Fuchsberg
Hallo, liebe Fuchsberger!
Zuschriften für den Samlandbrief
müssen bereits zu Beginn der jeweiligen
Quartalsausgabe dort vorliegen
(10. Juli 1999). So kann mein Reisebericht
über das Königsberger Gebiet
leider erst in der nächsten Ausgabe
erscheinen.
Das Ehepaar Altrock unterrichtete
mich telefonisch über dessen Besuch
bei der Familie Stöcklein in Fuchsberg.
Man berichtete begeistert über
die überaus gastfreundliche Aufnahme.
Es wurde aufgetischt wie einst in
Ostpreußen üblich. Besucher sind
herzlich willkommen!
Anläßlich des Samlandtreffens
werde ich die Gelegenheit nutzen, den
Spuren der grausamsten Tragödie im
Januar/Februar 1945 im Samland zu
folgen und in einer Videosequenz aufzuzeichnen.
Zum besseren Verständnis
habe ich hierzu eine Skizze des
nordwestlichen Ostpreußens gefertigt.
Ende Januar 1945 drangen Einheiten
der 39. Sowjetarmee binnen 2-3
Tagen bis Gr.Heidekrug/Frisches Haff
vor und erreichten gleichzeitig mit der
43. Sowjetarmee Sorgenau an der Ostseeküste.
Damit war Königsberg vom
restlichen Samland abgeschnitten.
Mehr als 100 Ortschaften einschl. der
unzähligen Flüchtlingstrecks befanden
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sich damit bis zu 24 Tagen unter
sowjetischer Gewaltherrschaft. (In
Nemmersdorf waren es nur Stunden)
Was sich in dieser Zeit hier abspielte,
übertraf alles bisher Dagewesene an
Grausamkeiten und Bestialitäten. Vergewaltigungen
mit teilweise tierischen
Auswüchsen gehörten zur Normalität.
Die Königsberger Vorstadt Metgethen
war besonders hart betroffen und glich
einem Schlachthaus.
Hier waren zusätzlich die Insassen
eines ganzen Flüchtlingszuges den
Mordorgien der sowj. 91. Gardeschützendivision
zum Opfer gefallen. Man
spricht von mehreren tausend Ermordeten.
Die Einheiten des sowj. Oberst.
Sacenko zeichneten sich durch besondere
Bestialitäten aus.
Prof. Ibsen, damals Offizier im
Stab der 3. Armee und Augenzeuge,
beschreibt das blutige Gemetzel als
„einen an Wahnsinn grenzenden
Zustand.“ Selbst der russische Schriftsteller
Leonid Mlecin berichtete Jahre
später über das damalige Geschehen
in der Zeitung „Nowoe Vremja“
(Neueste Nachrichten) unter dem
Titel „Prestuplenija Krasnoarmejcev“
(= Verbrechen der Roten Armee).
Obwohl die Namen der sowj. Divisionskommandeure
bis hin zu den
unteren Einheitsführern bekannt sind,
blieben die Verbrechen bis heute ungesühnt.
Neben der 91. Gardeschützendivision
war auch die 358. Schützendivision
an den Greueltaten der
39. Sowjetarmee besonders beteiligt. -
Exemplarisch für die Perversitäten sei
hier die Kreuzigungsszene in der
Kirche von Gr. Heidekrug genannt.
Hier war ein gekreuzigtes Mädchen
von je einem ebenfalls gekreuzigten
Soldaten zur linken und rechten Seite
flankiert.
Mein weiterer Weg wird der Blutspur
über Medenau, Kragau, Gr. Ladtkeim,
Annchental, Krattlau, Germau,
Sorgenau und Georgenswalde folgen.
Der gebürtige Ostpreuße Dr. Joachim
Hoffmann, einst tätig im Militärgeschichtlichen
Forschungsamt der
Bundeswehr, nennt Fakten und
Namen von Verantwortlichen in seinem
Buch „Stalins Krieg“.
Die Kriegsgräberstätten im nördlichen
Ostpreußen sind ein weiterer
Schwerpunkt meines Besuchsprogramms.
Folgende Stätten sind bereits
fertiggestellt: Germau (4000 Tote),
Fischhausen (950 Tote), Pillau (7000
Tote), Insterburg (2500 Tote), Georgenburg
(verstorbene Kriegsgefangene),
Schloßberg (Gefallene des Ersten
und Zweiten Weltkrieges). Weitere
sind in Königsberg, Balga und Heiligenbeil
geplant, bzw. ist mit der Umbettung
schon begonnen worden.
Zwischendurch besuche ich rußlanddeutsche
Neubauern (Fermer).
Wie hieraus schon ersichtlich ist,
haben wir uns viel vorgenommen,
zumal noch Programmpunkte des zentralen
Samlandtreffens hinzukommen.
Euer Klaus Wulff, Kulmer Straße 20 a,
32602 Vlotho 2, Telefon: 05228- 7183
Zum Ausschneiden und Sammeln
wiederum 2 noch existierende Wohngebäude
in Fuchsberg auf Seite 56. 53