Die 1. Deutsche Teilung (1919/20) und ihre
Folgen für die in Polen verbliebenen Deutschen
Es gibt zwar den historischen Ausdruck der Polnischen Teilungen,
von einer Deutschen Teilung spricht jedoch niemand.
Das hat seine Gründe: Polen wurde von seinen Nachbarn
mutwillig zerstört und ihm Ländereien entrissen, bis der Staat
als solches aufhörte zu existieren. Daß die innere Struktur der
polnischen Adelsrepublik direkt dazu einlud, zumal zu einer
Zeit, wo Krieg und Raub legitime Mittel der Politik waren,
erklärt diese Vorgänge zwar, machen sie aber dadurch auch
nicht besser. Es war ein Gewaltakt, wenn auch im Nachhinein
zum Nutzen der einfachen Bevölkerung, der es zumindest unter
preußischer oder österreichischer Herrschaft besser erging
als zuvor unter dem polnischen Adel. Polen war Opfer der
Teilung ohne diese direkt mit verschuldet zu haben. Im Falle
Deutschlands sieht die Sache da ganz anders aus. Das Deutsche
Reich war aktiv und auch bewußt in den Ersten Weltkrieg
gegangen, wobei die alleinige Kriegsschuldffage natürlich
angesichts der heute bekannten Quellenlage abstrus ist.
Aber, so muß man leider urteilen, das Deutsche Kaiserreich
hat den Weg vorgezeichnet. Der harte Separatfrieden mit
Rußland von Brest Litowsk, bei dem die junge Sowjetunion
weite Teile des zaristischen Rußlands abtreten mußte und ihm
zudem hohe Reparationen auferlegt wurden, wirkt wie eine
Vorlage für den Versailler Vertrag. Deutschland hat aktiv die
Katastrophe heraufbeschworen und gezeigt, was es mit dem
Unterlegenen machen würde. Dasselbe Verhalten hatte also
Deutschland nach 1918 zu erwarten. Das ist keine Frage, da
gibt es auch keinen Grund zur Klage. 22