Full text : Unser Schönes Samland

Kampf waren die Auseinandersetzungen
 mit
der russischen Seite, ob
der Dachstuhl in Stahl
oder Holz, wie es eine
denkmalgerechte Restaurierung
 erforderte,
ausgeführt werden sollte.
 Die russische Seite
bestand hartnäckig auf
der ihr seit Sowjetzeiten
 vertrauten Stahlkonstruktion,
 willigte
dann aber schließlich
Foto. pnv. ZUgUnsten jgj. Holzversion

 ein und überließ dem Kuratorium
 die Regie. Das nächste Problem ergab
 sich in Bezug auf die Balkenlänge.
Russische Sägewerke können nur Balken
bis zu 6 m schneiden. Es wurde jedoch
ein unter deutscher Leitung stehendes Sägewerk
 in Insterburg gefunden, das in
erfindungsreicher Bastelarbeit die Sägestraße
 erweiterte und damit Balken von
erforderlichen 11,40 m schneiden konnte.
 Da alle Voraussetzungen erst spät ge­Demontage

 des alten Dachstuhles

nämlich Reinhard Stillger, Klaus Wolf
und Carl Mückenberger, ist die Arbeit an
dem Projekt zugleich auch ein eindrucksvolles
 Bekenntnis zur Heimat.

Die Zeit nach 2003 wurde auch benötigt,
 um die finanziellen Mittel für die in
ihrem Umfang beachtliche Baumaßnahme
 zusammenzubekommen. Mit
Freude kann man feststellen, dass vielen
ein derartiges Kulturzeugnis so viel wert
ist, dass sie großzügig
spenden. Es soll ihnen
allen daher an dieser
Stelle herzlich gedankt
werden. Trotz aller
Versuche, die Schwierigkeiten
 auf dem Vorwege
 möglichst aus
dem Wege zu räumen,
tauchten doch erhebliche
 Hindernisse auf Es
begann damit, dass die
deutschen Baupläne
mit den russischen Normen
 abgestimmt werden
 mussten. Ein sich
lange hinziehender Vormontage des Dachstuhls vor der Kirche in Arnau

Foto: priv.

klärt werden konnten, erfolgte der Holzeinschlag
 nicht vor Oktober im Raum
Haselberg. Es erfüllt daher mit Freude,
dass der Dachstuhl gänzlich aus ostpreußischem
 Holz besteht.

Aber auch hier lief nicht alles ohne Probleme.
 Der Leiter
des Sägewerkes erlitt
 beim Verladen
der gewaltigen
Stämme im Wald
einen Unfall und
brach sich dabei
mehrere Rippen.
Weitere Probleme
türmten sich auf:
Aus Kostengründen
 wurden für
den Transport der
43 Paletten Dachpfannen
 von Süddeutschland
 nach
Amau zwei russische
 LKWs gewählt,
 die jedoch
mehrere Tage an der Grenze festgehalten
wurden, obgleich die Transportpapiere
in Ordnung waren. Als nächstes erkannten
 die Russen die deutsche Materialanalyse
 der Dachpfannen nicht an und
forderten ein von ihrer Seite aus erstelltes
 „Hygienezeugnis“ an. Während dieser
 Zeit lagerte die Sendung kostenpflichtig
 auf dem Königsberger Zollhof. Die
Nerven der Mitarbeiter des Kuratoriums
wurden so in dem gleichen Maße strapaziert
 wie die Kosten wuchsen. Ein großes
 Glück war es jedoch, dass das Kuratorium
 auf drei äußerst fähige Zimmerleute
 aus Deutschland zurückgreifen
konnte. Der Dachstuhl wurde in Insterburg
 vormontiert und mit einem Schwerlaster

 nach Amau zur Baustelle gebracht.
Inzwischen hatte die russische Firma damit
 begonnen, das alte Notdach abzutragen.
 Glücklicherweise spielte das Wetter
mit, so dass das offene Mittelschiff nur
gegen wenige Regenschauer durch Abdeckung
 mit Planen geschützt werden

musste. Außerdem überwachte Reinhard
Stillger die Demontagearbeiten, damit
keine Beschädigungen des Stemgewölbes
 erfolgten. Überhaupt ist es der umsichtigen
 Bauleitung von Reinhard Stillger,
 der als Experte auch alle kritischen
Bauphasen überwachte, zu danken, dass
das Projekt so erfolgreich abgeschlossen
wurde.
Die Montage des Dachstuhls erfolgte
am 28. Oktober 2005 in nur einem Tag.
Das war nicht nur zeitlich ein eindrucksvolles
 Kunststück, sondern auch fachlich
eine große Herausforderung. Während
der Demontagearbeiten hatte sich nämlich
 herausgestellt, dass die Nordwand
durch Witterungseinflüsse erheblich in

Der neue Dachstuhl steht 49