Full text : Wollsteiner Aufsätze

Kriegsdienst einzog.7 Geändert hat das aber auch nichts. Trotz
seiner polnischen Herkunft war er ein überzeugter Deutscher,
daher war er nach dem Ausbruch des Großpolnischen Aufstandes
 auch darum bemüht, sein Kirchspiel zumindest neutral
zu halten. Der Aufstand in Deutschland begann mit der Ankunft
 Paderewskis in Posen (Ende Dezember 1918) und bald
schon zeigte es sich, daß die polnische Untergrundbewegung
gut vorbereitet war. Überall im Lande hatte man Waffenlager
angelegt und rief nun zum Aufstand gegen die deutschen Unterdrücker
 auf. Bereits am 1. Januar 1919 fielen die Städte
Krotoschin (Krotoszyn) und Schubin (Szubin), am 3. Januar
Grätz (Grodzisk Wlkp.), Rakwitz (Rakwicz) und Neutomischel,
 (Nowy Tomysl), am 4. Januar der Bahnhof in Bentschen
(Zbazyn) und am 7. auch Wollstein (Wolsztyn), der Verwaltungssitz
 des Kreises Bomst, in die Hände der provisorischen
polnischen Truppen. Damit kam der Aufstand dem Primenter
Land bereits Anfang Januar bedenklich nahe. Bereits zu Silvester
 1918 erging an die deutschen Dörfer aus Wollstein ein
Hilfsgesuch, da von Grätz her Truppen der Aufständischen
unterwegs seien. Zumindest von der Gemeinde Schwenten ist
es überliefert, daß sie fünfundzwanzig Mann in die Nachbarstadt
 schickten, die tags drauf aber wieder zurückkehrten. Am
6. Januar 1919 erreichten die ersten polnischen Milizen Mauche,
 zogen sich dann aber nach Wollstein zurück, wobei sich
die polnischen Dörfer Kiebel und Obra ihnen anschlossen.

7 Im Kirchenbuch trug er zum Kriegsausbruch im August 1914 nach: „Meine armen
Kinder.“ Dies zeigt seine hohe Auffassung von der Seelsorge, auch wenn sich seine
Auffassung nicht immer mit denen seiner Gemeinde deckte.

Da die Kreisstadt so überraschend schnell in die Hände der
Aufständischen gefallen war, war es nur noch eine Frage der
Zeit, wann polnische Truppen erneut im Primenter Land auftauchen
 würden. Noch waren die Aufständischen jedoch zu
schwach, daher wurde der Probst Paradowski nun aktiv. Er 11