— „1 00 Jahre Samlandbahn"
(Fortsetzung aus Hbr Folge 146)
Die Inbetriebnahme der Samlandbahn
am 14. Juli 1900 war ein Meilenstein
für die Entwicklung der Badeorte
im nördlichen Samland und für das
Wirtschaftsleben. Der Anfang war für
das Unternehmen, wie im ersten Teil
gezeigt, mit Schwierigkeiten verbunden.
Nun galt es, sich den steigenden Ansprüchen,
der technischen Entwicklung
und den wirtschaftlichen Erwartungen
anzupassen.
Dies führte zum Anschluß an andere
Bahnen, dem Gleisanschluß für Firmen
und Genossenschaften, dem Bau größerer
Bahnhöfe, dem Einsatz weiterer
Züge und ging schließlich in die Fahrplan-Gestaltung
ein.
Die Verantwortlichen der Gesellschaft,
Aufsichtsrat und Vorstand, verstanden
es durch diese Maßnahmen die
Fahrgastzahlen ständig zu erhöhen und
den Aktionären Gewinne auszuschütten.
Die Zahl der beförderten Personen
stieg von 157.831 im ersten Geschäftsjahr
auf über 3 Millionen im Jahre 1942.1
Über den Gütertransport liegen aus
dem ersten Jahr keine Zahlen vor. 1911
wurden 77.871 tund 1942 über 611.700t
Güter befördert.
Entsprechend dieser Steigerung an
Verkehrsleistung konnten Überschüsse
erwirtschaftet werden, ln den Jahren bis
1912 stieg die Dividende bis auf 4 %. I
Im Gründungsjahr war Hauptmann
a. D. Hermann Nauck, Königsberg Pr.,
Vorstand. Dem Aufsichtsrat gehörten u.
a. der Landrat des Kreises Fischhausen,
Dr. Robert Graf von Keyserlingk, nach
dem die Rauschener Strandpromenade
benannt worden ist, sowie die Herren
Lucian Lewandowski und Johann F. H,
Heumann aus Königsberg Pr. an. 1912
war Reg.-Baumeister a. D. Hermann,
1
Königsberg Pr., Vorstand und der Aufsichtsrat
bestand u. a. aus dem Landrat
Petersen, Fischhausen, und Baron von
König, Watzum.
(Angaben aus: Kompendium der
Bahnen niederer Ordnung 1899/1900,
Jahrbuch der Deutschen Straßen- und
Kleinbahn-Zeitung 1912/13 und Eisenbahn-Kurier
Special 52).
Doch zunächst eine Korrektur: Jörg
Petzold, Dresden, machte darauf aufmerksam,
daß nicht die Ostpreußische
Eisenbahn-Gesellschaft in Königsberg
(Pr) die Betriebsführung der Samlandbahn
übernahm, sondern es war die
Ostdeutsche Eisenbahn-Gesellschaft.
Die Fahrpläne
Herr Petzold sandte auch eine Abschrift
des Fahrplans vom Oktober
1902. Danach verkehrten damals werktäglich
3 Zugpaare zwischen Königsberg
(Pr) und Warnicken. Sonn- und feiertags
kamen 3 Züge hinzu. Die Fahrzeit von
Königsberg bis Marienhof zur Fischhausener
Kreisbahn betrug 40 Minuten,
bis Neukuhren 69 Min., bis Rauschen
79 Min. und bis Warnicken 91 Minuten,
also rund 1 Ü2 Stunden.
