten. I
Auf litauischer Seite ein kurzer Blick in I
den Pass, auf russischer Seite einen Laufzettel
 ausfüllen und insgesamt 120 Litas
Eintritt für den Nationalpark Kurische
Nehrung bezahlen, nach 20 Minuten war
für uns die Grenze ohne irgendeine Gepäckkontrolle
 passiert. Wir waren erstaunt

und freuten uns über den Zeitgewinn, da
wir mit einem längeren Grenzaufenthalt
gerechnet hatten.
An Pilikoppen und Rossitten vorbei
ging es zügig nach Sarkau, das wir mittags
 erreichten. Die Straße war insgesamt
wenig befahren und vor dem einen oder
anderen Schlagloch warnten wir uns

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Auf dem Markt in Cranz kann man Obst und Gemüse kaufen, hier wird
auch ein Blumenstrauß für die Gastgeberin erstanden. Foto:priv.

rechtzeitig gegenseitig.
In Cranz angekommen
holten wir uns erst einmal
 Rubel an einem
Bankomat und fuhren
danach die Strandpromenade
 entlang. Im
Vergleich zu Litauen,
vor allem zu Nidden,
war das doch schon ein
sehr großer Unterschied.
 Eine tolle Küste,
 baulich und optisch
aber noch um vieles
einladender zu gestalten.

Am Bahnhof orientierten
 wir uns dann über unsere weitere
Fahrtstrecke nach Mülsen. Ich hatte mir
im Vorfeld eine Karte 1:50.000 (Stand
1936) besorgt, die uns jetzt gut weiterhalf.
 Völlig problemlos erreichten wir
Mülsen, wobei die Straßenqualität
allerdings immer schlechter wurde. Auf
dem Bauernhof wurden wir schon erwartet.
 Ich glaube, Besuch aus Deutschland
mit dem Fahrrad hatte man dort auch
noch nicht gehabt. Wie das so ist, mussten
 wir zunächst alles besichtigen. Erstaunlich,
 wie viele Tiere die Besitzerin
hatte, von der Kuh über Schweine bis
hin zu schlüpfenden Kücken im Wohnzimmer.
 Natürlich alles zur Selbstversorgung
 und zum Verkauf.
Da unsere Gastgeberin eine ausgezeichnete
 Köchin war, konnten wir uns
schon beim Abendessen von der Qualität
ihrer landwirtschaftlichen Produkte überzeugen.
 Es schmeckte alles sehr gut, vom
leckeren Brot über die Pfannkuchen, den
Fisch oder das Gulasch, mit der Folge,
dass wir alle doch ein wenig zugenommen
 haben.

Für den folgenden Tag stand die Fahrt
nach Königsberg mit einem Taxi auf
unserem Programm. Zunächst mussten
wir aber zur Polizei nach Cranz zur obligatorischen
 Anmeldung. Bei privaten
Übernachtungen muss man diese Anmeldung
 (Registrierung) persönlich erledigen.
 — Also warteten wir in einer seltsamen
 Schlange bei der Polizei. Nach fast
zwei Stunden schickte uns dann unsere
Gastgeberin, die zum Glück mitgekommen
 war, mit dem Taxi Richtung Königsberg
 und sagte uns, dass sie für uns weiter
 anstehen und die Registrierung vornehmen
 wolle. Hätte sie gewusst, dass
sie bis 15 Uhr nachmittags vergebens
warten musste, hätte sie sicherlich anders
entschieden.
Wir jedenfalls fuhren nach Königsberg,
 wo wir den Dom, das Bunkermuseum
 und das Bemsteinmuseum ausgiebig
 besichtigten. Besonders beeindruckte
 uns der riesige Markt, auf dem
wirklich alles zu kaufen war. Nach den
ruhigen letzten Tagen auf der Nehrung
und in Mülsen hat uns der enorme Ver- 61