haben, die ab 1264 vom Bischof von
Samland als Fliehburg genutzt wurde.
Später wurde hier das Schloß Rinau
gebaut, noch im Jahre 1539 wird es
erwähnt. Danach ist es zerfallen; das
Gebiet gehört zum Dorf Pojerstieten.
Die Pfarrkirche wird in der zweiten
Hälfte des 14. Jahrhunderts gebaut.
Das Fundament besteht aus Feldsteinen.
Der einschiffige gotische Backsteinbau
hat eine Länge von 41 m und
eine Breite von 12,5 m.
Das Gewölbe des Langhauses bestand
aus fünf Jochen, nach dem Einsturz
im Jahre 1640 wurde eine flach
elliptisch gebogene Holzdecke eingezogen.
Zur Innenausstattung gehören wertvolle
Kunstwerke, wie ein Taufbecken
aus Granit, das aus der Ordenszeit
stammt, einen Altarschrein, der um
1500 in Nürnberg unter dem Einfluß
von Veit Stoß entstanden war, gotisches
Gestühl und eine Taufschale aus dem
15. Jahrhundert.
Die Orgel mit Barockformen wurde
vom Königsberger Terletzki im Jahre
1884 erstellt. Eine der drei Glocken
stammt noch aus der Ordenszeit, die
anderen wurden in der Mitte des 18.
Jahrhunderts in Königsberg gegossen.
Daß dieses Bauwerk zu einem solchen
wertvollen Kulturdenkmal wurde,
ist nicht zuletzt den Pfarrern zu verdanken.
Von der Reformation bis zur
Vertreibung wirkten hier 23 Pfarrer.
1552 war es Nicolaus Jagenteufel, der
letzte war Herbert Knoblauch. Die
größten Verdienste hat sich Gottfried
Willamowius, der von 1687 bis 1726
die Pfarrstelle leitete, erworben. Er
wurde in Königsberg geboren und
stammte aus einer alten Pfarrersfamilie;
bereits im Jahre 1552 war ein
Jacob Willamowius Pfarrer im masurischen
Nikolaiken.Der Pfarrer aus Kumehnen
heiratet 1689 Anna Catharina
von Kohlen aus Königsberg, die Tochter
des wohlhabenden Mälzenbräuers
Heinrich von Kohlen (seit dem 15.
Jahrhundert konnten sich Mälzenbräuer
Junker nennen - so angesehen
war dieser Berufsstand, bzw. so wichtig
war Bier für die Volksernährung).
Die Nähe der Familie von Kohlen
schuf Verbindungen zu anderen vermögenden
Familien, die in der Amtszeit
von Willamowius zahlreiche Kunstschätze
der Kirche vermachten: Silberne
vergoldete Kelche, vergoldete Oblatenbehälter,
silberne Weinkanne, Klingelbeutel
von feinem roten Samt mit
Goldborte usw.
Der Kauf- und Handelsmann Johannes
Durchgrab und seine Ehefrau
Gertrud, geb. Kannengiesser aus Königsberg
lassen im Jahre 1690 die
Kanzel errichten und 1704 malen und
vergolden, und das „Gott zu Ehren“, j
Das größte Werk war jedoch die
kunstvolle Ausmalung der Kirchendecke
des Langhauses. Sie besteht aus
biblischen Motiven:
Christus gen Himmel fahrend.
Abraham opfert Isaak, die Arche Noah
in der Sintflut, Adam und Eva im Paradies
etc.
Die dankbare Kirchengemeinde
ließ nach seinem Tode ein Gemälde
des rührigen Pfarrers im Langhaus
aufhängen. Desweiteren befand sich in
der Taufe ein Ölgemälde der Pfarrersfamilie,
das Ehepaar mit neun Kindern,
ein Kruzifix anbetend.
So wie eben beschrieben, hinterließen
die Menschen des Pfarrbezirkes
ihre Kirche, inmitten eines gepflegten
Friedhofes, bevor sie nach
Westen fliehen mußten.
Den heutigen Zustand hat uns
Bachtin beschrieben.
Ähnlich sieht es heute in den
Orten des Kirchspiels aus, sofern es
sie noch gibt. Die Ortsmitte von Kumehnen
ist schockierend: Ruinen, verkommene
Häuser, am Ortsrand flache
langgestreckte Kolchosbauten.
Die Eisenbahnstation von Drugehnen
ist noch in Betrieb. Einige
neue Wohnhäuser sind am Ortseingang
entstanden. Kein Weg führt mehr
zum Galtgarben, er liegt im militärischen
Sperrgebiet.
Die westlichen Orte sind ganz dem
Erdboden gleichgemacht, ln der Nähe
des benachbarten Kirchdorfes Thierenberg
wurde 1946 mit dem Bau
eines Flugplatzes begonnen, der in drei
Jahren fertiggestellt war. Das Baumaterial
beschaffte man sich, indem
das nach dem Kriege noch intakte
Dorf Thierenberg samt Kirche abgerissen
wurden. Auch die umliegenden
Dörfer wurden abgetragen: Nastrehnen,
Kobjeiten und Pojerstieten existieren
nicht mehr. Von dem einst fast
400 Einwohner großen Pojerstieten
stehen nur noch zwei Hochsilos.