Object : Unser Schönes Samland

Liebe Rauschener Heimatfreunde

...eingeschlossen
 alle
Freunde aus
den Schulbezirken

Georgenswalde,

St. Lorenz
und Craam.

Diese Zeilen schreibe ich im Frühlingssonnenschein
 und sie werden Sie
etwa beim Sonnenhöchststand erreichen.
 Das Osterfest liegt hinter uns
und manch einer hat auch bereits seinen
 Urlaub, und zum Teil auch in der
Heimat verlebt.
Die Reisegruppe von Ingelore Mittag,
 die ab Mitte Juni wieder eine
Woche in Rauschen war, wird wohlbehalten
 zurück sein. Der Bericht über
diese Reise kann erst im nächsten
Heimatbrief erscheinen. Ebenso finden
Sie meinen Bericht vom Deutschland-Treffen
 der Ostpreußen zu Pfingsten in
Leipzig im nächsten Heimatbrief. Die
Landsmannschaft hat ein großes Programm
 zusammengestellt.
Allen, die mehr als mit ihren Bekannten
 plachandern wollen, wird die
Zeit gar nicht ausreichen.
Meinen Bericht über die Post in
unserem Bezirk und die 1931 /32 eingerichteten
 Poststellen habe ich im letzten
Heimatbrief abgeschlossen. Leider sind
bei Craam/Kraam in der Druckerei die
Poststempel (Seite 42) ein bißchen
durcheinander geraten: Der Stempel
„Craam/Königsberg (Pr.) 5 Land“ wurde

 doppelt abgebildet und dafür der
nachfolgende Stempel weggelassen.

Ortsname mit K in Fraktur-Schrift (Samml. Klemm)

Für Klycken reklamiert Frau Ilse
Finck, geb. Scharffetter, daß der Rundkurs
 des Postautos von Fischhausen
gerade entgegengesetzt verlief. Dies
konnte ich inzwischen im Postleitheft
1 von 1939 überprüfen und muß hier
korrigieren: Die Rundfahrt verlief von
Fischhausen über Kaspershöfen, Powayen,
 Medenau, Thierenberg, Klycken,
Heiligenkreutz, Germau zurück nach
Fischhausen.
Ich habe mich sehr gefreut, daß
zahlreiche Heimatbriefleser das Heft
so aufmerksam gelesen haben und interessante
 Hinweise gaben. Allen sei
herzlich gedankt.

Die Eisenbahn in Rauschen
Wie Sie sicher schon in diesem
Fleimatbrief gelesen haben, nahm vor
100 Jahren die Samlandbahn den Betrieb
 auf. Wir können heute, in unserer
abwechslungsreichen Zeit, nicht nachempfinden,
 was das für die Menschen
damals bedeutet haben muß: Einerseits
Angst vor dem Neuen, vor der gewaltigen
 Maschine, die mit Getöse und
Rauch daherkam; andererseits Freude
über die neuen Möglichkeiten seinen
Horizont und auch seine Geschäfte
auszuweiten. Für uns später Geborenen,
 wenn wir nicht in einem Ort mit

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Bahnhof wohnten, war eine Eisenbahnfahrt
 noch etwas Besonderes. Erst
als ich ab Ostern 1944 Fahrschüler
wurde und täglich nach Königsberg
mußte, wurde die Eisenbahnfahrt zu
etwas Selbstverständlichem.
Für die Badeorte Rauschen, Georgenswalde
 und Warnicken, natürlich
auch für das nicht zu unserem Bezirk
gehörende Neukuhren, war die Eisenbahn
 ein großer Gewinn. Die Bebauung
 von Rauschen - Düne und das
Villenviertel Georgenswalde wären
sicherlich nicht so rasch begonnen
worden. Neben der Ansiedlung von
Sommervillen wären mit Sicherheit
auch die Hotels und Fremdenheime
nicht so schnell entstanden und die
Geschäftswelt hätte nicht die Blüte
erlebt. Denn letztlich entstand dies
alles erst ab 1907/08, als in Rauschen
bereits der Bahnhof Düne und der
Bahnanschluß dorthin gebaut war. In
Georgenswalde begann die Parzellierung
 des Villenviertels auch erst um
1910. Und auch in Warnicken entstanden
 zahlreiche Häuser, wie dem Ortsplan
 von Horst Riehs zu entnehmen ist.
Sicherlich ist den wenigsten Rauschnern
 bekannt, welche Probleme
beim Bau der Bahnstrecke auf Rauschener
 Gebiet auftraten. Es war der
Höhenrücken zwischen Mühlenteich
und Katzenberg/Karlsberg, der durchstochen
 werden mußte. Diese Düne
war 1844 beim Besuch König Friedrich
Wilhelm IV. völlig öde und wurde auf
sein Geheiß aufgeforstet.
Außer diesen Problemen beim
Bahnbau ist wahrscheinlich auch nicht
bekannt, daß es bei diesen Erdarbeiten

einen großen Bernsteinfund gab. Der
Bauunternehmer ließ den Bernstein in
8 große Säcke füllen, stellte diese bei
seinem Quartierwirt, dem Brunnenbauer
 Hildebrandt in Neukuhren, in
die Scheune, meldete den Fund nach
Königsberg und bat um Abholung.
Dort ließ man sich Zeit damit und nach
ca. 3 Wochen war die Hälfte des Bernsteins
 verschwunden. Der Fund hatte
sich in Neukuhren rasch herumgesprochen
 und die Bevölkerung kam um ihn
zu besichtigen. Nach den Besichtigungen
 soll es zahlreiche „Bernsteinschleifer“
 in Neukuhren gegeben
haben.
Und auch den Haltepunkt an der
Gausupschlucht, als Vorläufer des
Bahnhof Düne, haben wir alle nicht
mehr gekannt. Leider sind davon auch
keine Abbildungen zu finden. Dieses
Häuschen muß dort von 1900 bis etwa
1906 gestanden haben und wurde dann
nach dem Anschluß von Rauschen-Düne
 nicht mehr gebraucht.
Die Bahnhöfe aus späterer Zeit sind
uns noch in guter Erinnerung. Zu unserem
 Bezirk gehörten die Bahnhöfe von
Rauschen-Ort, Rauschen-Düne, Georgenswalde
 und Warnicken.
Rauschen-Ort, von Königsberg
kommend als erstes gelegen, hatte
eine gewisse Stattlichkeit und doch
Bescheidenheit. Es scheint bei der
Samlandbahn-Gesellschaft einen gewissen
 Bahnhofsstil gegeben zu
haben, denn, soweit die Bahnhöfe mir
bekannt sind, hatten die in Neukuhren
und Warnicken ein ähnliches Aussehen.
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