Full text : Wollsteiner Aufsätze

Der Nutznießer all dieser Streitigkeiten war der Adel, der ein
königliches Privileg nach dem anderen gewann.
Von Anfang an bildeten sich zwei Machtzentren aus: das der
schlesischen und das der großpolnischen/ kujawischen Piasten.
 Und hier kommt dann das Kloster Priment ins Spiel. Die
verschiedenen Herzogtümer trennten damals noch riesige Urwälder.
 Ebenso sah es zwischen dem großpolnischen Zentrum
um Posen/ Gnesen und dem niederschlesischen Liegnitz/ Glogau
 aus. Schon zur Zeit der ersten Inbesitznahme hatten die
Piasten im ganzen Lande Militärstützpunkte, die sogenannten
Kastellaneien, errichtet. Für das Grenzgebiet zwischen Großpolen
 und Niederschlesien, im späteren Kreise Bomst und
Fraustadt, war der Kastellan von Priment zuständig. Auch diese,
 auf einer Insel im Sumpf des Obrabruches gelegene Burg,
wurde zur Stadt erhoben und war ein wichtiger Stützpunkt auf
dem Weg zur Herrschaft über das jeweils andere Herzogtum.

Die niederschlesischen Piasten hatten durch ihre deutschen
Verwandten, vor allem die sächsischen Askanier, gelernt, wie
bedeutsam der Landesausbau war. Zudem hatten letztere dieses
 Mittel auch militärpolitisch ausgenutzt, um mit neuen
Siedlungen in den angrenzenden Urwäldern das eigene Staatsgebiet
 ausdehnen zu können. Gleichzeitig brachte der Landesausbau
 Geld und neuen Nachschub von Soldaten ein.

In Polen erkannte man diese Gefahr durchaus. Wenn es nicht
gelänge Polen wirtschaftlich dem Westen anzupassen, bestände
 die Gefahr ebenso zu enden wie die Elbslawen, die Deutsche
 und Polen noch gemeinsam unterworfen hatten.
Die wirtschaftliche Lage in Polen sah zu jener Zeit sehr
schlecht aus. Die vielen Erbkriege hatten natürlich keinen guten
 Einfluß auf die Bevölkerungsentwicklung. Polen war ein
ziemlich menschenleeres Land. Zudem wirtschaftete man nach
äußerst unrentablen Methoden. Der Holzpflug war noch die 38