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Ausschnitt aus dem Pharus-Plan Königsberg Pr. von
vor 1900 mit dem Cranzer und dem bereits projektierten
Samlandbahnhof (Samml. Klemm)
dann mit Lupinen bepflanzt, deren
starke Wurzeln den Sand hielt. Um
den Bau noch fristgerecht fertigstellen
zu können, halfen zwei Kompanien
eines Königsberger Pionierregiments
bei den Arbeiten.
Durch diese Probleme wurden die
geplanten Baukosten überschritten. In
der Literatur (s. u.a. Paul Gusovius:
Der Landkreis Samland, S. 199) wird
von einer Überschreitung um über 2
Mio Mark berichtet. Das wäre mehr
als das Doppelte der geplanten
Kosten. Vermutlich erhöhten sich die
Kosten auf und nicht um über 2 Mio.
Mark. Der Betrag wurde durch die
genannte Kapitalerhöhung und durch
Darlehen des Kreises Fischhausen und
der Provinzialverwaltung aufgebracht.
Der Betrieb der Samlandbahn
Die Betriebsführung wurde der Ostpreußischen
Eisenbahngesellschaft,
Königsberg Pr., übertragen. Wie groß
der Lokomotiven- und Wagenpark in
dieser Zeit war, ist nicht verzeichnet.
Ebenso konnte kein Fahrplan aus die-1
sem ersten Jahr aufgetrieben werden.
Die Bahnhöfe hatten zum Teil auch I
noch nicht den uns später bekannten
Bau. Durch den Einsatz der Pioniere
konnte der Betrieb dann termingerecht
am 14. Juli 1900 aufgenommen werden.
Das war ein Samstag und sicher
war längs der Strecke, die der Zug entlang
kam, alles auf den Beinen. Leider
liegen mir keine zeitgenössischen Berichte
vor, wie diese Eröffnung erfolgte. I
Herbert M. Mühlpfordt schreibt
1980 im Königsberger Bürgerbrief:
„Qualmend stand die sechsrädrige I
Lokomotive, den schwarzen Leib mitj
freundlichem Grün bekränzt, vor dem!
Zug, dessen ebenfalls mit Grün bedeckte
Wagenreihe eine Besonderheit!
darstellte. Denn es waren Wagen mit
einem ungeteilten großen Raum, in
dem sich große Fenster dicht aneinan-l
derreihten, sog. „Aussichtswagen“, die
einen ungestörten Blick auf die land-j
schaftlichen Schönheiten erlaubten.
In diesem Eröffnungzug fuhren die
Spitzen der Behörden und die Presse-I
Vertreter, von den Direktoren der Sam-I
landbahn AG und der Ostdt. Eisenbahngesellschaft
eingeladen; die erste
öffentliche Fahrt fand erst am nächsten
Tage, Sonntag, dem 15. Juli 1900,
statt.“
In mancher Literatur ist fälschlich
zu finden, daß am Eröffnungstag die
Strecke nur bis Marienhof fertiggestellt
war und, aufgrund der geschilderten
Probleme bei Rauschen, die Strecke
Marienhof - Warnicken erst am
21.01.1901 freigegeben werden konnte.
Vermutlich waren die Menschen
bis dahin kaum über die Grenze ihrer
Kirchspiele hinausgekommen und
kannten nur das Schnaufen der Rösser.
Und nun kam so ein Teufelsding und
schnaufte ganz fürchterlich..
Sachlich bleibt zu beachten, daß die
bisherigen Sommerfrischler, die nach
Neukuhren, Rauschen und Georgenswalde
oder Warnicken wollten, bisher
eine ganze Tagesreise in einer Journalière
auf schlechten Straßen mit Rasten
im Tannenkrug, in Drugehnen und in
Pobethen zu verbringen hatten und
jetzt mit der Eisenbahn in 45 Min. in
Neukuhren oder in 75 Min. in Warnicken
waren.
Robert Passarge, Ernst Wiehert u.a.
drucken: ERNST UND SCHERZ
DER SAMLANDBAHN.
Rudolf Stolle, Bad Harzburg, gab
eine Schrift „Kleiner Führer für die
Samlandbahn“ und mehrere Serien
„Officielle Ansichtskarten Samlandbahn“
mit Abbildungen von Orten
oder Bauwerken entlang der Strecke in
Jugendstil-Art heraus und hat auf diese
Weise die Bahn gewürdigt.
Auch wirtschaftlich wurde die
Bahn ein Erfolg. Während im ersten
Geschäftsjahr 157.831 Personen befördert
wurden, waren dies 1914 bereits
646.397 und 1920 dann 1.217.720
Reisende, die die Samlandbahn nutzten.Über
die weitere Entwicklung und
den Ausbau der Samlandbahn wird im
nächsten Heimatbrief berichtet.
Quellen:
Paul Gusovius: Der Landkreis Samland,
ein Heimatbuch, 1966;
Herbert M. Mühlpfordt: Die Eröffnung der
Samlandbahn am 14. Juli 1900, in: Königsberger
BürgerbriefXVII;
Jörg Petzold: Kleinbahnen
in Ostpreußen, in: Eisenbahn-Kurier
Special 52,
1999;
Eigene Sammlung.
Hans-Georg Klemm
Ein „anonymer Freundeskreis“ ließ
in der Hartungschen Buchdruckerei zu
Königsberg i. Pr. eine Broschüre mit
launigen Versen und Geschichten von
Robert Johannes, Otto Pfundtner,
Ansichtskarte von Rud. Stolle
mit einer Abbildung der
Bauarbeiten im Rauschener
Durchstich (Samml. Klemm)
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