Full text : Unser Schönes Samland

Patenschaft mit dem Kreis Minden

soll weiteren Bestand haben

Kreistreffen der Heimatkreisgemeinschaft
 Landkreis Königsberg (Pr) in
Minden.
Die Landsleute, die sich zum Kreistreffen
 der Heimatkreisgemeinschaft
Landkreis Königsberg (Pr) am 23./24.
Oktober 1999 in Minden einfanden,
sahen sich einigen Neuerungen gegenüber.
 Man kam wie gewohnt ab 10.00
Uhr am Sonnabend zusammen; die
Feierstunde aber fand um 14.30 Uhr
statt, was von den Gästen begrüßt
wurde. So konnte Kreisvertreter Helmut
Borkowski in einem gut gefüllten Saal
eine Reihe von Ehrengästen, Vertreter
des Kreises Minden-Lübbecke und der
Fraktionen, willkommen heißen. Sein
besonderer Gruß galt dem Landrat
Wilhelm Krömer, der nicht nur seine
Teilnahme zugesagt, sondern sich auch
bereit erklärt hatte, die Festansprache
zu halten. Er hat die Nachfolge des bisherigen
 Landrates Heinrich Borcherding
 angetreten, den Helmut Borkowski
zu Recht als einen guten Freund der
Ostpreußen bezeichnete. Er dankte ihm
von Herzen für die jahrelange gute und

fruchtbare Zusammenarbeit und wies
darauf hin, daß die Patenschaft des
Kreises Minden-Lübbecke mit der
Heimatkreisgemeinschaft ohne Übertreibung
 die beste im ganzen Bundesgebiet
 sei. Ein ganz wesentlicher Verdienst
 kommt dabei dem Geschäftsführer
 Siegfried Brandes zu.
„Die Mindener sind echte Freunde
von uns geworden!“, betonte er und
begrüßte die Herren, die die Kreistreffen
 treu besuchen und einfach dazu
gehören. Das gilt für Winfried Räbiger,
den Fraktionsvorsitzenden der SPD
ebenso wie für seinen Vorgänger Günter
Haacke. Dieser gehörte sogar mit zu den
ersten Besuchern des nördlichen Ostpreußens
 gleich nach der Öffnung des
Sperrgebietes 1992. Ebenso erschienen
der ehemalige Kreisdirektor Dr. Günter
Linkermann, der ehemalige leitende
Direktor der Kreisverwaltung Adolf
Meyer und der Kreissozialamtsleiter
Ernst Baue regelmäßig auf den Treffen
und auch jetzt herrschte echte Freude
über das Wiedersehen. Mit Joachim
Sabock, dem Kreisvorsitzenden des

BdV, begrüßten die Ostpreußen einen
Mitarbeiter, und Karl Abruszat, Fraktionsvorsitzender
 der FDP und stellvertretender
 Landrat, nahm zum ersten
Mal an einem Treffen teil und führte
nach der Feierstunde angeregte Gespräche.

In seiner Festansprache griff Landrat
Wilhelm Krömer die positiven Gedanken
 zur Patenschaft auf. Er richtete
Grüße des Mühlenkreises an Menschen
aus, die, wie er sich ausdrückte, in einer
langen Tradition diese Patenschaft vertreten.
 Es sei für den Kreis eine Freude
und eine Ehre, angesichts dieser
44jährigen Verbindung hier Gastgeber
zu sein.
In seiner Rede legte Landrat Wilhelm
 Krömer das Hauptgewicht auf den
Begriff „Heimat“. „Menschenrechte
sind unteilbar“ - das Motto für den „Tag
der Heimat“ 1999 sei weitgehend in
unserem Umfeld erfüllt, wo die Grundrechte
 selbstverständlich seien, aber
auch da gebe es für manche Gruppen
(Behinderte, Frauen) noch einiges zu
tun. Zu den Grundrechten gehöre das
Recht auf Heimat, und das bedeute:
man darf aus der Heimat nicht vertrieben
 werden, man darf sie freiwillig verlassen
 und jederzeit wiederkommen, ein
Recht, das immer noch heutzutage
irgendwo auf der Welt in Frage gestellt
[wird.
Was aber ist „Heimat“? Da gibt es
vielfache Antworten. „Heimat ist da, wo
ich geboren bin.“ - „Heimat ist da, wo
ich meine Kindheit verlebt habe.“
,Heimat ist da, wo man verstanden
wird.“ - „Heimat ist da, wo man Freundehat.“
 - Und nicht zuletzt der Antrieb

für Auswanderer damals und heute:
„Heimat ist da, wo es mir wohl ergeht“,
in Anlehnung an das lateinische Wort:
„Ubi bene, ibi patria“.Alle Interpretationen
 jedoch, so wies der Redner nach,
vollziehen sich im menschlichen Miteinander.
 Wenn den Menschen die Heimat
 genommen wird, so nimmt man
ihnen etwas Gewachsenes, etwas Unverwechselbares
 und letztlich ihre Identität.

Heimat kann auch mit starken Gefühlen
 bis hin zur Idealisierung belegt
sein. Not und Enge in der Heimat werden
 vergessen, besonders wenn eine
unfreiwillige Trennung von der Heimat
erfolgt. Doch diese Sehnsucht gehört
zur Natur des Menschen als ein prägendes
 Element. Er braucht und sucht ein
Fundament. Vielleicht, so der Redner,
wären die Menschen nicht so sehr auf
der Suche und würden sich nicht sofort
jeder Moderichtung anschließen, wenn
sie dieses Fundament der Heimat hätten.
 Ebenso gehört der Drang in die
Ferne zum Menschen. Er soll und will
viel sehen, erforschen, andere Länder
kennenlernen. Doch die günstigste Voraussetzung
 dafür hat er von dem sicheren
 heimatlichen Boden aus, zu dem er
jederzeit zurückkehren kann.
Heimat heißt nicht Aufrechnung,
betonte Landrat Krömer und traf damit
die Zustimmung der Vertriebenen, die
in ihrer Charta bereits jeder Rache und
Aufrechnung abgeschworen haben. In
einem neuen Europa könnten gerade
die Heimatvertriebenen zu einer verbindenden
 Kraft werden, die er in diesem
Sinne noch einmal herzlich als Gäste
begrüßte. Damit schloß er den Kreis

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