hervor und ließen ihn mit vollen Schubladen
vor Skeptikern tanzen. Wollten
wir doch beweisen: Es gibt mehr Dinge
zwischen Himmel und Erde, als unsere
Schulweisheit erklären kann! ...Natürlich
ist dieses Zitat nicht von mir, sondern
von...? Die Antwort könnt ihr mir
am 24. und 25. April d.J. zum 20.
Palmnicker Treffen der „Bernsteinanhänger“
in Köln sagen.
Bis dahin bleibt gesund!
Eure Hanni Lenczewski -Wittke,
Hummelnstück 29, 58762 Altena,
Telefon: 02352-52668
Von Höhe Stolp zur Samlandküste
Die Vergangenheit holt uns immer
wieder ein. In Palmnicken/Jantarny
kein Unbekannter, wurde ich von dem
Bezirksleiter der russischen Organisation
„Memorial“ Witali Patrakow um
eine Aussprache gebeten. Es wurde bereits
in anderen Artikeln berichtet, das
„Memorial“ ähnliche Aufgaben wie die
„Deutsche Kriegsgräberfürsorge“ verfolgt.
Bemerkenswerter Weise kümmert
man sich aber auch um zivile Kriegsgräber.
So war ich erstaunt über exakte
Zahlenangaben, welche mir Patrakow
über Massengräber im Palmnicker Bereich
vorlegen konnte. Ihm ging es
hauptsächlich darum, ob ich eine Ahnung
hätte, ob möglicherweise 1946, als
eine Typhusepidemie in Palmnicken
Hunderte von Menschen dahinraffte,
auch auf dem ehemaligen „Erich Koch-Platz“
Massengräger angelegt worden
sind. Zunächst konnte ich das nicht
ausschließen, habe jedoch in der
Zwischenzeit von einer Bekannten
erfahren, daß an dieser Stelle keine
Gräber angelegt worden sind und habe
Patrakow darüber in Kenntnis gesetzt.
Mir war natürlich bekannt, daß am
Krankenhaus in Palmnicken in jenen
schrecklichen Tagen notgedrungen
Hunderte von Leichen bis hinunter
zur Kraxte begraben worden sind. Von
Patrakow erfuhr ich nun genaue Zahlen.
Im Bereich Krankenhaus allein
hat „Memorial“ 305 Leichen exhumiert.
Darunter 22 deutsche Soldaten
und 283 Zivilisten.
Auf dem Friedhof wurden 68 verstorbene
Flüchtlinge exhumiert und
78 deutsche Soldaten. Im nördlichen
Teil des Friedhofs wurden die Leichen
von 44 Kindern in einer Massenanlage
gefunden. Hier erkundigte sich
Patrakow, ob mir etwas von der Existenz
eines Kinder-KZ in Palmnicken
bekannt wäre. Dabei fiel mir sogleich
eine russische Broschüre ein, in welcher
von Kindern aus einem Kinder-KZ
in Palmnicken die Rede ist, die in
der Bernsteinwäsche unter unmenschlichen
Bedingungen während des
Krieges hätten arbeiten müssen. Diese
Fehlmeldung konnte ich Patrakow
aber sofort glaubhaft widerlegen mit
54
dem Hinweis, daß es so etwas in
Palmnicken nicht gegeben habe, daß
jedoch vielmehr bei der Typhusepidemie
zu Beginn insbesondere viele
Kinder gleichzeitig die ersten Opfer
wurden.
Auf der Ackerfläche südlich des
Friedhofs wurden in langen Reihen
die Leichen von 548 deutschen Soldaten,
zumeist durch schwere Verwundungen
gekennzeichnet, aufgefunden.
Sie haben alle ihre letzte Ruhestätte
auf dem Soldatenfriedhof in
Germau gefunden.
Am 3. August 1998 wurden die
Leichen zweier Rotkreuz-Schwestern
nach Germau umgebettet, die im
Palmnicker Krankenhaus Pflegedienste
geleistet hatten und schließlich mit
der „Wilhelm Gustloff“ am 30. Januar
1945 den Tod fanden, als das Schiff
mit 5000 Menschen auf der Höhe von
Stolp unterging. Im August 1945 wurden
die Leichen dieser beiden Krankenschwestern
von der Strömung zurück
an die Samlandküste getragen
und bei Nodems auf dem Schloßberg
beigesetzt. Eine der beiden konnte
identifiziert werden: Frau Schulze/
Berlin - 30 bis 40 Jahre alt. In einer
Flasche wurden die fast unkenntlichen
Dokumente der Leiche beigefügt.
Martin Bergau,
Dickenbergstraße 28, 71296 Heimsheim,
Telefon/FAX: 0 7033-313 47
v.l.n.r.: Martin Bergau und Witali Patrakow vor dem Massengrab der 263 Juden an der Qrube „Anna".
Hinter der Einfriedigung ist noch der Belüftungsschacht der alten deutschen Schachtanlage zu erkennen. Die See
ist durch die rücksichtslosen Baggerarbeiten der Russen auf der Suche nach Bernstein bedrohlich nahe gerückt.