Full text : Unser Schönes Samland

Liebe Weidehner! —

Aus unterschiedlichen Gründen
muß unser Ortstreffen in diesem Jahr
leider ausfallen; trotzdem seid Ihr
nicht vergessen.
Ich habe kürzlich im Jahrbuch
„Der redliche Ostpreuße“ aus dem
Jahr 1973 ein Gedicht von Otto Franz
Krauß entdeckt, das mir sehr gefallen
hat, „Kennst Du das Land...“. Für
mich ein Anlaß es ihm gleichzutun.
Allerdings wollte ich mich nicht an
einem Land oder einer Provinz versuchen,
 sondern ganz klein anfangen.
Darum nannte ich „mein Werk“:
Kennst Du den Ort...?" ln dem Gedicht
 sind alle Namen vertreten die bis
1945 in Weidehnen gewohnt und
gelebt haben. Sollte ich einen vergessen
 haben, laßt es mich wissen.
Allen Weidehnern gute Gesundheit,
 vor allen jedoch Edith Tabel und
Kurt Rösnick, damit sie wieder in die
Schlorren kommen.

Euer Siegfried Meller,
Liedenkummer Bogen 12 c,
21219 Hamburg (Neuenfelde),
Telefon: 040-745 8058

Ävcnnet Bti öcn ©rt?

Kennst Du die Pferde aus Trakehnen?
Dann kennst Du auch den Ort Weidehnen
Das Gut des alten Adolf Wiegers,
dort arbeiteten die Jaskinias.

Die zwei Mehlfelds und Andres,
Albrecht, der Inspektor Stretz.
Der Schindel, Tabel und Pupat,
die Lehrer Schröder, Zimmerningkat.

Troschke, Demke, Seddig, Liedtke,
der, wenn was schief ging sagt: „Ja Schietke!“ ■
Auch Daleff war dort sehr bekannt,
„Lichtschieter“ wurde er genannt.

Nuckel, Rösnick, Stiehmer, Ruhr, -
der Stiehmer trank den Fusel pur.
Er blies Trompete, Tuba, Horn
und trank dazu so gerne Korn

Drei Namen, es ist wie verhext,
die passen nicht in diesen Text.
Tillgruber, Möhrke sind die einen -
nebst Goethlich, fand ich nichts zum reimen.

Zum Schluß, ich will es nicht verhehlen,
merk’ ich, daß die Joppiens noch fehlen
Sie alle lebten in dem Land,
das man Ostpreußen hat genannt.

Nebenbei möcht' ich erwähnen,
im Kreis Fischhausen lag Weidehnen
„Shatrovo“ heißt Weidehnen heute, -
heut' leben dort auch and're - Leute,

Siegfried Meller, frei nach Otto Franz Krauß

— Naturschönheiten im Samland

Erinnerung an unsere Heimat heißt
auch, von ihr reden und erzählen.
Erzählen über unsere Samländische
 Heimat, deren Naturschönheiten
geblieben sind, wenn auch vieles
andere untergegangen ist.

Das Samland zeigte keineswegs die
Natur eines Flachlandes, wir hatten
auch unsere Berge.
So liegt in der Mitte des Samlandes
der Galtgarben. Seine in verschiedene
Richtungen verlaufenden Höhenzüge,

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bilden das Alkgebirge, die Höhen um
Fischhausen, die Seeberge und der
Große-Hausenberg. Dann noch, am
Rande der herrlichen Warnicker Forst
der Kleine Hausenberg.
In dieser schönen Landschaft wurde
 sehr gerne gewandert und auch
radgefahren. Ein beliebtes Ausflugsziel
 von Germau aus, war der Große
Hausenberg, der nur zwei Kilometer
vom Ort entfernt war.
Zum Kleinen Hausenberg ging
man nicht so gerne, doch mit dem
Fahrrad war er gut zu erreichen. Am
besten von der Landstraße zwischen
Heiligencreutz nach Klein Dirschkeim.

Der Kleine Hausen ist eine hohe,
ziemlich isoliert liegende Bergkuppe,
und bis zum Gipfel mit Laubwald
bewachsen. Leider war von hier oben
ein freier Umblick nicht möglich,
doch einige Durchblicke boten drei
reizende Bilder. Nach Nordwesten
Heiligencreutz, nach Südwesten Germau
 mit dem durch drei höhere
Bäume gezeichneten Großen Hausenberg,
 und nach Südosten der Galtgarben.


Der Kleine Hausen zeigt deutliche
Reste von Wallanlagen und Gräben.
Er soll zur Ordenszeit dem Wassermüller
 von Germau -als Fliehburg gedient
 haben.

Ein Modell des Kleinen Hausen
und auch des Großen Hausen befand
sich im Königsberger Prussia Museum.
Wenn man hier von einer Fliehburg
 spricht, darf man sich kein festes
Mauerwerk mit Türmen und Zinnen
vorstellen. Es handelte sich nur um

Holz und Erdebauten, die aber in
jenen Zeiten, da man keine Feuerwaffen
 kannte, ein festes Bollwerk bildeten.
 Viele Sagen rankten sich um
diese Stätten.
Per Fahrrad konnte der Ausflug
zum Großen Hausen fortgesetzt werden.
 Kurz vor Trulick führt am Lindenberg
 vorbei, in Richtung Großen
Hausen, nach rechts ein Feldweg ab.
An den Waldarbeiterhäusern der
Bernsteinwerke vorbei, erreicht man
die Kuppe des Großen Hausen. Auch
dieser diente in alten Zeiten als
Fliehburg. Hier suchten damals die
zum Christentum bekehrten Samländer
 Zuflucht vor den Litauern.
Wie sich Geschichte doch wiederholt,
 auch in den grausigen Tagen
1945 suchten einige Germauer hier
Schutz.

Die Kuppe war zugewachsen, doch
von den Waldrändern hatte man einen
weiten Umblick über das westliche
Samland vom Meeresstrand bis zum
Frischen Haff.
Auf dem Feldweg zu den Waldarbeiterhäusern
 kam man zur Landstraße
 und von dort wieder in einer
halben Stunde nach Germau.
Von den Waldarbeiterhäusern
führte auch ein Weg nach Palmnicken,
vorbei an einem einsamen Waldhaus,
vom Volksmund Schloß Muntermacher
 genannt.

Gertraut Schulze geb. Tromp,
(Germau)
Heinrich-Lauer-Str 5
74722 Buchen (Odenw.)
Tel. 062 81 / 9 73 74

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