Full text : Unser Schönes Samland

gesetzt und war trotz stärkster körperlicher
 Beschwerden nach Pinneberg
geeilt, um in unserer Mitte zu weilen.
Wie groß ist die Heimatliebe dieser
Menschen, wenn sie solche körperlichen
 Strapazen und hohe finanzielle
Opfer auf sich nehmen, um wiederum
Jugendfreunde zu sehen und die vertrauten
 Laute der alten Heimat zu
hören. - Und dann sagen verblendete
und irre geleitete Menschen: „Die
Vertriebenen sind Revanchisten!“
Klaus Lunau hat aufgrund seiner
Heirat mit Valentina Kalinnikowa (s.
HB 11/1999 S. 18) gute Verbindung zu
den Oberhäuptern der Stadtverwaltung
von Selenogradsk. Nach Aussage des
Bürgermeisters soll Selenogradsk zum
Staatsbad erklärt werden. Damit verbunden
 wären höhere Haushaltsmittelzuweisungen
 aus Moskau, die für die
Durchführung bereits bestehender Bauplanungen
 Verwendung finden könnten.
 Unserem verlorenen „Cranz’che“
könnte das guttun.

Das Cranzer Lied

Kahle Düne und brausendes Meer,
Schweigender Wald, von Menschen leer,
Einsame Pfade, dem Elche vertraut,
Drüber ein strahlender Himmel blaut:
Dies ist das Cranz, wie’s nicht viele geseh 'n,
Kommt und verweilt! Hier ist’s immer schön!

Rostrote Segel hißt schwielige Hand,
bringt die milchweiße Flunder zum Strand,
Schafft des Meeres Gold ans Licht,
Herb ist das Los und die Menschen schlicht:
Dies ist das Cranz, wie’s nicht viele geseh ’n,
Kommt und verweilt! Hier ist’s immer schön!

Dank der Aufmerksamkeit meiner
ehemaligen Klassenkameradin Brigitte
Schlicht, geb. Schwarz, habe ich von der
Existenz nachstehenden Textes erfahren:
 Das Cranzer Lied - von Luise Kalweit.
Im Samland-Museum in Pinneberg
hatte Brigitte ein Exemplar der „Amtl.
Bade-Zeitung - Cranz und Kurische
Nehrung“ vom 21.08.1934 entdeckt und
mir über die Kreisgeschäftsstelle eine
Ablichtung mit dem Text des Liedes
zukommen lassen. Mir und allen bisher
befragten Cranzern ist das Lied unbekannt.
 Wer von Ihnen kennt „Das
Cranzer Lied“ von früher, wer war Luise
Kalweit und wer besitzt die Noten von
dem Lied? Im Museum sind solche
nicht vorhanden. Ich erbitte Ihre Mitteilung,
 wenn Sie mir helfen können.
Ausgaben werden natürlich erstattet.
In den Ausgaben des Ostpreußenblattes
 vom Sept./Okt. 1999 sind Ar
tikel veröffentlicht, die ehemalige Cran
zer oder deren Nachkommen betreffen.
So enthält die Folge 37 vom 18.09. eine

Uralte Sage raunt wogendes Meer.
Männer des Nordens kamen einst her,
Hieben den Wald und bauten das Land,
Wurden heimisch an unserem Strand:
Unfern von Cranz könnt die Male ihr seh ’n,
Kommt und verweilt! Hier ist's immer schön!

Wen das Leben müde gemacht,
Wen nicht freut der Sonne Pracht,
Such’hier nicht Menschen, such' Einsamkeit,
Und es verweht des Lebens Leid:
Drum liebt dies Cranz, wie’s nicht vielegeseh’n,
Kommt und verweilt! Hier ist ’s immer schön!

Abhandlung über den Dichter und
Dramatiker Alfred Brust, der in den
Jahren von 1923 bis 1932 in Cranz gewohnt
 und gewirkt hat. - ln den Folgen
38 bis 40 berichtet Christian Tilitzki
unter dem Titel „Wie ein versunkenes
Vineta“ über die Königsberger Universität
 im Zusammenbruch des Reiches.
Christian Tilitzki ist der 1957 geborene
Sohn des Cranzer Fischersohnes Richard
 Tilitzki (Jahrgang 1932), der im
Oktober 1988 Opfer seines Berufes
wurde. Als selbständiger Fischer in
Kappeln/Holstein ging er mit seinem
Kutter unter. - In Folge 38 S.9 wird an
den Cranzer Maler Heinz Sprenger
erinnert, der vor 85 Jahren im September
 1914 in Cranz geboren wurde.

Er starb am 11.09.1984 in seinem Haus
in Timmendorfer Strand bei der Zusammenstellung
 seiner Bilder, die beim
Kreistreffen im September 1984 im
Samland-Museum in Pinneberg gezeigt
wurden.
Ich grüße Sie alle in heimatlicher
Verbundenheit und wünsche Ihnen Gesundheit,
 ein frohes besinnliches Weihnachtsfest
 und einen guten Rutsch in ein
friedliches neues Jahr bzw. Jahrtausend.

Ihr Walter Rosenbaum, Gerhardstraße 23,
27576Bremerhaven, Telefon: 0471-55008
- auch im Namen von
Bruno Radtke, Hemmstraße 306,
28215 Bremen, Telefon: 0421-351203
und unseren Frauen.

Es ist für uns eine Zeit angekommen

Wie wir wissen, kann man sich an
alles gewöhnen, sogar daran, daß es zu
Weihnachten keinen Schnee gibt, so wie
es hier im übrigen Deutschland schon
öfter vorgekommen ist. Aber wenn wir
an unser Zuhause in Ostpreußen denken,
 wäre es für uns eine fast lächerliche
Vorstellung, dort eine grüne Weihnacht
gehabt zu haben. Erst die weiße Pracht
gab uns ja dieses Glücksgefühl, diese
Veränderung der Erde, den Wechsel,
das Erleben der Natur.
Zugleich mit dem Schnee weihnachtete
 es bei uns Kindern. Die Erwachsenen
 mögen es nicht so froh angesehen
haben. Was war das schön, wenn sich
die Flocken sacht krieselnd oder schwer

und dick herunterfallend, dichter und
immer dichter auf Hecken, Dächer und
Zäunen legten, wenn der Wäschepfahl
oder die Pumpe eine Haube bekamen,
so daß es aussah, als ob sie Mützen trugen.
 Die hohe Frostgrenze ließ morgens
den Schnee unter unseren Stiefeln und

48 49