Full text : Unser Schönes Samland

und auch soziale Maßnahme im Kreis
Fischhausen zur Verbesserung der verkehrstechnischen
 Infrastruktur. Durch
die Beteiligung von Kreis und Land an
der Finanzierung der Aktiengesellschaft
 wurde dies indirekt betont. Sie
hat von Anfang an nicht kostendeckend
 gearbeitet und keinen Gewinn
gebracht. In der heutigen Zeit wäre sie
sicher schon lange stillgelegt worden.
Ihre Eröffnung am 1. Oktober 1900
war in der Öffentlichkeit nicht von so
breitem Interesse wie die erste Fahrt der
Samlandbahn rund 10 Wochen vorher.
Die Kreisbahn war aber eine Einrichtung
 des Kreises Fischhausen und
müßte uns somit nahe stehen. Allein
vom Verlag Rudolf Stolle, Bad Harzburg,

 ist mir eine Serie von 12 Ansichtskarten
 und ein Heft „Kleiner Führer für
die Fischhausener Kreisbahn“ bekannt,
der etwa 1901/02 erschienen ist. Der
Führer enthält eine Beschreibung der
Landschaft und der Orte durch die die
Bahn fuhr. Von den 12 „officiellen Ansichtskarten“
 liegen mir nur 5 vor. Sie
zeigen Abbildungen von Bauwerken an
der Strecke mit Jugendstileinfassung:
Domportal Fischhausen, Gaffkener
Park, Hafen von Fischhausen, Dorf
Thierenberg und Kriegerdenkmal u.
Aussichtsturm auf dem Galtgarben. Die
nachstehende Abb. „Kurhaus Dellgienen“
 gehört zur Serie Samlandbahn.
In Gaffken bestand Anschluß nach
Palmnicken und später bis Groß

Gross aus Kurhaus J)iUgien«n im jMkgebirge — Samlandbahn.

Kurhaus Dellgienen (Sammlung Klemm)

Dirschkeim; in Fischhausen erreichte
man die Bahnlinie Pillau - Königsberg
Pr. und in Marienhof die Samlandbahn
mit der Möglichkeit, von Neukuhren
aus nach Cranz weiterzufahren.
Ab Ende Januar 1945 lag das östliche
 Ende der Kreisbahn, wie die Samlandbahn,
 im Frontbereich. Inwieweit
sie beim ersten Durchbruch der Roten
Armee bereits zerstört wurde, entzieht
sich meiner Kenntnis. Betriebsleiter
Salden soll Ende Januar 1945 noch
einen Eisenbahntreck zusammengestellt
 haben, der aber nur noch bis
Königsberg Pr. kam. Er selbst soll dann
später auf einer sowjetischen Kolchose

bei Stablack verhungert sein (Paul
Dost: Die Privatbahnen und Kleinbahnen
 Ostpreußens, in: Böttchers
Eisenbahnschriften, Heft 37, S. 25).
Unbekannt bleibt, wann die Sowjets
die Strecke demontiert haben.
Herzlich danke ich Herrn J. Petzold
für seine Recherchen und die großzügige
 Überlassung seiner Zusammenstellung
 aus den Geschäftsberichten.
 Mein weiterer Dank gilt dem Kulturzentrum
 Ostpreußen, Ehingen, für
den anschaulichen Streckenplan.

Hans-Georg Klemm

100 bewegte Lebensjahre

Minna Rakowski
beim Eintrag in das
Qoldene Buch der
Stadt Oer-Erkenschwick,
 umgeben
von (v.l.n.r.) Oer-Erkenschwicks

stellv.Bürgermeister
Herbert Lowens,
Schwiegertochter
Ellinor und Sohn
Manfred Rakowski