Vorsitzenden so: „Wissen Se was, dem
J ung fehlt mit de Wichsbürst!“
Auf einen Programmpunkt möchte
ich jedoch noch hinweisen, auf das herausragende
Erlebnis des Konzerts im
Königsberger Dom. Man konnte sich
einer tiefen Bewegung nicht entziehen.
Unsere russischen Gastgeber aus Tilsit
und Lauknen waren an dem Tag unsere
Gäste. Auch sie haben dieses wunderbare
Erlebnis mit Tränen in den Augen
genossen.
Neben dem Dom, an der Honigbrücke,
spielten auch in diesem Jahr
russische Jugendliche, „Ännchen von
Tharau“, „Land der dunklen Wälder“,
„Horch, was kommt von draußen rein“
und andere deutsche Volkslieder.
Unsere Gastgeberin Xenia und ich
haben aus voller Kehle mitgesungen.
Ein unglaubliches Gefühl.
Doch nun zu Bludau: Einladungen
an die russischen Dorfbewohner zu
einer gemeinsamen Gedenkfeier und
den obligatorischen Besuch beim Bürgermeister
hatte unser Kontaktmann
Wladimir Maksiutenko arrangiert,
ebenso den Besuch im Kindergarten.
Die Freude der Kinder über unsere
Geschenke war wie immer groß und
herzlich.
Die Gedenkstätte war geputzt und
die Bänke repariert, zum wiederholten
Mal. Unsere Vorstellungen von der
Pflege sind trotzdem noch etwas anders.
Doch solange Kühe, Schafe und Ziegen
„freie Fahrt“ haben, wird auf dem
Rondell keine Blume länger als drei
Tage blühen. Um sinnlose Geldausgaben
und Arbeiten zu sparen, soll nach
Absprache mit einigen Bludauern grober
Kies oder kleine Steine auf das Rondell
und drumherum geschüttet werden.
Nur zu Gedenktagen oder nach Wunsch
und Gefühl sollen Kränze oder Blumen
niedergelegt werden. Über andere Möglichkeiten
und Vorschläge können wir
bei unserem nächsten Ortstreffen in
Osnabrück beraten.
Erfreulich groß war die Anzahl der
russischen Teilnehmer an unserer kleinen
Feier, deren Text ich an das Ende
dieses Berichtes setze.
Die anschließende Kaffeetafel unter
freiem Himmel für groß und sehr viel
„klein“ hatte Wladimir gut bestückt.
Trotzdem war alles in Windeseile in
Hände, Münder und Taschen gewandert.
Das Interesse an unserem Besuch
zeigte sich in regen Gesprächen und privaten
Einladungen. Die älteren Bewohner
erzählten, wie sie aus dem Gebiet
Gorki, aus Estland, Perm und vielen
anderen russischen Gebieten in das
zerstörte Bludau kamen. Sie wollten
immer mehr aus deutscher Zeit wissen.
Anhand von einigen Fotos konnten wir
etwas zeigen und erzählen. Eine Bewohnerin
fragte, ob sie uns zeigen und
einladen dürfe, wie auf russische Art
Gedenken gefeiert wird, das nahmen
wir natürlich gerne an. Wir, das waren
Jürgen und Hagen Baumgartner, Alfred
Dumschat und ich, Erika Wetzel.
Das russische Gedenken fand in
dem dortigen Kaffeeraum statt, den
Wladimir für „unsere“ Kaffeetafel aus
gutem Grund gemieden hatte. Man bat
uns Platz zu nehmen und servierte
dann von Zuhause mitgebrachten
Wodka, Bratkartoffeln, Pellkartoffeln,
Salzgurken, frische Gurken, Zwiebeln,
Brot und Ölsardinen. Beim Essen entspann
sich ein reges Gespräch, Fragen
und Antworten hin und her. Unsere
Denkmalpflegerin Olga Kasatschenko
und Wladimir hatten zu tun, alles zu
übersetzen. Herzlichen Dank an beide!
Nach ausgiebigem Gedenken russischer
Art sollten wir unbedingt die
Einladung einer Bewohnerin eines der
letzten deutschen Häuser an nehmen.
Sie wollte uns zeigen wie gut sie Haus
und Garten pflegt und wieviele Blumen
sie im Garten hat. Auch wollte sie
gerne wissen, wer der deutsche Besitzer
des Hauses war. Ich wußte es leider
nicht genau. Vielleicht war es Lettau
oder der Nachbar. Im Haus war
alles sehr sauber, gepflegt und möbliert.
Auch ein alter grüner Kachelofen aus
deutscher Zeit war noch vorhanden,
der mehrere Räume beheizt. Bis vor
kurzem vorhandene Einschußlöcher
von den Kriegshandlungen waren verputzt
und danach soll auch die andere
Hausseite renoviert werden, das sollten
wir doch bitte den ehemaligen Besitzern
mit lieben Grüßen ausrichten.
Zum Abschied sangen Olga, einige
Kinder und die Hausbewohner ein
paar Lieder für uns. Liebe Grüße sollen
wir auch an alle ehemaligen Bludauer
überbringen und wiederkommen.
Eine weitere Einladung zum Picknick
in die runde, mit Wein dicht bewachsene
Gartenlaube von Alexander,
dem Sportlehrer der Schule, nahmen
wir gerne an. Anwesend war auch die
Direktorin der Schule. Sie hat an der
„Albertina“ studiert und spricht etwas
Deutsch. Sie ist stolz auf die Leistungen
der Kinder und die Anzahl der Abiturienten.
Auch wirtschaftlich geht es dem
Dorf nach einem starken Einbruch 1998
jetzt wieder gut. Die Pelztierzucht floriert
und die angeschlossene Pelznäherei,
die wir besichtigen durften, hat
einen zufriedenstellenden Absatz. Beide
Unternehmen mit italienischer Beteiligung.
Ohne Arbeit sind nur die Pensionäre
und Alkoholiker, so erzählt sie.
Kopf voll, Bauch voll, Herz voll
Wehmut - Zeit zum Aufbruch. Auch
hier herzliche Verabschiedung, liebe
Grüße und die Bitte zum Wiederkommen.
Mit dem folgenden Text unserer
kleinen Feier am deutsch-russischen
Gedenkstein möchte ich diesen Beitrag
schließen.
Es waren 35 erwachsene russische
Teilnehmer und mindestens ebenso
viele Kinder und Jugendliche anwesend.
„Sehr geehrter Herr Bürgermeister,
(war leider nicht anwesend), sehr geehrte
Einwohner von Kostrowo, liebe
Freunde, liebe Kinder!
Wir begrüßen Sie sehr herzlich zu
diesem gemeinsamen Gedenken. Ich
möchte keine große Rede halten, nur
sagen was wir denken und fühlen, wenn
wir hier gemeinsam stehen und uns
erinnern. Leider möchten unsere älteren
Bludauer nicht mehr so weit reisen,
um heute hier zu sein, doch in Gedanken
sind viele unserer Landsleute
hier, und nicht nur heute. So überbringen
wir Ihnen liebe Grüße. Wir denken
oft an den Juni 1995, als wir mit Ihnen
zusammen dieses kleine Denkmal eingeweiht
haben. Pfarrer Wolfram hat die
Weihe feierlich vollzogen zu Ehren der
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