die Familie Skerra. Wieder ein paar
Schritte weiter stand früher die alte
Schmiede. Gleich daneben war die Auffahrt
zum Hof Niemann. Bei Niemann
auf dem Hof wurde für die Arbeiter zur
Mittagspause geläutet. Ich durfte auch
manchmal „klingern“, wenn die Mittagspause
beendet war. Die Deputatleute
der anderen Höfe richteten sich
ebenfalls nach dieser Glocke. Mein
Vater sagte immer: „Bi Niemann lieft
dat geklingert, wi motte los.“
Frau Niemann legte großen Wert darauf,
von ihren Arbeitern mit „Gnädige
Frau“ angesprochen zu werden, und
irgendwann ging im Dorf die Mär um,
daß der Knecht Franz Klement gesagt
haben soll: Gnädige Fru, de gnädige Su
hätt sewe gnädige Farkel bekome. -
Unser Weg führt uns auf die andere
Straßenseite und rauf zum Bäcker
Hübner. Erinnert Ihr noch die schönen
Mohnkuchen zur Fastnach? Mir läuft
noch das Wasser im Mund zusammen.
Bäcker Hübner war ein richtiger Familienbetrieb.
Hans, der Bäcker stand in
der Backstube, Opa Hübner war mit
dem Bäckerwagen unterwegs, Oma
Hübner stand im Laden und Frau Lene
versorgte die Lamilie. -
Nun gehen wir wieder zurück zur
Dorfstraße. Da ist rechts der freie Platz,
wo zu meiner Schulzeit eine „Hitler-Eiche“
gepflanzt wurde. Schule und
Vereine waren dazu angetreten. Aber
die Eiche wuchs nicht an, denn der
Platz war immer sehr naß. Bei längerem
Regen bildete sich sogar ein kleiner
48
Tümpel. Stillschweigend wurde eine
neue Eiche gepflanzt. Ob die angewachsen
ist? Ich weiß es nicht.
Vor meiner Schulzeit lagerten auf
dem Platz auch manchmal Zigeuner auf
der Durchreise. Für uns Kinder war das
eine aufregende Abwechslung im dörflichen
Tagesablauf, und Mutter paßte
immer mächtig auf, daß alle Hühner im
Stall eingesperrt waren. Die Zigeunerfrauen
boten geklöppelte Decken zum
Verkauf an, baten um Geld und Sachspenden
und bei Gelegenheit machten
sie hin und wieder „lange Finger“. Der
Spuk dauerte immer nur einen Tag,
dann zogen sie weiter. -
Und nun wandern wir weiter zu
unserer Schule. Sie war zweiklassig und
1945 unterrichteten dort Lehrer Gehlhar
und die Junglehrerin Ruth Wölk
aus Germau, allerdings nicht für lange,
dann mußten wir fort. Davor unterrichteten
in Rothenen die Lehrer Karl
Schiel und Herbert Stuck, wozu auch
die Kinder aus Nodems, Grebieten,
Powayen, Kl. Powayen und Saltnicken
gehörten. Auf einem Klassenfoto habe
ich seinerzeit fast 80 Kinder gezählt.
Die Kleinen wurden in den vorderen
Klassenräumen und die Großen in den
Räumen zur Rückseite unterrichtet.
Im Sommer feierten wir bei der
Kraig ein großes Schulfest. In langem
Umzug marschierten wir dorthin. Im
Winter freuten wir uns auf die Märchenaufführungen,
für die viele Wochen vorher
geübt wurde.
Wer weiß denn noch, daß vor der
Schule ein Brunnen mit einer großen
Pumpe stand, die auch im heißesten
Sommer kühles Wasser spendete, da
der Brunnen tiefer als der Meeresspiegel
war? Hier endet mein Spaziergang
für heute. In Folge 146 „Unser
schönes Samland“ werde ich den gedanklichen
Weg durch Rothenen fortsetzen.
Eure Eva Schwarz, geb. Hamann,
Alter Schulweg 8, 25724 Neufeld,
Telefon: 04856-322
De Hemmelstuun (Der Himmelszaun)
- eine nacherzählte Mär - und ins Plattdeutsche
übersetzt - in Nordostpreußen
Dat weär noch to jenner Tied, als
dat mött dem Hemmel on der Höll
oppkeem. On dat weär so: De Adam
had joa nu vom leewe Gott sienem
Äppelboom gejäte, on wurd mött siener
Eva uttem Paradies verjoagd. Daropphenn
keem Gott mött dem Diewel
äwereen, dat se söck e Tuun twösche
Hemmel on Höll sette wulle. Gemoakd
- gedoahne! Oawer nu, eenjendoags,
weär de Tuun ömgefalle on leej oppem
Diewel siene Sied. Nu weär ja man klar,
da, bi wem de Tuunpoahls stunde, de
weär ok färem Tuun verantwortlich.
Oawer de Diewel dochd nich dran.
„Petrus“, säd dromm de leewe Gott, du
geihst jetz glieks moal rawer on sejjst
dem Diewel, dat he dem Tuun wedder
oppstelle mott. De Petrus marscheert