Kommentar zum Polennen-Treffen Die Polenner trauern um Alfred Behnke —
Der letzte Samlandbrief enthielt
einen Bericht über das Polennen-Treffen
in diesem Jahr. (Folge 143, S. 63/
64) Während des Gottesdienstes anläßlich
dieses Treffens wurde eine Kollekte
für das Polenner Kinderheim
(heute Krugolow) gesammelt.
Da vor einigen Jahren schon in den
„Kieler Nachrichten“ über das Heim
berichtet wurde, interessierte es mich
sehr. Damals wurde von Kiel - Königsbergs
Patenstadt - viel Geld gespendet.
Im Juli dieses Jahres waren mein
Bruder Reinhard Stillger und ich in
Königsberg und besuchten das Kinderheim
in Polennen bei Germau. Uns
begleiteten zwei russische Freundinnen.
Die ältere ist eine Deutsche aus Heydekrug
bei Memel; sie ist ein „Wolfskind“,
die jüngere ist ihre Pflegetochter, eine
russische Richterin. Da ich ein Foto aus
den „Kieler Nachrichten“ dabei hatte,
wurden wir im Kinderheim freundlich
aufgenommen, ln diesem Heim leben
70 Jugendliche aus zerrütteten Familien
im Alter von 6 bis 18 Jahren. Sie werden
von 21 Angestellten betreut. Es wurde
uns alles gezeigt, der Freizeitraum, die
Tagesstätte und die Schlafzimmer mil
drei bis vier Betten. Die Räume waren
renoviert, die Hausflure gefliest und
sauber. Die Schule konnten wir nicht
besichtigen, weil dort gebaut wurde,
Reinigung und Pflege erfolgt durch die
Jugendlichen, zusätzlich betreiben sie
Ackerbau und Viehzucht. Das gesamte
ehemalige Kasernengelände war gut gepflegt,
was man vom übrigen Ostpreußen
nicht behaupten kann. Die Jugendlichen
waren nett und freundlich; es entstand
ein positiver Eindruck.
In dem Bewußtsein, in dieser Einrichtung
hilft die Polenner Kollekte und
jede weitere Spende einem bedürftigen
Kind, fuhren wir weiter zu den Kulturtagen
nach Rauschen.
Rosemarie Doose, geb. Stillger (Arnau)
Pommernweg 4, 24242 Felde,
Telefon: 043 40-8715
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X X
... und Schlafraum im
Kinderheim Polennen/Krugolow
Freizeitraum...
Plötzlich und unerwartet starb Alfred
Behnke aus Polennen am 7. Oktober
1999 im Alter von 74 Jahren in seinem
Haus in Werl/Hilbeck. Mit ihm
verlieren die Polenner ihren bisherigen
Mittelpunkt.
In den vergangenen zehn Jahren hat
er die sechs Polenner-Treffen komplett
organisiert und geführt. Von den Einladungen,
Quartierbeschaffungen, Abstimmungen
mit der Gaststätte, den
An- und Abtransporten der Teilnehmer
von und zu den Zügen und Quartieren
bis zur Einladung der Vertreter der
Stadt Werl und den Absprachen zur
Abhaltung der Dankgottesdienste lief
alles durch seine Hände. Der kräftigen
Unterstützung durch seine Familie
konnte er dabei stets gewiß sein.
Dabei baute er sozusagen die
Polenner Meldekartei auf, gratulierte
meistens den Geburtstagskindern und
besuchte sehr oft bei besonderen Familienfeiern
seine Polenner Heimatfreunde.
So war er zur Vaterfigur der
Polenner geworden, zu denen immer
die Einwohner der zur ehemaligen Gemeindeverwaltung
gehörenden, umliegenden
Ortschaften gezählt wurden.
Daneben fungierte er in der Kreisgemeinschaft
Fischhausen e.V. als Ortsvertreter
für Godnicken mit Polennen,
Bohnau, Gauten, Korjeiten, Linkau,
Mellies, Spinnerhaus und Waldhaus.
Tief betroffen trauern die Polenner
mit der Familie Behnke um ihren
Alfred. Die Lücke, die er hinterläßt, ist
nicht mehr zu schließen. Mit der Trauer
kommt aber auch eine große Dankbarkeit
dafür auf, daß der Verstorbene
sich so lange und aufopferungsvoll für
seine Polenner eingesetzt hat und ihm
dieses vergönnt war. Dafür sei ihm zum
Abschied ein letztes und herzliches
„Danke, Alfred“ nachgerufen.
Für alle Polenner
Hermann Kuschmierz
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