Laut Jahresfahrplan 1944/45 für
Ostpreußen der Reichsbahndirektion
Königsberg (Pr) verkehrten - trotz der
Kriegsverhältnisse - rund dreimal soviel
Züge und die Fahrzeit von Königsberg
betrug bis Marienhof 40 Minuten, bis
Neukuhren 60 Min., bis Rauschen-Ort
70 Min., bis Warnicken hatte sich die
Fahrzeit von 90 Minuten, wohl durch
den jetzt zusätzlichen Aufenthalt in
Rauschen-Düne, nicht verändert. Allerdings
gab es nun auch Züge, die an verschiedenen
Bedarfshaltestelle durchfuhren
und wesentlich schneller an’s Ziel
kamen. Dies galt besonders für den
Rückreiseverkehr nach Königsberg am
SAMLANDBAHN
Fahrplan vom Oktober 1902
2 F 102
F 104 4 A 6
B 6a km
1
3 5 F 105
08.20 09.15 13.00 13.40 19.50 23.00 0,0 Ab Königsberg
An 07.46 15.54 19.00 19.43
08.44 09.31 | 14.04 20.14 23.24 8,4
Goldschmiede t
07.23 15.31 18.37
i
08.58 | 13.22 14.18 20.28 23.38 13,1
Mednicken
07.09 15.17 18.23 19.18
09.18
09.49 13.34 14.38 20.48 23.58 .19,3 ■k
Drugehnen-Galtgarben
06.49 14.57 18.03 19.06
09.26 09.55 13.40 14.46 20.56 00.06 22,7 An
Marienhof Ab 06.40 14.48 17.54 18.59
601
603
Fischhausener Kreisbahn
602 604
05.30
13.35
0.0 Ab
Fischhausen An 08.10 16.05
06.11
14.16
15.1
4.
Thierenberg 7
07.29 15.27
06.35
14.40
23,0 An
Marienhof Ab 07.00
15.00
09.30 09.58 13.44 14.50
21.00 00.10 22,7 Ab
Marienhof An 06.36 14.44 17.50 18.56
09.44 10.09 13.54
15.04 21.14 00.24 27,6
Pobethen-Wartnicken *
06.23 14.31 17.37 18.47
10.05 10.23
14.09 15.25 21.35 00.45 35,2
Neukuhren
06.02 14.10 17.16 18.33
10.17 10.33 14.19 15.37 21.47 00.57 40,0 4/ Rauschen
05.50
13.57 17.04 18.23
10.31 10.45 14.31 15.51 22.01 01.10 45,2
An
Warnicken Ab
05.35 13.42 16.49 18.10
F verkehrt nur an Sonn- und Feiertagen
A verkehrt täglich außer freitags
B verkehrt nur freitags
I Die Züge 102 und 104 verkehren nur im Oktober.______________________________________________________
Fahrplan der Samlandbahn vom Oktober 1902 (Abschrift v. J. Petzold aus dem Reichskursbuch)
— io
Königsberg (Pr) Nordbf - Rauschen -Warnicken und zurück
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O.OKönigsb Nordbf obl
4,7Kbg-Charloffenbg
6,9Hbg-Tonnenwoice '
8,4 Goldschmiede
9,8GallhöfenX.. .
13.1 Mednicken ...
16,3Dommelkeim X !
17,3 Willgaiten X ...
19,30aiaehnen-Gaitg .
22,7Marienhof. .
?>,2PerteltnickenX I
77,6Wattum-Pobethen
29.6 Kalthof X........
31.7 Lixeiden X ___
35.2 Neukuhren i
40.0 Rauschen 0rtv|
43.0 RouschenOünej-45,2'6eargenswalde
. . . >
47.0 Warnicken a
narnicHen
Georgenswolde ..
Rauschen Düne
Rauschen Ort .
Neukuhren 138 a..
Lixeiden X...............
Kolthof X ...................
Watzum-Pobethen .
Perteltnicken X ___
Marienhof 138«
Orugehnen-Galtg...
Willgaiten X ............
Dommelkeim X.........
Mednicken ...............
Seilhofen X...............
Goldschmiede.........
Kbg-Tannenwalde .
Kbg-Chorlottenbg
Königsbg-Nordbf
138 c
Hol* werktags in itbg-Chorlottenburo ob 11.07
Fahrplan der Samlandbahn von 1944/45 (Samland-Museum Pinneberg)
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