Einschulung bei Lehrer Hülsen lernte
ich dann auch meine Schulfreunde kennen.
Es waren nur 3 Jungs: Helmut
Joppien, Georg Benson und Günter
Ochs. Mit dem Kennenlernen dieser
Jungens fingen für mich die schönsten
Kinderjahre in Groß Dirschkeim an.
Wir stromerten überall herum. Die
schöne Schlucht und unsere geliebte
Ostsee waren fast schon unser zweites
Zuhause. Von den schönen Wintererlebnissen
träume ich heute noch.
Warum benötige ich für mein Anliegen
diese Einleitung? Ganz einfach. In diesem
Jahr habe ich mit meiner Frau
(gebürtig aus dem schönen Ostseebad
Cranz ) in dem Haus meiner schönsten
Kinderjahre unseren Urlaub verlebt.
Eine Woche habe ich Vergangenheit
und Gegenwart wie ein Wechselbad
erleben dürfen. Wie reich bin ich
beschenkt worden. Ich durfte den
Fußboden betreten, die Türen öffnen
und schließen, aus dem Fenster schauen,
aus dem ich schaute, wenn ich beim
Schneetreiben meinen Vater vom
Dienst erwartete. Ich konnte meinen
Erinnerungen und Gefühlen freien
Lauf lassen und erlebte plötzlich: Vater,
Mutter, meine 3 Schwestern und den
Großvater, der immer zu den Wochenenden
aus Groß Kuhren zu Besuch
kam. Es war keine Phantasie. Es war
das Buch meiner Kindheit, das ich jetzt
wieder bei den jetzigen Bewohnern aufschlagen
durfte. Dankbar sind wir unseren
Gastgebern für die sprichwörtliche
Gastfreundlichkeit und für das entgegengebrachte
Mitgefühl und Verständnis,
wenn dann und wann einmal eine
kleine Träne das Auge stärker anfeuchtete.
Bei unserem Besuch wurde
immer wieder gefragt, wie es denn
damals in Groß Dirschkeim war. Ich
konnte aus meinem Gedächtnis meine
Erinnerungen berichten und zusätzlich
mit einigen Fotos das Erzählte auch
belegen. Am interessiertesten war der
Hausmeister der Schule. Da er einen
Raum mit einer Dokumentation über
das Groß Dirschkeim vor 1945 erstellen
möchte, sucht er, bis jetzt leider
ohne Erfolg, verwendbares Material.
Ich möchte ihm bei seinem Vorhaben
helfen. Ein Russe bemüht sich die Vergangenheit
aufzuarbeiten. Mit seiner
Arbeit vollzieht er Völkerverständigung
und zeigt mir, daß ich in der Heimat
kein Fremder bin. Wo wäre eine Dokumentation
besser untergebracht als in
einer Schule? Hier nun mein Aufruf
Liebe Dirschkeimer, alles was diesem
Vorhaben dienlich sein könnte, bitte an
meine Adresse schicken. Fotos werden
nach Abzügen selbstverständlich an den
Leihgeber zurückgeschickt.
Hier meine Adresse:
Kurt Maibaum
Johannesstraße 15, 25143 Kiel
Redaktionsschluß für Folge 148 ist der 10.10.2000
48
Fuchsberg
Liebe Heimatfreunde, das diesjährige
Bundestreffen in Leipzig war die
Reise wert. Da war zunächst das
modernste Messezentrum Europas zu
bewundern, in dem nun die Ostpreußen
im wiedervereinigten Deutschland
ihr Bekenntnis zur Heimat eindrucksvoll
demonstrierten. Die Medien, insbesondere
das Ostpreußenblatt berichteten
ausführlich darüber.
Die Hoffnung, viele ehemalige Ortsbewohner
aus den neuen Bundesländern
anzutreffen, bewahrheitete sich
leider nicht. Und zusammen mit den
aus den alten Bundesländern Angereisten
zählte man gerade eine
„Handvoll“. Die Pkw-Anreise ist sicher
noch beschwerlich, zumal der stark angewachsene
Verkehr sich auf Bundesstraßen
durch enge Ortsdurchfahrten
zwängen muß. Der Ausbau der Autobahnen
steckt noch in den Anfängen.
Wer jedoch wie ich diese „Pflichtübung“
mit der Möglichkeit des
Kennenlernens des aufstrebenden Freistaates
Sachsen verband, kam doch auf
seine Kosten. So erlebten wir ( meine
Frau war dabei) in den folgenden Tagen
einen vorbildlich organisierten Mühlentag
im Landkreis Delitzsch mit ca. 20
völlig restaurierten und bewirtschafteten
Windmühlen verschiedenster Konstruktionen
und ideenreich ausgebauten
Außenanlagen. Per Fahrrad und bei
gutem Wetter - ein Erlebnis. Und das
imposante Völkerschlachtdenkmal sollte
man gesehen haben. Die Schönheiten
der sächsischen Schweiz dürften ebenfalls
nicht unerwähnt bleiben.
Eine Woche davor hatte ich leider
den Termin für das am 17. und 18. Juni
d.J. anberaumte Ortstreffen absagen
müssen. Die Kosten für den Belegungsausfall
beim Naturfreundehaus Gohfeld
blieben mir erfreulicherweise noch
erspart. Und doch stimmt es nachdenklich!
So möchte ich das dort vorgesehene
Angebot teilweise an dieser Stelle
offerieren. Der Videofilm von meinem
letztjährigen Besuch Ostpreußens zeigt
die folgenden Stationen. - Sensburg
(Krutinna) Sternau (Siedlung der Rußlanddeutschen),
Blutspur im Samland
(von Metgethen bis Sorgenau), die
Kriegsgräberstätten in Fischhausen,
Germau, Insterburg, Georgenburg;
Stippvisiten in Königsberg, Tapiau,
Wehlau, Insterburg, Trakehnen, Gumbinnen;
das Samlandtreffen in Rauschen,
Besuch der Sonderzone Pillau,
Kurische Nehrung. Der Filmtitel lautet:
„Eine Pkw-Reise zum Samlandtreffen
1999 in Nordostpreußen“ (ca.
60 Minuten). Diese Kassette wird im
2. Teil ergänzt durch die Zusammenstellung
einer Vielzahl von Fotos von
Menschen und Bauten unseres
Heimatortes. Das vorhandene Modell
von Fuchsberg beflügelt die Phantasie
durch die Vogelperspektive und läßt
Erinnerungen aulkommen. Die letzten
noch stehenden Wohnhäuser sind
als Fotos der letzten Jahre bis 1999
einschließlich in den Streifen eingearbeitet.
Sicher ein Stück zusätzliche
Erinnerung, zu verstehen als Ergänzung
meines Videofilms „Fuchsberg
1992“. Die Kassette mit beiden
Teilen in einer Gesamtspieldauer von
80 Minuten ist für 35,- DM portofrei erhältlich.