Full text : Unser Schönes Samland

Erste Post aus Ostpreußen nach Kriegsende

Vor

40 Jahren wurde am 1. April 1946
in Deutschland der Postverkehr mit
dem Ausland wieder aufgenommen. Damit
 bestand auch die Möglichkeit Post
an die in der Heimat Verbliebenen zu senden
 bzw. von diesen Angehörigen erste
Lebenszeichen zu erhalten.

Der Postverkehr bis gegen Kriegsende
von und nach Ostpreußen
Durch Flucht und Kriegshandlungen
wurden zum Ende des II. Weltkriegs viele
Menschen von ihren Angehörigen, Nachbarn
 und Bekannten getrennt. Das betraf
seit Herbst 1944 auch zahlreiche Familien
 in Ostpreußen. Solange die deutsche
Verwaltung funktionierte, konnte noch
eine notdürftige Verbindung durch die
Post auffechterhalten werden. Diese Lage
verschärfte sich mit der Abtrennung Ostpreußens
 vom übrigen Reichsgebiet am
23. Januar 1945 und dem dadurch unterbrochenen
 Eisenbahnbetrieb zwischen
Königsberg und dem Reich. Post konnte
nur noch mit dem Flugzeug oder per
Schiff von und nach Ostpreußen befördert
 werden. Das hatte aber bei den eingeschränkten
 Transportkapazitäten seine
Grenzen. Oftmals half bis Kriegsende die
Deutsche Feldpost aus.
Die nebenstehend abgebildete Karte
aus Cranz konnte dort noch drei Tage vor
der Besetzung durch die Rote Armee aufgegeben
 werden und wurde dann von der
Feldpost mitbefördert.
Von Rauschen ist auch noch Post von
Februar 1945 abgesandt worden und in
der Festung Königsberg sollen noch bis
in die ersten Apriltage 1945 Postkarten
abgefertigt worden sein, die dann irgendwie
 aus dem Kessel hinausbefördert
wurden und beim Empfänger im Reich
auch angekommen sind. Diese Karten

wurden in der Festung einer Prüfung unterzogen
 und enthalten eine Prüfer-Nr.
mit Datum.
Die Post aus dem „Reich“ nach Ostpreußen
 - und sicherlich auch in die anderen
 östlichen Kriegsgebiete - wurde
bereits bei den größeren Abgangspostämtem
 angehalten, mit dem Vermerk
„ Zurück! / Zur Zeit nicht zustellbar “ versehen,
 und an den Absender zurückgegeben.
 Somit fehlte mindestens ab Januar
45 jegliche Nachricht von geflüchteten
oder im Reich lebenden Angehörigen.

Wiederaufnahme des Postverkehrs
1946
Nach der Besetzung durch die Rote Armee
 und auch noch lange nach Kriegsende
 gab es in unserem Heimatgebiet
keine Postanstalten und keine Postzustellung.
 Die deutschen Postanstalten
waren größtenteils fluchtartig vor der anrückenden
 Front verlassen worden und -
soweit bekannt - nahm eine sowjetische
Postanstalt erst Monate nach Kriegsende
den Betrieb in Königsberg für ihre Landsleute
 auf. In anderen größeren Städten
war es ähnlich. In unserem Kreisgebiet
gab es meines Wissens mindestens bis
1947 keine sowjetische Postanstalt.
Dadurch erhielten die ins Reich Geflüchteten
 und auch die dort Lebenden
über eine lange Zeit keine Nachricht über
den Verbleib und das Ergehen ihrer Angehörigen
 und Bekannten in Ostpreußen.
Ebenso erfuhren die in der Heimat Verbliebenen
 nicht, wohin es ihre Angehörigen
 bei der Flucht verschlagen hatte und
wie es ihnen ging. Zu aller körperlichen
und wirtschaftlichen Not kam diese seelische
 Sorge hinzu.
Nach eigenem Erleben erhielten wir
auf dem Lande im Samland ab Mitte 1946

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erstmals Post, aber das war
reine Glückssache. Man
musste zunächst einmal
wissen, dass überhaupt
Post ging. Die Post musste
nach Königsberg (Pr) 9 gebracht
 oder von dort abgeholt
 werden. Das war je
nach Wohnort ein Fußmarsch
 auf „unsicheren“
Straßen von mehreren Stunden.

Wie ich inzwischen weiß,
wurde in den Besatzungszonen
 Deutschlands am 1.
April 1946 der Auslandspostverkehr
 aufgenommen.
 Das besetzte Ostpreußen zählte auch
zum Ausland. Diese Nachricht wurde im
Reich und in den Flüchtlingslagern in
Dänemark bekannt gegeben und hat sich
sehr schnell verbreitet. Bereits von Mitte
 April liegen vereinzelte Karten vor, die
dann nach ca. sechs Wochen im Samland
ankamen. Verzögert erfuhren wir diese
Nachricht auch in unserer Heimat, denn
von Mai 1946 sind bereits Postkarten, die
in Orten im Samland geschrieben wurden,
 bekannt. Sie sind sämtlich in Königsberg
 abgestempelt worden und gingen
 dann über Moskau ins Reichsgebiet.

Im größeren Umfange begann der
Postverkehr dann etwa ab Juni 1946.
Zunächst erfolgte die gelegentliche Postzustellung
 durch Personen, die aus Königsberg
 kamen und Post mitbrachten
oder dorthin auch Post mitnahmen. Auf
diesem Wege erhielten wir am 6.8.46 einen
 Brief aus Dresden, den meine Großmutter
 sofort beantwortete und der am
10.11.46, laut Vermerk der Empfängerin,
dort angekommen ist. Die Antwort aus

Dresden vom 18.11.46 hat uns aber nicht
erreicht. Üblich waren die Postkarten der
sowjetischen Post.

Bericht des Postbeamten F. W. Rocke
Etwas Klarheit in diese Postverhältnisse
von Königsberg (Pr) in den Jahren 1945
bis 1948 bringt ein Bericht des Postangehörigen
 F. W. Rocke, der bereits 1950
einen längeren Aufsatz unter der Überschrift
 „Der Gang von Königsberg (Pr)
nach Kaliningrad“ veröffentlichte. Er
schildert darin die zerstörten Postämter
und schreibt, dass im ehemaligen Postamt
 9 in den Hindenburgstraße auf den
Hufen im Herbst 1945 ein sowjetisches
Postamt 3 eingerichtet wurde. Der Direktor
 dieses russischen Postamtes erhielt
im April 1946 den Auftrag, ein deutsches
Postamt anzugliedem. Aus diesem Bericht
 einige Auszüge:

„ Wie sah das Gebäude nach den Kampfhandlungen
 aus? Das Dach war stark demoliert,
 und der Regen zerstörte alles,
was bis zum Keller herab noch brauch-15

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